Ein trostloses Bild: Freier Durchblick von dem Bogen unter der Brühlschen Terrasse bis zum Rathausturm, links die Ruine der Frauenkirche , 1952. Foto: Ernst Hirsch
Der Dresdner Kameramann Ernst Hirsch ist auf ganz besondere Weise mit dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche verbunden. Davon erzählt er in seiner Autobiografie "Ernst Hirsch - Das Auge von Dresden".
Rückkehr zur Frauenkirche
Vom Innerdeutschen Ministerium in Bonn erhielt ich im November 1989 den Auftrag, die Situation in Dresden zu dokumentieren. Obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Aussicht auf einen Wiederaufbau der Frauenkirche bestand, hielt ich den Trümmerberg mit den beiden recht stehengebliebenen markanten Ruinenstümpfen ausführlich im Film fest.
Anfang 1990 hören wir von Freunden aus Dresden, dass es Bemühungen gibt, den Wiederaufbau der Frauenkirche ins Gespräch zu bringen. Dieser seit Jahrzehnten gehegte Wunsch vieler Dresdner hatte mit der politischen Wende eine echte Chance bekommen. In einem langen Telefongespräch mit Pfarrer Karl-Ludwig Hoch, den ich seit dem Film über Caspar David Friedrich kannte, hörte ich von einem offenen Brief, den der Dresdner Zahnarzt Günter Voigt an 40 Persönlichkeiten geschrieben hatte. Darin regte er an, die Frauenkirche wieder aufzubauen. Die Idee dazu war ihm nach einem Vortrag Hochs über die Geschichte der Frauenkirche vor ihrer Zerstörung und über erste Bemühungen für einen möglichen Wiederaufbau nach 1945 gekommen. Voigts Brief fand Beachtung und hatte zur Folge, dass sich bald darauf 22 Personen zu einer "Bürgerinitiative für den Wiederaufbau der Frauenkirche" zusammenfanden. Zu einer ersten Zusammenkunft traf man sich in der Wohnung des Kunsthändlers Miech auf der Goetheallee, dann bei Pfarrer Hoch, der den "Ruf aus Dresden" verfasste. Darin hieß es: "Wir rufen auf zu einer weltweiten Aktion des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche zu einem christlichen Weltfriedenszentrum im neuen Europa". Diesen Aufruf verlas dann der Trompeter Ludwig Güttler als Sprecher der Gruppe am 12. Februar 1990 auf einer Pressekonferenz. Er fand weltweite Aufmerksamkeit. Die meisten der Unterzeichner waren mir gut bekannt. Ich war von der Absicht, die Frauenkirche wiederaufzubauen, von Anfang an absolut überzeugt und bedauerte, nicht mehr in Dresden zu sein. Auf ein solches Zeichen der Hoffnung hatten wir ja immer gewartet. Erst durch die überraschende "Wende" bestand nun überhaupt die Möglichkeit, an einen Wiederaufbau zu denken.

Ruinie
Wie ich schon beschrieben habe, hatte die Frauenkirche für unsere Familie eine besondere Bedeutung: Sie war die Traukirche meiner Großeltern und die Taufkirche meines Vaters. Er war dann um 1930 im Ortskirchenausschuss der Frauenkirche tätig. Das begründete meine besondere Bindung an dieses Bauwerk. Mit größtem Interesse verfolgten wir von München aus jede Nachricht über den weiteren Fortgang des Geschehens.
