Deutsche Weinkönigin Anna Zenz präsentiert den WanderWein aus Jessen. Foto: Sylke Scholz
Unser Gastautor und Weinkenner Ulrich van Stipriaan empfiehlt einen WanderWein aus Jessen. Noch nie gehört? Dann lesen Sie mal hier nach.
Von Ulrich van Stipriaan
Weinbergswanderungen sind angesagt – verbinden sich doch da Dinge wie Wissensdurst mit echtem Durst, ein wenig sportliche Betätigung und manchmal auch Durchhaltevermögen – Wanderwetter reicht in unseren Breiten von Regen bis 30 Grad in der Sonne. Aber ich will nicht jammern, sondern über einen Wein schreiben, der WanderWein heißt – weil er genau für diesen Zweck gemacht wurde.
Der Wein kommt aus Jessen an der Elster und ist – obwohl das ja in Sachsen-Anhalt liegt – ein Wein aus dem sächsischen Anbaugebiet: die Weinexklave um Jessen wurde nach der Wende als zweiter Bereich „Elstertal“ (neben Meißen) dem Weinbaugebiet Sachsen zugeschlagen. Das Weingut Hanke ist dort oben im Norden der größte Betrieb in Sachen Wein: 16 ha bewirtschaftet die Familie – und nebenher machen sie noch in Obst und Erdbeeren.

Wanderin auf dem Elbhang nicht zu verdursten. Foto: Torsten Ebert
Auf dem Etikett zum Wanderwein steht aber nicht Sachsen, sondern „Deutscher Wein“ – aber auch ohne Qualitätsweinprüfung kann so ein Wein natürlich Spitze sein (im Badischen gibt es eine ganze Bewegung von Spitzenwinzern, die nur noch Landwein produzieren und sich somit dem oft starren Konzept der Qualitätsweinprüfungen entziehen).
Ein Grund dafür dürfte sein, dass der Wein aus einer hierzulande noch weitgehend unbekannten Rebsorte gekeltert wurde: Donauriesling heißt die und wurde in Österreich in Klosterneuburg gezüchtet. Riesling ist da in der Tat ein Partner gewesen, die anderen sind weitere Neuzüchtungen, die im Ergebnis die neue Rebsorte widerstandsfähiger gegen Pilzkrankheiten macht.

Gefunden hatte Matthias Gräfe (Gräfes Wein & fein, Radebeul) den Wein bei zwei Besuchen auf dem Weingut: beim ersten war ich dabei, da zeigte uns Ingo Hanke ein Jungfeld direkt an der Hauptstraße und verriet uns seine Vision: „Mein Bruder und ich wollen gerne, dass man durch Rebzeilen fährt, wenn man zu uns kommt!“ Beim zweiten Besuch war der Herr Gräfe dann allein bei Hankes in deren Keller und sah, etwas abseits, ein kleines Gebinde. Und das machte ihn neugierig – klein ist ja meist irgendwie besonders. Und in der Tat: in diesem Fass reifte der Donauriesling. Dann ging’s relativ schnell: probiert, begutachtet und für wanderweinweintauglich befunden! „Wir machen in diesem Jahr wahrscheinlich um die 70 Weinbergstouren!“, sagt Gräfe. Auch dort – wie im Bistro auf der Hauptstraße – verbindet er Kulinarik und Wein („das holt die Leute ab und gibt unseren Wanderungen Eigenständigkeit“). Die Weine sollten da schon einen guten Trinkfluss haben, aber trotzdem natürlich eine schöne Substanz.
Der Donauriesling gefällt Gräfe schon vor dem ersten Schluck: „Da springt Dir doch dieser Duft von Marille entgegen!“, schwärmt er und lobt dann nach dem ersten Schluck die zitrischen Noten und die auch leicht erkennbare Rieslingsäure. „Der ist mundfüllend und vesperplattentauglich!“, fasst er zusammen. Bei den Wanderungen kommt der Wein übrigens auch an – zusammen mit nem immer leckeren Rosé ist der Donauriesling der Favorit.
Den WanderWein gibt es nicht nur bei den Weinwanderungen, sondern auch im Ladengeschäft von "Gräfes Wein und fein" (Hauptstraße 19, geöffnet Di- Sa ab 15 Uhr) in Radebeul. Dort kostet die Flasche 16.50 €. Mehr zum Ladengeschäft finden Sie HIER.
Unser Autor Ulrich van Stipriaan ist bekennender Genussmensch. Seine profunde Weinkenntnis ist im Podcast „Auf ein Glas!“ zu hören. Ebenfalls unter stipvisiten.de finden sich Reiseberichte, Restaurantkritiken sowie Beiträge über Wein und Winzer. Noch mehr Weinempfehlungen finden Sie HIER.