Das barocke Schloss Übigau in Dresden feiert 300. Geburtstag

Schloss Übigau feiert 300. Geburtstag. Seit mehreren Jahren fungiert es als Bühne und Kulisse für das Sommertheater  der Comödie Dresden. Foto: PR/Robert Jentzsch

Schloss Übigau feiert 300. Geburtstag. Seit mehreren Jahren fungiert es als Bühne und Kulisse für das Sommertheater der Comödie Dresden. Foto: PR/Robert Jentzsch

Vom Lustschloss zum innovativen Industriestandort. Vom sächsischen Erfindergeist zu Visionen auf der Theaterbühne. Schloss Übigau in Dresden hat in 300 Jahren eine wechselvolle Geschichte erlebt.

Kaum ein Ort in Sachsen vereint auf so eindrucksvolle Weise höfische Kultur, industrielle Innovationsgeschichte und bürgerschaftliches Engagement wie Schloss Übigau. Als Lustschloss August des Starken in den Jahren 1724 bis 1726 nach Plänen von Eosander von Göthe errichtet, war es zunächst Ausdruck jener kulturellen Strahlkraft, für die Sachsen bis heute steht.

Im 19. Jahrhundert wurde Schloss Übigau zu einem Ort des technischen Aufbruchs: Hier entstanden mit der „Königin Maria“ das erste sächsische Personendampfschiff und mit der „Saxonia“ die erste in Deutschland gebaute Lokomotive – Meilensteine deutscher Ingenieurskunst und Zeugnisse sächsischer Innovationskraft.

Nach Jahrzehnten als Verwaltungsgebäude verlor das Schloss nach 1990 zunehmend seine Funktion und verfiel. Seit 2019 jedoch wird dieser besondere Ort durch die Comödie Dresden wieder mit Leben erfüllt und kulturell genutzt – wie zu „Augusts Zeiten“.

Musical als Geschenk zum 300. Geburtstag

Mit der Wiederaufnahmepremiere des Erfolgsmusicals "Der Wanderer über dem Nebelmeer" feiert die Comödie den Geburtstag ihrer Bühne und Kulisse. Intendant Christian Kühn schwärmt: "Als wir 2019 begonnen haben, das Elbschloss zu bespielen, war schnell klar, dass dieser Ort mehr verdient als eine schöne Kulisse. Er fordert Geschichten geradezu heraus. Jede Produktion erhält hier eine zusätzliche Erzählebene, gleichzeitig hat diese besondere Spielstätte das künstlerische Portfolio der Comödie weit über den klassischen Boulevard hinaus erweitert und fordert uns immer wieder heraus, neue Stoffe und Erzählformen zu entwickeln." Das Musical "Der Wanderer über dem Nebelmeer" war die erste eigens für diesen Ort entwickelte Uraufführung und aus einem Schloss, einem Maler und der Musik der sächsischen Band Silbermond entstand etwas völlig Neues. "Für mich ist genau das die Aufgabe von Theater: Vergangenheit nicht zu konservieren, sondern sie mit unserer Gegenwart ins Gespräch zu bringen. Und vielleicht ist das das schönste Geburtstagsgeschenk für ein 300 Jahre altes Schloss, dass seine Geschichte weitererzählt wird.“

Das Programm im Jubiläumsjahr

Die Jubiläumssaison hält viele Höhepunkte bereit. Noch bis zum 27. Juli entführt die diesjährige Neuproduktion "Die unendliche Geschichte" nach dem gleichnamigen Roman von Michael Ende große und kleine Theatergäste in die faszinierende Welt Phantásiens. Ab 31. Juli steht "Der Wanderer über dem Nebelmeer" auf dem Programm. Außerdem gratuliert auch das Dresdner Zwingertrio dem Elbschloss  und teilt sich dafür auf: Während Peter Kube und Jürgen Haase mit ihrer Verwechslungskomödie "Zwei Genies am Rande des Wahnsinns" am 7. August vorm Schloss gastieren, lädt Tom Pauls mit Band in seine Märchenwelt zu „Es war ämal“  am 22. August ein. 

Das Musical "Der Wanderer über dem Nebelmeer" ist ab 31. Juli wieder auf Schloss Übigau zu erleben. Foto: PR/Robert Jentzsch
Das Musical "Der Wanderer über dem Nebelmeer" ist ab 31. Juli wieder auf Schloss Übigau zu erleben. Foto: PR/Robert Jentzsch

Tickets gibt es ab 27 Euro an der Theaterkasse im Dresdner World Trade Center (Mo - Fr 13 - 18 Uhr), unter der Tickethotline 0351 866 410 oder online unter www.comoedie-dresden.de.

