Ernst Hirsch bei Dix, Griebel und Löffler - Teil 19

Ernst Hirsch und Heinz Wobst im Atelier von Otto Dix, 1962.

Ernst Hirsch und Heinz Wobst im Atelier von Otto Dix, 1962.

Der Auszug aus der Biografie ""Ernst Hirsch - Das Auge von Dresden" macht mit Prominenten des Dresdner Kunstlebens bekannt.

Der Dresdner Kameramann Ernst Hirsch beschreibt in seiner längst vergriffenen Autobiografie "Ernst Hirsch - Das Auge von Dresden" sein eng mit Dresden und en Persönlichkeiten der Stadt verknüpftes Leben. In Teil 19 des exklusiven Abdruckes lesen Sie über die Begegnungen mit den malern Otto Dix und Otto Griebel sowie mit dem Kunsthistoriker und Denkmalschützer Dr. Fritz Löffler. 

Begegnungen mit Otto Dix 

Am 29. September 1962 lernte ich den bedeutenden deutschen Maler Otto Dix in der Druckwerkstatt der Hochschule für Bildende Künste kennen. Dix kam in diesen Jahren regelmäßig nach Dresden, um zusammen mit Roland Ehrhardt, "dem besten Drucker Deutschlands", wie ihn Dix nannte, Lithographien zu drucken. Er war erst vor einigen Tagen von einer Reise aus Rom zurückgekehrt. Dort war ihm ein mondäne römischer Gräfin begegnet. Aus dem Gedächtnis heraus arbeitete er direkt auf den Stein von ihr das Motiv "La Contessa". Er veränderte und ergänzte die Farben auf vier verschiedenen Steinen. Wir filmten die Druckarbeiten und in einem Interview vor dem frisch aus der Druckerpresse gekommenen Bild erzählte Dix, dass ihn diese Gräfin mit ihrem blumengeschmückten Hut sehr beeindruckt hatte und er sich schon in Rom vorgenommen habe, von ihr ein Porträt zu schaffen. Nach der Arbeit ergab sich ein angeregtes Gespräch zwischen dem Kunsthändler Horst Kempe, dem Porzellan-Restaurator Richard Seyffarth und dem Kunsthistoriker Fritz Löffler. Bei einigen Flaschen saurem sächsischen Wein, dem mit Zucker aufgeholfen wurde, erzählte Dix von seiner Begegnung mit dem großen Schauspieler Heinrich George, von dem er ein Porträt gemalt hatte. Otto Dix schenkte mir anschließend einen Probedruck des Blattes "La Contessa" – für mich eine wertvolle Erinnerung auch an weitere Begegnungen mit ihm.

Am nächsten Tag, dem 30. September, unternahmen wir eine gemeinsame Fahrt mit Dix und Käthe König, seit 1927 seine Freundin, bei der er in Dresden wohnte. Mit der Familie des Druckers Ehrhardt und Richard Seyffarth besuchten wir das Schloss in Moritzburg und fuhren weiter nach Meißen. Dort bekamen wir in einem Restaurant nur Plätze, weil wir deutlich sagten: "Hier kommt der Nationalpreisträger Professor Otto Dix mit seinen Gästen".Ernst Hirsch dreht im Atelier von Otto Dix, 1962. Foto: Heinz Wobst
Ernst Hirsch dreht im Atelier von Otto Dix, 1962. Foto: Heinz Wobst

In den sechziger Jahren hatte Dix zahlreiche Ausstellungen und erhielt Auszeichnungen und Preise in beiden Teilen Deutschlands. In Dresden wurde er anlässlich seines 75. Geburtstages zum Ehrensenator der Hochschule für Bildende Künste ernannt. Diese Ehrungen und der Ankauf des Triptychons "Der Krieg" von 1932 für die Galerie Neue Meister in Dresden waren für das DDR-Fernsehen 1966 Anlass für einen Film unter dem Titel "Thema mit Variationen". Bei den Aufnahmen in Dresden konnte ich mitwirken, so auch im Atelier auf der Kesselsdorfer Straße 11 in Dresden-Löbtau, welches Dix gemietet hatte. Wir stiegen die Stufen unter's Dach hinauf. Hier malte er nach seiner Entlassung als Hochschulprofessor 1933 unter anderem das Bild "Die sieben Todsünden". Obwohl inzwischen über 30 Jahren vergangen waren, stand dort noch seine Staffelei, und die Malutensilien lagen herum, als hätte er nur mal eine Pause gemacht.

