Zum Spargel ein Müller aus Werder

Katharina Lindicke und ihr "Spargelwein". Foto: Ulrich van Stipriaan

Katharina Lindicke und ihr "Spargelwein". Foto: Ulrich van Stipriaan

Unser Gastautor Ulrich van Stipriaan empfiehlt zum Spargel einen Müller-Thurgau aus Werder.

Von Ulrich van Stipriaan

Alle Jahre wieder die gleiche Frage: Welchen Wein trinke ich denn am besten zum Spargel? Neben der immer richtigen („den, der Dir schmeckt!“) gibt es aber auch ein paar Überlegungen, der die dann doch sehr beliebige Antwort konkret macht: Weil Spargel von einer leichten Bitternote geprägt ist, passen fruchtbetonte Rebsorten mit sehr stabilem Säuregerüst nicht so arg gut. Was aber (fast) immer geht, sind Silvaner, Weißburgunder, Grauburgunder und Müller-Thurgau. Und weil es ja durchaus hin und wieder was Besonderes sein soll, habe ich neulich mal einen Müller-Thurgau aus Werder probiert.

Werder? Ist das nicht das Zentrum des havelländischen Obstanbaus? Genau! Aber dort gibt es auch Wein, und das nicht erst seit gestern: „Der Weinanbau ist neben der Fischerei eines der ältesten Gewerbe der Stadt,“ lese ich in der Wikipedia und denke mir, dass bei ältesten Gewerben sicher die meisten nicht an Fisch und Wein denken – aber egal. Vor 300 Jahren gab es auf mehr als 100 ha Wein! Heute sind es, nach einigen Rebläusen und Frösten und Wiederbelebungsversuchen, immerhin wieder 6,5 ha am Wachtelberg und 1,4 ha am Galgenberg in Werder sowie 52 ha in ganz Brandenburg.

Pionier für die jetzige Qualität der Weine in Werder ist Dr. Manfred Lindicke. Dessen Tochter Katharina traf ich jüngst in Berlin, wo der aus Dresden stammende Sommelier Matthias Dathan die Idee hatte, Winzerinnen und Winzern aus den Regionen nordöstlich der etablierten Qualitäts-Weinbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen eine Plattform zu organisieren. Eine erste Fachmesse für Gastronomie, Fachhandel und Presse brachte zehn Betriebe und etwa 60 Weininteressierte zusammen. Es gab viel zu probieren und dabei etliche Aha-Momente: schmeckt doch!

Einen dieser Aha-Momnte hatte ich bei Katharina Lindeckes Müller-Thurgau, die ihren Müller für unter zehn Euro verkauft. Es ist damit zwar der günstigste, aber keineswegs der einfachste Wein des Hauses. Ehr als Visitenkarte gedacht: die Reben stammen vom Werderaner Wachtelberg und wurden 1985 gesetzt – „damit wurde der Weinbau in Brandenburg wieder begonnen!“, sagt Katharina Lindicke. 

Andere würden damit vielleicht mehr angeben, auch „von alten Reben“ aufs Etikett schreiben. Bei Lindicke gehen sie selbstbewusst-zurückhaltend damit um: es ist ein Ortswein, ein Qualitätswein aus Saale-Unstrut – fertig. Dabei weiß die Winzerfamilie die Qualität und auch das Alter ihres Müllers sehr wohl zu schätzen, denn bei den immer trockener werdenden Sommern und dem Sandboden des Wachtelbergs haben es gerade die alten Reben gut: sie wurzeln tief– sehr tief! – und holen sich im Ernstfall ihr Wasser von weit unten.

Auch der Müller ist kein lauter Wein: Die Restaurants (und Kunden) der Umgebung trinken ihn gerne wegen seiner feinen Frucht und Filigranität zum brandenburger Spargel. Statt üppiger Aromatik stehen feine Frucht, Frische und Eleganz im Vordergrund, und die sanfte Säure kommt auch vielen Genießern entgegen.

Die Winzer im Netz: https://weinbau-lindicke.de/

Unser Autor Ulrich van Stipriaan ist bekennender Genussmensch. Seine profunde Weinkenntnis ist im Podcast „Auf ein Glas!“ zu hören. Ebenfalls unter stipvisiten.de finden sich Reiseberichte, Restaurantkritiken sowie Beiträge über Wein und Winzer. Sein Spargelrezept (gebraten, nicht gekocht!) hat er uns auch schon verraten…







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