Erste Sicherungsmaßnahmen an den stehengebliebenen Ruinenteilen begonnen, denn es bestand die Befürchtung, diese könnten einstürzen. Sie bildeten eine Gefahr für das nahegelegene, erst 1989 fertig gewordene Interhotel "Dresdner Hof". In einer Reportage für die Kirchenredaktion des neugegründeten MDR sollte über die bereits 1945 geborgenen Altargeräte der Frauenkirche berichtet werden. Dafür fuhr ich mit geliehener Videotechnik von München nach Dresden. Die Kelche und Abendmahlsgefäße der Frauenkirche nahmen wir in der Kreuzkirche auf, wo sie aufbewahrt wurden. Wir wollten aber auch zeigen, an welcher Stelle der Katakomben sie erhalten geblieben waren. Um zu dieser Stelle zu gelangen, krochen wir durch einen Gang, den Pioniere der Wehrmacht nach dem Bombenangriff an der Westseite der Ruine zwischen den Eingängen D und E angelegt hatten. Es war schwierig, mit der großen Videokamera und Beleuchtungsgeräten durchzukriechen. Die Situation in den dunklen Gängen war beklemmt, um uns herum lagen nur Trümmer und Schutt, wir konnten nicht viel sehen. In den einstigen Heizungskeller unter dem Altar gelangten wir durch ein kleines Fenster an der Apsis. Die Stufen hinunter waren gerade noch begehbar. Zu unserer Verwunderung war der große Raum unter dem Altar fast unzerstört. In einer der Grabkammern standen noch Särge übereinander. Die Gewölbe waren bereits bergmännisch mit hölzernen Stützen gesichert.
Im März 1990 war der "Förderkreis Wiederaufbau Frauenkirche" und nach der Zustimmung der Sächsischen Landessynode für den Wiederaufbau im August 1991 die "Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche e. V." gegründet worden.
Ich fragte mich: "Wie kannst Du mit Deinen Möglichkeiten den Wiederaufbau tatkräftig unterstützen?" Der Gedanke, mit den heutigen Möglichkeiten der medialen Technik mittels Film oder Video das weitere Geschehen langfristig und umfassend zu dokumentieren, lag nahe. Obwohl ich in München genug zu tun hatte, riet mir auch Peter Schamoni, hin und wieder nach Dresden zu fahren. Ich begann mit der Dokumentation zur Frauenkirche zunächst ohne Auftrag. Bald erkannte man jedoch im Vorstand der Fördergesellschaft die Wichtigkeit des filmischen Vorhabens und ich erhielt die vertragliche Zusicherung, den Wiederaufbau bis zur Fertigstellung der Kirche zu dokumentieren. Alle Rechte der Film- und Fernsehauswertung sollten der Fördergesellschaft zustehen, die zu erwartenden Verkaufserlöse, sei es für Fernsehrechte oder aus dem Verkauf von Videokassetten, dem Wiederaufbau zufließen. Für meine Arbeit erhielt ich jeweils nach Anzahl der Drehtage ein Honorar.
Jetzt stand noch die Frage, ob alles mit traditionellem fotochemischem Film oder mit der neuen Videotechnik aufznehmen sei? Erste Probeaufnahmen entstanden mit 16mm-Farbfilm. Dies wäre jedoch auf Dauer viel zu kostspielig gewesen. Deshalb begann ich mit einer zu diesem Zweck erworbenen, damals sehr teuren Videokamera zu filmen. Von Anfang an sollte der Wiederaufbau in allen Phasen dokumentiert werden. So richtig los ging es am 4. Januar 1993 mit Aufnahmen vom Abtragen des Trümmerberges, der sogenannten "Archäologischen Enttrümmerung". Möglichst bald sollte ein erster Informationsfilm zur Werbung für den Wiederaufbau als Videokassette ausgegeben werden. Das neu gedrehte Material reichte dafür noch nicht aus, deshalb wählte ich aus meinem Archiv Filme von Dresden aus, die die Schönheit der Stadt, den Neumarkt und die Frauenkirche vor der Zerstörung von außen und innen zeigten. Darunter waren die einzigen erhaltenen originalen Bild-Ton-Aufnahmen vom Oratorium"Die Schöpfung", aufgeführt mit dem Frauenkirchenchor unter der Leitung von Kantor Erich Schneider. Als Titel für diese und alle weiteren Folgen der Dokumentation wählen wir das von Schriftsteller Otto Walcha geprägte Synonym für die Frauenkirche: "Die steinerne Glocke". Den Text zum Film schrieb der Journalist Dieter Zumpe und die Musik zum Film wählte der Dresdner Komponist Matthias Kleemann aus. Den zu dieser Zeit noch komplizierten analogen Video-Schnitt auf einem sogenannten Online-Schnittplatz übernahm Clemens Macheleidt vom Studio M. Am 27. Mai 1993, dem 250. Jahrestag der Weihe der Frauenkirche, konnten die ersten fertigen VHS-Kassetten mit einer Laufzeit von 35 Minuten übergeben und von der Fördergesellschaft zum Verkauf angeboten werden. An diesem bedeutenden Tag überreichte Oberbürgermeister Herbert Wagner auf dem Neumarkt die Baugenehmigung für den Wiederaufbau der Frauenkirche an den Vorsitzenden der Fördergesellschaft Ludwig Güttler.