Zu Aufnahmen im Ring-Café am Altmarkt traf er sich mit seinen Malerfreunden aus den 1920er Jahren - Hans Jüchser, Otto Griebel und Bernhard Kretzschmar. In angeregter Stimmung wagte Dix dort sogar ein Tänzchen. Eine weitere denkwürdige Begegnung, allerdings ohne dass die Filmkamera dabei war, fand auf dem Wolfsberg in der Sächsischen Schweiz statt. Das ehemalige Sommerhaus des Dresdner Warenhausbesitzers Adolf Renner gehörte nach 1945 dem Maler Erich Hering, einem Freund von Otto Dix, sowie dem Fotografen Helmut Körner. Abends lauschten wir am Kamin gespannt den Erzählungen von Dix aus seiner Dresdner Zeit in den 20er Jahren. Wir hören Ateliergeschichten, er erinnerte sich an das wilde Nachtleben in den Bordellen und an die von den Künstlern phantasievoll ausgestatteten Gauklerfeste im Ausstellungspalast am Stübelplatz (heute Straßburger Platz).


Ernst Hirsch und Heinz Woost im Atelier von Otto Dix, 1962

Bei zwei weiteren Filmen über Otto Dix war ich abermals als Kameramann engagiert. Der Münchner Filmproduzent Dr. Reiner Moritz plante 1988/89 einen großen Film über Dix mit dem Titel "Das Auge der Welt". Der ehemalige Dresdner Kunsthändler Horst Kempe, seit 1976 in München ansässig, empfahl mich für die Aufnahmen in Dresden und Freital als Kameramann. Herr Kempe und Herr Dr. Moritz waren befreundet, sprachen über das Dix-Projekt. Kempe muss zu Dr. Moritz gesagt haben: "Nach Dresden braucht ihr keinen Kameramann mitzunehmen. Fragt bei Ernst Hirsch an." Das war 1988, kurz vor der Wende. Eines Tages rief er mich an: "Guten Tag, hier ist Moritz von der Firma RM-ARTS, wir wollen in der Gemäldegalerie drehen, würden Sie das als Kameramann übernehmen?" - Auf meine Frage: "Haben Sie für die Dreharbeiten eine staatliche Genehmigung?" antwortete er: "Ja, das Kulturministerium der DDR befürwortet unser Vorhaben. Wir können drehen." An sich hätten sie einen Kameramann aus München mitbringen müssen, oder mit offiziellem Antrag einen solchen von der DEFA engagieren. Ich sagte trotzdem zu.

Ich war ihm unbekannt und Moritz ging das Risiko ein. Am 14. November 1988 kam das Filmteam aus München mit einem Lastauto voller Technik und vier Beleuchtern nach Dresden. Wir trafen uns im Albertinum. Ich war aufmerksam, wen ich begrüßte: das Team aus dem Westen und einen Mann, der gar nicht in die Situation hineinpasste. - Als ich den Typen sah, wusste ich, der gehört weder zu den Mitarbeitern der Kunstsammlungen noch zum Team von Moritz. Der ist von der Stasi, dachte ich sofort. Dr. Moritz, den ich noch nicht kannte, grüßte mich von Kempe. Eine Blitzidee schoss mir durch den Kopf. Ich sagte ganz laut, dass jeder im Raum meine Worte hören konnte: "Gern würde ich mit Ihnen arbeiten. Otto Dix habe ich vor vielen Jahren hier in Dresden während seiner Arbeit filmen können. Ich verehre ihn sehr und übernehme gern Ihren Auftrag."Und dann sagte ich weiter: "Jedoch ohne jedes Honorar. Ich will keine Bezahlung."Das war mein Glück, denn der Stasi-Mann konnte alles hören. Vielleicht war ich auch aus Angst vorsichtig. Wir hatten zu dieser Zeit bereits seit zwei Jahren unseren Ausreiseantrag laufen. Ein Devisenvergehen wäre der Anlass gewesen, uns nicht nur die Ausreise zu verwehren, sondern hätte mich hinter Schloss und Riegel bringen können.

