Die Dreifaltigkeit des Rheingaus in der Flasche vereint

Hat Charme: Winzerin Theresa Breuer und ihr Charm - ohne "e" in der Flasche. Foto: Ulrich van Stipriaan.

Hat Charme: Winzerin Theresa Breuer und ihr Charm - ohne "e" in der Flasche. Foto: Ulrich van Stipriaan.

Unser Gastautor Ulrich van Stipriaan trotzte der Hitze mit ein paar Schlückchen Wein. Seine drei Empfehlungen werden Sie überraschen.

Von Ulrich van Stipriaan

Ob sie sich nicht zu uns setzen wolle? fragte jemand aus der Gruppe – aber Theresa Breuer, die quirlige Winzerin im Weingut Georg Breuer, lehnte ab: „Ich kann nicht sitzen, ich muss laufen!“ Ich war – zusammen mit Kolleginnen und Kollegen – im Rheingau unterwegs auf der Suche nach kreativen Weinmomenten. Und zwar just zu Beginn der Hitzewelle, die in den Weinbergen schon mal für Temperaturen knapp unter der 40-°C-Grenze sorgte. Da waren – nach einer kleinen Wanderung durch die über tausend Jahre alten Rüdesheimer Weinberge – eigentlich alle froh, im Schatten zu sitzen. Außer: Theresa. 

Alkoholfrei Weine mit Sprudel 

Sie hatte uns zuvor am Ramstein-Felsen empfangen (hat nichts mit der Band zu tun, eher mit 400 Millionen Jahren Erdgeschichte – und für Weinkenner: der Quarzitfels liegt nahe der Lage Berg Rottland) und überrascht: Es gab statt der angekündigten Weinprobe nur eine Erfrischung der überraschenden Art: zwei alkoholfreie Weine von ihr, einen Rosé vom Pinot Noir und einen Riesling. So weit, so gut – wenn einem die Sonne zur Mittagszeit aufs Haupt brettert, ist das ja auch für Weinjournalisten (m/w/d) eine Alternative. Überrascht und skeptisch aber waren wir, als Theresa Breuer empfahl, die Alkoholfreien als Schorle zu trinken. Alkoholfrei und dann auch nich verdünnen? Allerdings gilt ja immer: Versuch macht klug – und siehe da: das war der beste Tipp des Jahres, denn das Sprudelwasser nahm den Sans-Weinen deutlich die Süße und erfrischte!

Winzerin Theresa Breuer empfiehlt, die alkoholfreien Weine mit Sprudel zu trinken. Foto: Ulrich van Stipriaan
Winzerin Theresa Breuer empfiehlt, die alkoholfreien Weine mit Sprudel zu trinken. Foto: Ulrich van Stipriaan

Charm - ein Riesling, der seinem Namen Ehre macht

Die eigentlich vorgesehene Weinprobe gab’s dann aber natürlich doch noch, nämlich im Weingut in Rüdesheim – Proben der großartigen Riesling-Lagenweine inklusive. Schreiben aber möchte ich über einen Einstiegswein mit dem hübschen Namen „Charm“. Das ist natürlich französisch und bedeutet bezaubernd. Der Wein spielt ein bisschen mit einem Pfützchen Restzucker, aber mit einer knackigen Säure, die schön integriert ist, ist er ein Glücklichmacher, der Menschen einfach dazu bewegt, zu sagen: „Ja, finde ich gut!“

Das Weingut Georg Breuer hat Weinberge in Rüdesheim, Rauenthal und Lorch. Der Gutswein vereint Trauben dieser drei Orte. Theresa Breuer erklärt: „Wir bringen sowohl Trauben aus dem sehr, sehr sonnig warmen Rüdesheim, aber auch aus dem bisschen kühleren Rauenthal und dem super steinig geprägten Lorch zusammen. Also es ist tatsächlich die Dreifaltigkeit des Rheingaus in der Flasche vereint!“ Charm ist ein Verführriesling: viele Menschen haben ja im Kopf, dass Riesling entweder ein süßer Wein ist oder ein Wein, der brutal von Säure geprägt ist. Aber genau das ist beim Charm nicht der Fall, die Balance von Süße und Säure macht ihn zu einem Abholer. 

Die Winzerin empfiehl den Charm übrigens zu asiatischen Vorspeisen, Spargelgerichten (okay, die Zeit ist nun vorbei – kann man sich aber merken!) oder einfach nur so als Zechwein (wem das zu altbacken klingt: heute sagt man ja gerne Terrassenwein – aber man braucht nicht mal eine dazu, ihn zu genießen…).

Die beiden erwähnten alkoholfreien Weine kosten ab Hof je zehn Euro, der Charm 13 E.uro.

Das Weingut Georg Breuer im Netz: https://georg-breuer.com

Unser Autor Ulrich van Stipriaan ist bekennender Genussmensch. Seine profunde Weinkenntnis ist im Podcast „Auf ein Glas!“ zu hören. Ebenfalls unter stipvisiten.de finden sich Reiseberichte, Restaurantkritiken sowie Beiträge über Wein und Winzer. Noch mehr Weinempfehlungen finden Sie HIER


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