Als dann wenige Tage später, am 1. Juni 1993, das Turmkreuz aus den Trümmern geboren wurde, bedauerte ich sehr, dieses einmalige Ereignis nicht selbst aufgenommen zu haben. Ein befreundeter Kameramann stellte mir seine Aufnahmen für die Dokumentation zurVerfügung. Auch der Turmknopf wurde im Schutt entdeckt. Die darin befindlichen Kupferkapseln sollten am 2. Juli 1993 geöffnet werden. Selbstverständlich fuhr ich aus diesem Anlass wieder nach Dresden. In einem Raum des Kulturpalastes verfolgten die Pressevertreter gespannt die Öffnung der Kapseln. Es befanden sich einige Münzen und Medaillen darin, die den Brand überstanden hatten, während alle Papiere und Urkunden verkohlt waren. In den nächsten Wochen fuhr ich immer öfter von München nach Dresden, weil sich schnell täglich neue spannende Ereignisse ergaben.
Die große Aufgabe, die vor mir stand, den wohl viele Jahre dauernden Wiederaufbau der Frauenkirche dokumentarisch zu begleiten, erforderte meine ständige Anwesenheit in Dresden. So wurde der Wiederaufbau der Frauenkircheauch für unsere Familie gewissermaßen der entscheidende Grund dafür, wieder nach Dresden zurückzukehren, zumal sich unterdessen auch die politischen Verhältnisse ganz in unseren Sinne verändert hatten. Aber wo sollten wir wohnen? Unser Haus hatte wir auf eigenen Entschluss hin "redlich" verkauft und Wohnraum war noch immer knapp. Unser gesamter Hausrat und das Filmarchiv befanden sich allerdings noch in Dresden, gestellt bei einer befreundeten Familie auf dem Körnerweg. - Ute und Wolfgang Häse hatten uns damit sehr geholfen. Bei der Wohnungssuche unterstützte uns mein ehemaliger Schulkamerad Dietrich Buschbeck. Er stellte uns in seinem Haus auf der Jüngststraße in Blasewitz eine kleine Wohnung zur Verfügung.
Konrad war schon vor uns nach Dresden zurückgegangen, wollte er doch sein Abitur unbedingt an der Kreuzschule ablegen. Am 28. August 1993 war dort sein erster Schultag. Ich folgte bald darauf, während Cornelia noch bis Ende Februar 1994 an ihren Arbeitsvertrag gebunden war. Parallel zur Arbeit mit Peter Schamoni bei der Endfertigung des Films "Wer ist das Monster - Du oder Ich?" über Niki de Saint Phalle liefen nun schon die Aufnahmen der Beräumung des Trümmerberges der Frauenkirche.