Begonnen haben wir die Aufnahmen mit dem Triptychon "Der Krieg". Dieses Werk entstand zwischen 1929 und 1932, war zunächst als Leihgabe in Dresden und 1968 für die Galerie Neue Meister erworben worden. Die westliche Kameratechnik war für mich unbekannt, es war sehr verlockend, damit arbeiten zu können: Ein kleiner, wendiger Kamerakran, ein sogenanter Dolly, der auf Schienen fuhr, hob die schwere Kamera und mich dazu sanft in jede gewünschte Position vor dem großen Bild. Mit dem Kamerakran gelangen Fahrten und Schwenks über Details des Bildes, die mit einem herkömmlichen Stativ nicht möglich gewesen wären. Die tolle Kamera hieß Arriflex. Für mich war sie völlig neu, nie hätte ich im Osten die Gelegenheit gehabt, mit so einer Technik zu arbeiten. Dazu hochempfindlicher KODAK-Film und gute Scheinwerfer.

Mit Dr. Reiner Moritz und der "westlichen" Kameratechnik, 1988.
Mit Dr. Reiner Moritz und der "westlichen" Kameratechnik, 1988.

Nächster Drehort war das Museum "Haus der Heimat" in Freital – heute die Städtischen Sammlungen auf Schloss Burgk – mit seinem bedeutenden Bestand an Dix-Gemälden. Dorthin kam auch die Dresdner Tochter von Otto Dix zu einem Interview. Die 1939 geborene Katharina erzählte in gepflegtem Sächsisch von ihrem "Vati"und von ihrer Mutter Käthe König. In Gera, der Geburtsstadt von Dix, folgten weitere Aufnahmen in seinem Geburtshaus und in den dortigen Kunstsammlungen.

Vier Wochen später bestellte man mich zum Rat des Bezirkes Dresden zur "Klärung eines Sachverhaltes" ein. Vorhalt: "Sie haben illegal für eine westliche Filmfirma gearbeitet." Ich sagte: "Alles war genehmigt." - Nächste Frage: "Wie sind Sie dafür bezahlt worden?"- "Ich habe kein Honorar genommen." Damit war die Sache erledigt. Einige Jahre später konnte ich noch einmal alles in unseren Stasi-Akten nachlesen.

Der fertige Film mit dem Titel "Das Auge der Welt" ist bis heute ein wichtiges Dokument in der Filmografie zu Otto Dix, wurde mehrfach im Fernsehen gesendet und in verschiedenen Sprachen vertont.

Unter dem Titel "Otto Dix in Dresden" drehte ich 1994 gemeinsam mit meinem Freund Ulrich Teschner als Autor und Regisseur einen weiteren Film zum Thema Dix. Wir fanden unbekannte Details zum Aufenthalt von Otto Dix in seiner Zeit als Professor an der Kunsthochschule bis 1933, wir besuchten den Dix-Schüler Heinz Hamisch und befragten den Drucker Roland Ehrhardt. Wir suchten im Deutschen Hygiene-Museum nach Resten eines Wandbildes, dessen Karton-Entwurf in der Hamburger Kunsthalle erhalten geblieben war, und fanden weitere besondere Orte, die mit Erinnerungen an den Künstler verbunden sind. Der Film beginnt mit dem Dix-Zitat: "Entweder ich werde berühmt oder berüchtigt."

