Zur 26er Weinlese einen 25er Goldriesling von Wackerbarth

Weinlese: Wackerbarth-Weinbauleiter Till Neumeister und Jungwinzerin Salvina Danó lesen den ersten Goldriesling. Foto: Ulrich van Stipriaan

Wackerbarth-Weinbauleiter Till Neumeister und Jungwinzerin Salvina Danó lesen den ersten Goldriesling. Foto: Ulrich van Stipriaan

Unser Gastautor Ulrich van Stipriaan hat zu Beginn der diesjährigen Weinlese auf Schloss Wackerbarth einen Goldriesling des Vorjahres probiert.

Von Ulrich van Stipriaan

Mit einem schönen Etikett startet die Weinlese: Ich bin ja eigentlich kein Etikettentrinker – will heißen: ich brauche keinen Wein, nur weil er einen berühmten Namen trägt. Schmecken muss er – und möglichst entweder zum Essen oder zur Stimmung passen. Oder zu beidem. Aber manchmal können Etiketten schon verführerisch wirken – und das vom Goldriesling von Schloss Wackerbarth gehört zweifelsohne dazu. Anlässlich des 125. Geburtstags des Goldrieslings in Sachsen hatte der Hallenser Künstler Moritz Götze für den Jahrgang 2017/2018 erstmals ein Sonderetikett gestaltet, und das ist geblieben. Was sich jährlich ändert, ist natürlich der Jahrgang. Neuer Wein in alten Schläuchen, sozusagen.

Der Goldriesling aus der Weinlese 2025 - das Etikett macht neugierig. Foto: Ulrich van Stipriaan
Der Goldriesling aus der Weinlese 2025 - das Etikett macht neugierig. Foto: Ulrich van Stipriaan

In der vergangenen Woche begann bei den Wackerbärthen die diesjährige Weinlese. Start war in der Lage mit dem verheißungsvollen Namen Paradies, gelesen wurde (ganz traditionell per Hand von einem erfahrenen Team) Goldriesling. Herrlich gesunde Trauben, da ging die Arbeit flott von der Hand – zumal der Goldriesling im 1 ha großen flachen oberen Ausläufer vom Paradies wächst. Weiter unten wird’s dann richtig steil und anspruchsvoll, mit 60 Prozent Hangneigung kann da die Lese von den hochwertigeren Rebsorten Riesling oder Traminer höllisch anstrengend sein. 

Der Goldriesling ist deutlich weniger anspruchsvoll und, trotz der teuer klingenden Vorsilbe Gold, auch nicht der bessere Riesling. Preislich geben sich die sächsischen Goldrieslinge allerdings schon sehr ambitioniert – und das ist dann schon so etwas wie Gold in den Taschen der Winzer. Aber egal, man muss ja auch gönnen können. 

Den Goldriesling gibt es in nennenswerten Mengen nur noch in Sachsen, und es gibt ja böse Zungen, die da sagen: die anderen werden schon wissen, warum sie ihn nicht mehr brauchen. Aber das ist vielleicht ein wenig zu böse, denn in der Kategorie „Terrassenwein“ (wer keine Terrasse hat: Zechwein geht auch) kann er, zumal wenn mit Liebe gemacht, durchaus mithalten. Gezüchtet wurde die Sorte 1893 im Elsass, nach Sachsen kam der Goldriesling 1913. Der Hype um den Wein ist allerdings erst nach der Wende entstanden: man erkannte das Alleinstellungsmerkmal mit dem klingenden Namen und rebte ordentlich auf – von 9,63 ha im Jahr 1999 auf 20,64 ha zehn Jahre später. Nur auf 1,42 ha waren damals (also 2009) die Rebstöcke älter als 20 Jahre, also echte DDR-Kinder. Nach dem Maximum von etwas über 30 ha (und einem Anteil am Gesamt-Rebspiegel von 5,74 %) geht’s langsam aber stetig wieder etwas zurück: bei Neuanpflanzungen entscheiden sich die meisten Winzer dann doch für andere Sorten.

Schloss Wackerbarth gehört zu denen, die ihren Goldriesling mit Liebe begegnen. Handlese und vorher gute Pflege im Weinberg sind nötig, damit die spät blühende und früh reifende, dafür aber gut tragende Sorte dann auch schmeckt. In der Flasche (und somit dann im Glas) ist eine Cuvée aus zwei Lagen: die eine ist das Paradies, die andere liegt rund 30 km entfernt bei der Seußlitzer Heinrichsburg. Das ist ja nicht wirklich weit, aber die unterschiedlichen Böden (Paradies: Verwitterungsböden, Diesbar-Seußlitz: fette Löss-Lehm-Schicht) und das Mikroklima lassen schon unterschiedliche Spielarten des Weins entstehen. Obendrein sind die Rebstücke unterschiedlich alt: zehn Jahre die einen, über 25 Jahre die anderen.

Der Goldriesling von Schloss Wackerbarth. Foto: Ulrich van STipriaan
Der Goldriesling von Schloss Wackerbarth. Foto: Ulrich van Stipriaan

Kellermeistern macht so eine Ausgangslage Spaß: sie können spielen und das beste aus dem Lesegut rausholen, das getrennt kalt vergoren und erst dann cuvetiert wird. Das Ziel, siehe oben: schmecken soll’s! Auf das Ergebnis der diesjährigen Lese aus man noch ein wenig warten, aber den Vorjahreswert habe ich dann am Abend geöffnet. Nur so, auf der Terrasse. Moderate Süße (trocken, wenn auch nicht furztrocken), nicht zu viel Säure. Fast alle schmecken leicht zitrig-mineralische Noten heraus, einige entdecken Muskatnoten, andere Banane. Aber das ist mir völlig Banane…

Auf dem Weingut kostet eine Flasche vom 2025er Goldriesling 16 Euro.

Weitere Infos finden Sie unter www.schloss-wackerbarth.de

Unser Autor Ulrich van Stipriaan ist bekennender Genussmensch. Seine profunde Weinkenntnis ist im Podcast „Auf ein Glas!“ zu hören. Ebenfalls unter stipvisiten.de finden sich Reiseberichte, Restaurantkritiken sowie Beiträge über Wein und Winzer. Noch mehr Weinempfehlungen finden Sie HIER

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