Modernste Technik, wie zum Beispiel ein kleiner Schreitbagger namens "Menzi Muck", bewegte sich wie eine Spinne über den Trümmerberg. Gleichzeitig war aber ein großer Kran für die Bergung der gewaltigen Steinmassen nötig. Schon früh am Morgen des 7. September 1993 war ich erstmals mit der Kamera oben auf dem Trümmerberg. Ein Spezialkran hob das größte zusammenhängende Trümmerstück, eine Treppenturmspitze mit einem Gewicht von 95 Tonnen, vom Berg. Es dauerte Stunden, bis der Koloss abgesetzt war. Im Film verdichtet sich der Vorgang dank der Zeitraffertechnik auf Sekunden. Fast täglich ergaben sich von nun an überraschende Momente: Zum Beispiel, als Reste des Altars mit sehr anrührenden Details sichtbar wurden: der Kopf von Jesus, dessen Antlitz vom geschmolzenen Blei der Orgelpfeifen wie mit Spuren von Tränen überzogen war.
Nach und nach legte man die Fragmente des Altars frei, vor dessen Resten am 23. Dezember 1993 die erste weihnachtliche Vesper nach 49 Jahren stattfand. Die Besucher der Vesper durften aus Sicherheitsgründen die Ruine nicht betreten. Auf meinen Vorschlag hin wurde das Geschehen vor dem Altar auf eine große Bildwand übertragen. Landesbischof Johannes Hempel verlas die Weihnachtsbotschaft. Der Kreuzchor sang und die Dresdner stimmten ein. Rund 50.000 Teilnehmer konnten das Geschehen vor dem Altar vom Neumarkt aus verfolgen. Wenige Wochen später, am 13. Februar 1994, war die Ruine soweit beräumt, dass etwa 25.000 Menschen mit Kerzen und bei klirrender Kälte direkt an dem enttrümmerten Altar vorbeigehen konnten. Die ehemaligen Katakomben waren noch voller Trümmer.
Die Bagger gruben immer tiefer. In mehreren ehemaligen Grabkammern kamen große Mengen von den im Zweiten Weltkrieg eingelagerten Filmbüchsen zum Vorschein. Deren Inhalt war zum Teil sogar noch erhalten. Einige der Filme konnten am Schneidetisch angesehen werden. Es waren allerdings nur militärische Aufnahmen. Bis zu diesem Fund waren alle der Annahme, die Filme hätten den Brand der Kirche ausgelöst. Die Flammen drangen jedoch durch die Fenster von außen ein.
Als der ehemalige Fußboden freigelegt war, fand ich eine Netzkarte der Dresdner Straßenbahn vom Februar 1945. Der Name darauf war noch zu lesen. Sicher war sie von einem der dreihundert Schutzsuchenden während des Angriffs zurückgelassen worden, die alle in der Nacht vom Kircheninspektor Weinert unversehrt zur Brühlschen Terrasse geleitet wurden.
Wenige Tage vor Abschluss der archäologischen Enttrümmerung gab es wieder eine Überraschung: Das Grabmal George Bährs, des Erbauers der Frauenkirche, und seine Urne fand sich unter den letzten Trümmerresten. All diese unmittelbaren Zeugnisse der Zerstörung erschütterten mich.

Bei den
Am 27. Mai 1994 begann mit der feierlichen Versetzung eines Mauersteins am Portal A der eigentliche Wiederaufbau. Mit den Aufnahmen dieses Ereignisses war wieder genügend Material für den nunmehr zweiten Teil der Videofolge"Die steinerne Glocke" zusammengekommen. Dessen Erstaufführung fand an einem besonderen Ort statt. Am 20. Juli 1994 schrieben die "Dresdner Neuesten Nachrichten":
"Ein lebendiges Zeitzeugnis auf Film gebannt - In der dunklen Kühle der Kasematten unter der Brühlschen Terrasse eine beeindruckende Premiere: Großartige Aufnahmen, Dieter Zumpes knapper Text und die passende Musik zusammengestellt vom Stiftungsvorsitzenden Professor Güttler vermittelt dem Publikum einen tiefen Eindruck von der Größe des Projektes "Wiederaufbau Frauenkirche"." Bis zum 14. August wurde der Film mehrmals täglich an diesem ungewöhnlichen Ort gezeigt.