Otto Griebel - der Maler der Internationale 

Um 1960 lernte ich den Maler Otto Griebel kennen und begann mich für sein Leben und Werk zu interessieren. 1969 hatte ich dann die Idee, einen Film über ihn zu gestalten. Griebel wurde 1892 in Meerane geboren und begann 1909 ein Studium an der Königlichen Zeichenschule in Dresden, wo er Otto Dix kennenlernte. 1919 wurde er Meisterschüler an der Dresdner Kunstakademie, richtete sich ein Atelier ein und beteiligte sich 1926 an der Internationalen Kunstausstellung in Dresden. Griebel, seit 1919 Mitglied der KPD, erhielt wegen seiner Überzeugung nach 1933 Berufsverbot, er durfte nicht mehr malen. Nach 1945 war er als Kunsterzieher an der Kreuzschule tätig, noch heute erinnern sich Schüler von damals, unter ihnen der Sänger Peter Schreier, an den ungewöhnlich lebendigen Unterricht von Otto Griebel.

Durch seinen Sohn Matthias, meinen Freund, kam ich mit der Familie Griebel in Kontakt. Vorerst ohne einen Auftrag für einen Film, besuchten meine Kollegen Heinz Wittig und ich Otto Griebel in seinem kleinen Atelier auf der Pillnitzer Landstraße in Loschwitz. Er erzählte uns aus seinem Leben, zeigte uns Arbeiten und wir nahmen ihn mit der Filmkamera auf. Er schrieb zu dieser Zeit an seine Lebenserinnerungen, die später unter dem Titel "Ich war ein Mann der Straße" veröffentlicht wurden, und erzählte uns Episoden über Dresdner Künstler aus den zwanziger Jahren. Griebels Bilder sind der proletarisch-revolutionären Kunst und der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen. Besonders das große Gemälde "Die Internationale" von 1929 und dessen wechselvolle Geschichte interessierten uns. Zum Zeitpunkt unseres Besuches war das Bild bereits im Museum für Deutsche Geschichte in Berlin ausgestellt.

Nach Otto Griebels Tod 1972 schlug ich dem Fernsehen vor, einen Film über diese bedeutsamen Dresdner Maler zu gestalten. Der Vorschlag wurde angenommen. Das Drehbuch und den Text für den Film über seinen Vater schrieb Matthias Griebel. Darin fand auch das zweite wertvolle dokumentarische 16-mm-Material aus dem Jahr 1969 Verwendung, als wir den Maler schreibend und zeichnend in seinem Arbeitszimmer aufgenommen hatten. In Meerane, dem Geburtsort Griebels, nahmen wir dessen Elternhaus und weitere Stadtbilder auf. Unter Mitwirkung von Frau Grete und den Söhnen entstand eine Dokumentation, in deren Mittelpunkt das Bild "Die Internationale" steht, das dem Film den Titel gab. Dargestellt hat sich auch der Künstler selbst, solidarisch vereint mit Arbeitern aus vielen Ländern, die ihr altes Kampflied singen. Wie bei den anderen Künstlerfilmen nutze ich für Aufnahmen der einzelnen Kunstwerke auch diesmal wieder die besondere Technik der Trickfilmkamera. 

Begegnungen mit Dr. Fritz Löffler (1899-1988) 

Der Kunsthistoriker, Denkmalpfleger und Freund der Künstler, Dr. Fritz Löffler, hat mit seinem Wirken, seiner Standhaftigkeit und seiner tiefen Bindung an seine Heimatstadt Dresden in vielfältiger Form vorbildhaft und prägend auf mich gewirkt.

Eine erste flüchtige Begegnung mit ihm hatte ich bereits 1953 im Institut für Denkmalpflege auf der Augustusstraße, wo wir uns für den Film über Park und Schloss Pillnitz die originalen Baupläne vorlegen ließen.