300 Jahre Schloss Übigau - die Geschichte

Das Schloss in Übigau wurde in der Zeit von1724-1726 in nur zwei Jahren von Hofbaumeister Johann Friedrich Eosander von Göthe gebaut. Es wurde ursprünglich für den sächsischen Kabinettsminister und Reichsgraf Jacob Heinrich von Flemming, der auch der Auftraggeber war, errichtet. Es war der fünfte wichtige Schlossbau im 18. Jahrhundert in Dresden neben Moritzburg, Großsedlitz, Pillnitz und dem Japanischen Palais.

Kurz vor der Fertigstellung des Schlosses übernahm Kurfürst August der Starke das Schloss - es sollte sein Sommersitz werden, den er aber nur zu wenigen Gelegenheiten aufsuchte. Der Ausbau des Schlossgartens wurde vorangetrieben. Später fanden dort prunkvolle Festlichkeiten statt, u. a. im August 1727 der Geburtstag der Kaiserin Elisabeth, Gemahlin Karl VI. und der Besuch des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. im Jahr darauf.

Friedrich August der II., Sohn August des Starken, erbte das Schloss 1733, hatte aber kein Interesse an ihm und verschenkte es an seinen Staatsminister des Auswärtigen und General der Infanterie Alexander Josef Sulkowski. Bereits 1736 wurde das Schloss vom König zurückgekauft und in der Folgezeit diente es seinen Söhnen  als Ausgangspunkt für die Jagd in der Dresdner Heide.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Schloss vom Hofe immer seltener genutzt. Die Hofgärtner richteten 1773 eine Schankwirtschaft im Schlossgarten ein, die bei den Bewohnern der umliegenden Orte sehr beliebt war.

1813 wurden napoleonische Truppen im Schloss einquartiert. In dieser Zeit wurde das Schloss geplündert und verfiel in den darauffolgenden Jahren zunehmend, bis es schließlich 1831 vom sächsischen Hof versteigert wurde. Den Zuschlag erhielt der Amtszimmermeister Siemen, der das Schloss wieder in altem Glanz erstrahlen ließ.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch schnell ein neuer Besitzer fand. 1836 wurde das Schloss Eigentum der Maschinenbauanstalt Übigau, die u. a. die erste in Deutschland gebaute Dampflokomotive „Saxonia“  und für die sächsischen Dampschiffahrtsgesellschaft das "Herz" des Personendampfers "Königin Maria" baute. Im Schloss befanden sich zu dieser Zeit die Verwaltung und Konstruktionsräume, sowie die Wohnräume in der 1. Etage für Johann Andreas Schubert, der technischer Direktor der Maschinenbauanstalt Übigau war. Die Nebengebäude wurden für die Fertigung und Montage genutzt. Aufgrund der Liquidation der Maschinenfabrik erfolgte deren Verkauf im Juli 1841.

In den darauffolgenden Jahren blieb Schloss Übigau Verwaltungssitz verschiedener Firmen. 1854 wurde das Schloss an die Familie von Oppen verkauft und von ihr bis 1886 bewohnt. Danach wechselte es abermals den Besitzer. Die „Kette – Deutsche Elbschiffahrts-Gesellschaft“ übernahm das Schloss 1886. Verschiedene Pächter betrieben dann von 1886-1921 die „Schloßschänke Übigau“ im Schloss, die sehr beliebt bei den Bür-gern war. In der Zeit um 1900 befand sich das Schloss im Besitz der „Dresdner Maschinengesellschaft und Schiffswerft AG“, die 1930 in Konkurs ging.

Der „Zentralverein für Arbeitersport Dresden 1885 e. V.“ wurde 1930 zur Hälfte neuer Miteigentümer des Schlosses. Er rettete es vor dem Abriss und nutzte es für seine Büros und festliche Aktivitäten. 1933 wurde der Verein durch die Nazis aufgelöst und enteignet. Nach einigen Jahren Leerstand erwarb und nutzte eine Dampfkesselfirma das Schloss, bis diese 1947 enteignet und als volkseigener Betrieb weitergeführt wurde. Dem VEB Dampfkesselbau Übigau diente das Schloss bis 1990 als Verwaltungssitz.

Dann folgen viele Jahre Leerstand. Das Schloss verfiel zusehends. Lediglich Erhaltungsmaßnahmen wurden durchgeführt. Zwischen 2008 und 2016 wurde im Schlosspark eine Sommerwirtschaft betrieben. Die Bürger Dresdens blieben nicht untätig. So wurden 2005 eine Bürgerinitiative Schloss Übigau und 2009 der Förderverein Schloss Übigau für Kunst und Kultur e. V. ins Leben gerufen. Seit November 2017 gibt es einen neuen Besitzer.  und es hat sich etwas getan.


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