Im dritten Teil der Videofolge zeigten wir die weitere Bautätigkeit, berichteten über großzügige Spenden aus aller Welt und über die Förderkreise in Deutschland, Frankreich, den USA und Großbritannien, wo der besonders aktive Dresden-Trust mit seinem Vorsitzenden Dr. Alan Russell als Geste der Versöhnung das Kuppelkreuz spendete. Diese Folge erschien gleichzeitig mit der Weihe der Unterkirche im August 1996.
Im vierten Teil der Videofolge 1998 berichten wir über den oberirdischen Wiederaufbau bis zur Höhe der ersten Fensterreihe und der steinernen Portale, den Bau der Treppenhäuser, Innenpfeiler und ersten Emporen und der Ergänzung des Altars aus Tausenden Einzelstücken.
Folge fünf, im Jahr 2000 fertiggestellt, zeigte den Bau der Treppentürme und der acht Innenpfeiler sowie die wiederholte Hebung des Wetterschutzdaches. Die Ankunft und Übergabe des Kuppelkreuzes am 13. Februar 2000 durch den Herzog von Kent auf dem Platz vor der Frauenkirche gehört zu den wesentlichsten Ereignissen dieses Jahres.

Nach der großen Elbeflut von 2002 lernte ich den Fotografen Klaus-Willem Sitzmann aus Fulda kennen, dem ich an der Frauenkirche und auf dem Neumarkt immer wieder begegnete und dessen Buch "Die Dresdner Frauenkirche - dem Himmel näher" 2004 erschien. Er schrieb mir:
"Zum ersten Mal sah ich die Kirche. Die Pracht der neuen Steine war zu sehen im Verbund mit den alten, die vorher säuberlich und strategisch sortiert, im Steinelager beherbergt waren. Hoch oben ragte das Hauptgerüst dem Himmel entgegen. Die frühe Nachmittagssonne verfing sich im Labyrinth der Gerüststangen und warf ihre Strahlen nach unten. Einer davon, vielleicht auch ein Bündel, muss mich getroffen haben. Statt nach Fulda heimzukehren, nahm ich meine alte Minolta XG 9, mit Rossmann-Film, vor's Auge und begann ein Abenteuer. Mein VW-Bus parkte nahe des Körnerplatzes, in der Grundstraße. Darin verbrachte ich die Nächte, tags war ich an der Frauenkirche. Mit meiner neuen Aufgabe immer sehr beschäftigt, habe ich zwar gespürt, dass da noch ein anderer Mann mit seiner Filmkamera vor Ort war - öfter miteinander gesprochen haben wir aber nicht. Irgendwann, es muss Ende August, Anfang September 2002 gewesen sein, standen wir nahe beieinander, und ich sah zum ersten Mal bewusst in sein Gesicht. Ein freundliches Lächeln verband sich mit der Frage, woher ich komme, wie man mich ruft und warum ich mich so beharrlich für die Frauenkirche interessiere. Bevor ich eine Antwort auf diese Fragen fand, platzte aus mir heraus: 'Sie kenn' ich doch! Ich habe kürzlich ein Bild von Ihnen in der Zeitung gesehen, dazu einen Bericht. Herr Hirsch?' Er lacht, bestätigt und widmet sich erst mal wieder seiner Kamera. Dann drehte er sich zu mir um und sagte Worte, die ich nicht nur nie vergessen werde - sie haben meine Dresdner Biografie nachhaltig beeinflusst: 'Es kann gar nicht genug getan werden, um mit Foto- oder Filmkamera festzuhalten, was hier geschieht.'
Soweit das Zitat von Klaus-Willem Sitzmann. In der Folge sechs, die 2003 fertig geschnitten und vertont vorlag, war der Bau schon bis zur Wölbung der Innen- und der doppelschaligen Außenkuppel fortgeschritten. Der Maler Christoph Wetzel begann mit der Ausmalung der Hauptkuppel. Wir nehmen den Guss der sieben Glocken in der Glockengießerei Bachert in Bad Friedrichshall ebenso wie deren Ankunft in Dresden auf. Auf dem Schlossplatz wurden sie festlich begrüßt, mit einem großen Volksfest gefeiert und anschließend in die Glockenstühle der beiden Treppentürme gehoben. Außen an der Hauptkuppel waren inzwischen alle Gerüste gefallen und die "Steinerne Glocke" schwebte wieder über der Stadt.