Ab 1955 machte zunehmend ein Buch von sich reden "Das alte Dresden", dessen Autor Fritz Löffler war. Es sollte zum Inbegriff der Erinnerungskultur an die einstige Schönheit der in Trümmern liegenden Stadt werden. Besonders die zahlreichen Abbildungen aus den reichen Beständen der Deutschen Fotothek in diesem Buch waren es, die mir wie allen Lesern zur besseren Kenntnis des alten Stadtbildes und einzelner Bauwerke verhalfen. Es wurde als Mahnung und als Aufforderung zum Wiederaufbau wichtiger Bauwerke verstanden. Jedoch stellte es für die Kommunalpolitiker der Stadt einen Affront gegen die sozialistische Großstadt dar.

Über die Ausstellung "Spiegelbilder des Falles in der Kunst" die 1933 im Lichthof des Dresdner Rathauses gezeigt wurde, existiert ein Dokumentarfilm in meinem Archiv. Da ich mehr über die gezeigten Bilder und die Künstler erfahren wollte, fragte ich bei Dr. Löffler nach. Er hatte selbst lebhaftes Interesse, den Film zu sehen. So fuhr ich mit einem transportablen Normalfilmprojektor in seine Wohnung, führte den Film mehrmals vor und erhielt wertvolle Informationen über die Bilder und die verfemten Künstler. Bei dieser Gelegenheit gestattete Löffler mir, Fotos von seiner Wohnung und Porträts von ihm zu machen, die heute in der Fotosammlung des Kupferstichkabinetts aufbewahrt werden.

Dr. Fritz Löffler, 1979. Foto: Ernst Hirsch
Dr. Fritz Löffler, 1979. Foto: Ernst Hirsch

Am 31. März 1987 überbrachten Matthias Griebel und ich Löffler ein Exemplar unseres Buches über den Fotografen August Kotzsch, über den ich im Kapitel "Dresdner Fotografie-Tradition" noch ausführlicher berichte. Wir unterhielten uns über historische und künstlerische Fotografie in Dresden und über Dresdner Fotografen, die Löffler noch persönlich kannte, wie Hugo Erfurth, Edmund Kesting, Franz Fiedler oder Pan Walter.

Als die Metallplastik von Hermann Glöckner "Mast mit 2 Faltungszonen"1984 vor der Mensa der Technischen Universität ihren Platz fand,t rafen sich Hermann Glöckner und Fritz Löffler bei der Übergabe, ich hielt es im Film fest.

In Künstlerkreisen war Fritz Löffler sehr geachtet. Er eröffnete viele Ausstellungen, insbesondere in der Galerie Kühl auf der Zittauer Straße. Heinrich Kühl und seine Galerie waren eine Institution in Dresden. Schon lange vor Ausstellungseröffnungen, die meist am Sonntagvormittag stattfanden, drängten sich die Besucher, wenn es hieß, Fritz Löffler hält die Eröffnungsansprache. Da es in dieser Zeit technisch noch schwierig war, Filmaufnahmen mit Ton zu kombinieren, nahm ich häufig die Ansprachen nur mit dem Tonband auf und fotografierte dazu. Als die bekannte Kulturredakteurin Ingrid Wenzkat, die viele Jahre für die Tageszeitung "Die Union" tätig war, 1995 das Buch "Dresden - Vision einer Stadt" mit Aufsätzen und Reden von Fritz Löffler herausgegeben, wurde einem Teil der Auflage eine CD mit Ansprachen Löfflers aus meinem Archiv beigelegt. Ins Buch kamen Fotos aus meinem Archiv.

