Riesling aus Europas steilstem Weinhang

Mosel Landschaft

Michael Borchert und sein Riesling vom steilsten Weinhang Europas. Foto: Ulrich van Stipriaan

Unser Gastautor Ulrich van Stipriaan hat einen Riesling aus Europa steilsten Weinhang verkostet - von einem Winzer mit sächsischen Wurzeln.

Von Ulrich van Stipriaan

„Ich bin der einzige Winzer an der Mosel mit Wurzeln aus Sachsen!“ – sagt Michael Borchert, der in Ediger-Eller im Springiersbacher Hof seit 25 Jahren Wein macht und seit einiger Zeit auch Destillate. Das mit der Herkunft hört man übrigens immer noch ein wenig, auch wenn der Micha schon 1983 mit 20 Jahren die Heimat verlassen hat. Aber Sachsen gibt’s ja überall, also warum auch nicht in Ediger-Eller?

Der beschauliche Ort an der Terrassenmosel ist die Heimat der neuen deutschen Weinkönigin Anna Zenz, die ich für meinen Podcast „Auf ein Glas“ besuchte (hier das Ergebnis). Anschließend ging’s rüber zu den Borcherts, natürlich auch zum Podcasten, aber auch zum Schwatzen: vor etlichen Jahren hatte ich die Beiden bei einem Urlaub kennen gelernt, seitdem stehen wir in losem Kontakt. Also saßen wir in der gemütlichen Wohnstube und nahmen eher nebenbei auf, hauptsächlich probierten wir die Weine des Winzers und plauderten über dies und das (sagt da jemand „hartes Leben“!?!).

Riesling von der Mosel

Die Mosel steht für Riesling. Auf 5.148 der insgesamt 8.275 ha im Ertrag steht er (zum Vergleich: Sachsen hat insgesamt 520 ha im Ertrag). Bei Borcherts, die 3 ha Weinberge nur in Steil- und Steilstlagen haben, macht der Riesling 90 % aus (der Rest sind Grau- und Spätburgunder). Was Steilstlage bedeutet? Man könnte eine Zahl nennen: 68° Neigungswinkel hat der Calmont zwischen Bremm und Ediger-Eller, was ihn zum steilsten Weinberg Europas macht. Da ist nur Handarbeit möglich!

Wie steil so ein Weinberg ist, merkten (vor nunmehr 22 Jahren) aber auch Michael Borchert und seine Eltern: "Wir drei Sachsen haben da im Weinberg Reben gesetzt. Meine Mutter ist im oberen Bereich, wo es so steil ist, auf allen Vieren hoch gekrochen. Die hat gesagt, bist du völlig verrückt, wie kann man so einen Weinberg pflanzen…“ Und das war noch nicht einmal im Calmont…

Die Mosel bei Ediger, im Hintergrund der Calmont. Foto: Ulrich van Stipriaan
Die Mosel bei Ediger, im Hintergrund der Calmont. Foto: Ulrich van Stipriaan

Aus dem Calmont

Aus dem Calmont, wo Borchert eine Fläche von 3.000 qm bewirtschaftet, probierten wir natürlich Riesling, und zwar den aktuellen aus dem Jahr 2024. Das war hier an der Terrassenmosel kein Frostjahr wie bei uns in Sachsen, also hatten die Winzer diesbezüglich nichts zu klagen (2025 war die Ernte ziemlich verregnet, was zu erheblichen Verlusten geführt hat). Das ist ein knackiger Mosel-Riesling, der zu seiner Säure steht. Aber man schmeckt auch Frucht und glaubt, die Mineralität des Devon Schiefer Verwitterungsgesteins zu spüren. Die Reben sind 1957 gepflanzt, die Trauben natürlich per Hand gelesen. Im Keller wurde der Wein spontan vergoren – so geht Riesling! Die Winzersfrau empfiehlt zu diesem Riesling Zander mit Gräwes (das sind Kartoffeln und Sauerkraut) und natürlich auch einem feinen Riesling-Sößchen! Wobei sie nicht verraten hat, ob sie für die Sauce auch diesen Spitzenwein nimmt (ich würde ja den einfacheren vom Ediger Osterlämmchen nehmen, der schmeckte nämlich auch, so als Alltagswein – und nach Sauce klingt Lämmchen doch sowieso!).

Zum Riesling passt ganz wunderbar Zander. Foto: Ulrich van Stipriaan.
Zum Riesling passt ganz wunderbar Zander. Foto: Ulrich van Stipriaan.


Der Calmont-Riesling ist der Spitzenwein im Weingut und kostet ab Hof 18 € (die einfacheren Rieslinge beginnen bei 8,50 €). Mehr Infos unter https://mosel-wein-mosel.de – den Podcast mit Borcherts gibt’s hier.


Unser Autor Ulrich van Stipriaan ist bekennender Genussmensch. Seine profunde Weinkenntnis ist im Podcast „Auf ein Glas!“ zu hören. Ebenfalls unter stipvisiten.de finden sich online Reiseberichte, Restaurantkritiken sowie Beiträge über Wein und Winzer. Lesen Sie HIER ein weiteres Weinporträt.

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