Unsere Aufnahmen erforderten von Monat zu Monat mehr körperlichen Einsatz, galt es doch, mit der Kameraausrüstung, die zum Glück immer kleiner und leichter geworden war, über Leitern immer höher hinauf auf die Gerüste zu steigen, um nah an das Baugeschehen heranzukommen. Als meine Assistentin half mir wie immer tatkräftig meine Frau Cornelia.
Folge sieben, mit der 2005 die gesamte Dokumentation abgeschlossen wurde, zeigte die Arbeiten an der Laterne und das Versetzen des letzten Bogensteines. Insgesamt eine Million Steine waren verbaut worden. Das Heben der Turmhaube auf die Laterne in 90 Meter Höhe verfolgten über 60.000 Zuschauer. Weitere Höhepunkte: der Einbau der Orgel und die Ausmalung der Kuppel und der Emporen. Die Bilder der fertigen Kirche beschließen diese letzte Videofolge, die rechtzeitig zur Weihe am 30. Oktober 2005 herausgegeben wurde. Für eine Ausstellung im Stadtmuseum über den gesamten Wiederaufbau stellten wir noch einen 29 Minuten langen Film zusammen, der mit der Weihe der Frauenkirche endet und der in der Ausstellung fünf Jahre lang gezeigt wurde. Die gesamte Dokumentation umfasst 400 Stunden Videomaterial mit über 33.000 Einzeleinstellun- gen, die die Sächsische Staatsbibliothek - Landes- und Universitätsbibliothek für ein Pilotprojekt von der Fördergesellschaft Frauenkirche übernahm. In einer festlichen Veranstaltung wurde vom Generaldirektor der Bibliothek, Professor Dr. Thomas Bürger, im Dezember 2007 das Projekt vorgestellt und ist seitdem im Internet jederzeit weltweit abrufbar und für die Zukunft gesichert.
Vielen Mitwirkenden an der Entstehung der Dokumentation sei hier gedankt: der Aufbauleitung und dem Baudirektor Dr. Eberhard Burger, dem Journalisten Dieter Zumpe, der für alle sieben Folgen die informativen und einfühlsamen Texte schrieb, den Beratern der Videogruppe der Fördergesellschaft mit Geschäftsführer Dr. Hans-Joachim Jäger, Prof. Ludwig Güttler für die Musikauswahl, dem großartigen Sprecher Walter Niklaus, meiner Frau Cornelia als Assistentin, meinem Sohn Konrad für den Schnitt und vielen unbekannten Helfern.
Dankbar blicke ich auf diese 13 Jahre meiner Lebens- und Arbeitszeit von 1993 bis 2006 zurück. Der Wiederaufbau der Frauenkirche brachte uns nach Dresden zurück, vielfältige persönliche Begegnungen und Bekanntschaften, ja auch Freundschaften ergaben sich in der Folge. Die Berufung zum Ehrenmitglied der Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus an meinem 65. Geburtstag 2001 ist mir eine hohe Ehre und eine Anerkennung meiner Arbeit für die Frauenkirche.

In der nächsten Woche setzten wir die Autobiografie fort, dann lesen Sie mehr über Ernst Hirsch und seine Arbeit im Grünen Gewölbe. Das vorangegangene Kapitel über die Arbeit Hirschs mit den Künstlern Fernando Botero und Niki de Saint Phalle können Sie HIER nachlesen. Zum Start der Serie klicken Sie HIER. In der Mediathek der SLUB sind viele Filme aus der Sammlung von Ernst Hirsch bereits digitalisiert.