Am 6. April 1988 eröffnete das Dresdner Kupferstichkabinett eine Ausstellung mit dem Titel "Fritz Löffler - Freund der Künstler", in der eine Auswahl von Kunstwerken aus einer großzügigen Schenkung von Fritz und Slava Löffler an die Kunstsammlungen Dresden gezeigt wurde. Fritz Löffler, inzwischen schwerkrank, konnte seine Wohnung nicht mehr verlassen und deshalb nicht daran teilnehmen. Mit einer geliehenen Videokamera, zu dieser Zeit die neueste Technik, dokumentierte ich den Rundgang von Pressevertretern durch die Ausstellung in den Räumen des Kupferstichkabinetts auf der Güntzstraße, dazu die Erläuterungen von Werner Schmidt, Direktor des Kupferstichkabinetts, und die anschließende Eröffnung der Ausstellung. In seiner Ansprache betonte Werner Schmidt:

"Der Name Fritz Löffler ist für das geistige Dresden über die Grenzen des Landes hinaus zum Begriff geworden. Der 88jährige arbeitet seit über sechs Jahrzehnten rastlos und unbeirrt für seine Heimatstadt. Wie kein anderer vereint er in seinem Wissen, in seinen Erfahrungen und in seinem Wirken die kulturhistorischen Traditionen Dresdens mit dem gegenwärtigen Kunstschaffen."

Sofort nach der Veranstaltung fuhr ich mit der Videoaufzeichnung der Eröffnung, mit der gesamten Technik zu deren Wiedergabe und einem großen Fernsehgerät auf die Liebigstraße in die Wohnung Fritz Löfflers.

Sehr geschwächt lag er im Bett, umgeben von Büchern und Bildern aus seiner Sammlung, und sah sich sehr aufmerksam die Aufzeichnung an. Er bat mich sogar um eine Wiederholung, obwohl schon mehr als eine Stunde vergangen war. Ich beschreibe das hier, weil ich denke, mit meiner spontanen Entscheidung ohne Auftrag Fritz Löffler eine Freude vorbereitet zu haben. Dessen Sohn Falk Löffler, der mit dabei war, bestätigte es mir ausdrücklich. Fritz Löffler verstarb wenige Wochen später, am 15. Mai 1988.

Ernst Hirsch führt 1988 dem schwerkranken Fritz Löffler in dessen Wohnung den Film über die Ausstellung seiner Schenkung an die Staatlichen Kunstsammlungen vor. Foto: Rolf Hofmann
Ernst Hirsch führt 1988 dem schwerkranken Fritz Löffler in dessen Wohnung den Film über die Ausstellung seiner Schenkung an die Staatlichen Kunstsammlungen vor. Foto: Rolf Hofmann

Löffler war ein Visionär. Die "Frauenkirche ist eine Weltangelegenheit", sagte er beharrlich immer wieder und seine Vision von ihrem Wiederaufbau wurde Wirklichkeit, ebenso wie die Einrichtung einer "Galerie Dresdner Kunst" in den Städtischen Sammlungen, für die er sich wiederholt einsetzte.

Für die Ausstellung zum 100. Geburtstag Fritz Löfflers, die 1999 in der Galerie auf der Rähnitzgasse stattfand, stellte ich einen Film aus Dokumentaraufnahmen zusammen, u.a.  Sequenzen, in denen er 1946 als Jurymitglied der 1. Deutschen Kunstausstellung in der Nordhalle zu sehen ist, oder in der Katholischen Hofkirche beim Aufziehen des großen Altargemäldes von Anton Raphael Mengs, auf einem Schiff der Weißen Flotte zusammen mit Studenten, bei einem Besuch auf der Baustelle des Residenzschlosses und bei der bereits erwähnten Einweihung der Metallplastik von Hermann Glöckner im Gelände der TU.

Dr. Fritz Löffler vor seinem Bücherregal, 1979. Foto: Ernst Hirsch
Dr. Fritz Löffler vor seinem Bücherregal, 1979. Foto: Ernst Hirsch

                        

Mehr von und über Ernst Hirsch


In der nächsten Woche setzten wir die Autobiografie fort, dann lesen Sie mehr über Hirschs Begegnungen mit bedeutenden Fotografen. Das vorangegangene Kapitel erzählt u.a.  über Hirschs Canaletto-Film.  Diesen Auszug können Sie HIER nachlesen. Zum Start der Serie klicken Sie HIER.


In der Mediathek der SLUB sind viele Filme aus der Sammlung von Ernst Hirsch bereits digitalisiert.

                        

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