Mit Peter Schamoni an der Plastik "Capricorn" von Max Ernst im Garten der De-Ménil-Stiftung in Houston/Texas, 1990.
Die Autobiografie "Ernst Hirsch - Das Auge von Dresden" erzählt in Teil 21, wie sich der Dresdner Kameramann Künstlern und Kunstwerken annäherte. Tauchen Sie ein in das Kapitel "Die Welt des 'großen' Films". Leben50 darf exklusiv die längst vergriffene Biografie veröffentlichen.
Mit Peter Schamoni in München
m Rahmen meiner Tätigkeit für das Fernsehen hatte ich einen Dokumentarfilm mit dem Titel "Caspar David Friedrich in Dresden" gedreht. 1984 war der Film mit einer Laufzeit von 40 Minuten fertiggestellt und wurde gesendet. Im Juni 1984 rief mich mein Freund, der Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Winfried Werner, an und sagte: "Der Regisseur Peter Schamoni aus München ist in Dresden, um einen Spielfilm über Caspar David Friedrich vorzubereiten." Zur fachlichen Beratung hatte er sich an Professor Neidhardt von der Dresdner Gemäldegalerie Neue Meister, den Spezialisten für die Malerei der Romantik, gewandt. Der wiederum empfahl ihm, sich an Winfried Werner und Pfarrer Karl-Ludwig Hoch zu wenden, der zu dieser Zeit an einem Buch mit bisher unbekannten Dokumenten aus dem Leben von Caspar David Friedrich arbeitete. Noch am selben Tag fuhren sie gemeinsam zu einer Motivbesichtigung in die Sächsische Schweiz. Während der Fahrt bemerkte Winfried Werner: "Hier in Dresden gibt es einen Kameramann, der gerade einen Film über Caspar David Friedrich fertiggestellt hat. Wollen wir ihn mal besuchen?" Am Abend riefen sie bei mir an und wenig später kamen sie zu uns. Ich dachte: "Das kann doch nicht wahr sein. Der große Schamoni, hier bei uns im Haus..." Wir hatten im ehemaligen Kohlenkeller unseres Hauses ein kleines Kino mit professioneller Vorführtechnik eingerichtet. Mit einem Ernemann-Projektor führte ich nun meinen Film über Caspar David Friedrich vor. Schamoni war sehr erstaunt über das Kino und darüber, dass es freiberufliche Kameraleute in der DDR gab. Das war unsere erste Begegnung, die für uns von großer Bedeutung sein sollte.
Peter Schamoni
1934 in Berlin geboren, hatte Peter Schamoni noch drei Brüder. Alle vier waren in der Filmbranche tätig, wie schon ihr Vater Victor Schamoni, der 1926 mit dem wissenschaftlichen Thema "Das Lichtspiel - Möglichkeiten des absoluten Films" an der Universität Münster promoviert hatte. Der Vater fiel im Krieg, die Familie wurde in Berlin ausgebombt und zog danach nach Münster. Peter studierte nach dem Abitur ab 1955 in München Theater-, Literatur- und Kunstgeschichte und nahm das Schauspielunterricht. 1957 erhielt er gemeinsam mit dem Kameramann Jost Vacano einen Preis für seinen ersten Dokumentarfilm "Moskau 1957". Er unterzeichnete 1962 mit 26 anderen jungen Filmmachern das sogenannte "Oberhausener Manifest", in dem mit dem Schlachtruf "Papas Kino ist tot" gegen die seichten Unterhaltungsfilme jener Jahre protestiert wurde.
Als Produzent und Regisseur gestaltete Peter Schamoni über 30 Dokumentarfilme und mehr Spielfilme. Wie er mir später erzählte, drehte er schon 1964 einen Film über den Dresdner Zwinger und die Gemäldegalerie, hatte auch schon Jahre vorher Kontakte zu Dresden.
Ich wusste damals über Peter Schamoni, dass er ein sehr bekannter und erfolgreicher Regisseur war, kannte jedoch nur seinen Film "Frühlingssinfonie" über Robert Schumann und dessen Frau, die Pianistin Clara Wieck. Dieser Film von 1983 wurde auch in der DDR gezeigt. Der Dresdner Schauspieler Rolf Hoppe spielte darin die Rolle von Friedrich Wieck, dem Vater von Clara. Herbert Grönemeyer und Nastassja Kinski verkörperten die Hauptrollen als Robert und Clara.
Doch zurück zum Film über Caspar David Friedrich. In Koproduktion mit dem DEFA-Spielfilmstudio in Babelsberg war der Film nach zwei Jahren Produktion 1986 fertiggestellt. Es gab zwar noch kein Kulturabkommen zwischen den beiden deutschen Staaten, jedoch lief die Zusammenarbeit nicht ohne ökonomischen Hintergrund, wurden die Arbeiten doch mit "harter" D-Mark bezahlt. Gemeinsam mit der DEFA gelang es Schamoni, an Originalschauplätzen in Leipzig, der Sächsischen Schweiz und an der Ostsee zu drehen. Versierte Filmhandwerker, Beleuchter, Kostümbildner und Requisiteure standen von Seiten der DEFA zur Verfügung. Der Film "Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit" ist ein dokumentarischer Film mit Spielhandlung, der sich durch große Nähe zum Werk des Künstlers auszeichnet. Zu sehen ist der Maler selbst jedoch nie. Allenfalls als winzige Figur in der Landschaft zu erkennen, wendet er dem Betrachter den Rücken zu, wie auch die Personen in vielen Bildern Friedrichs. In Spielszenen reflektieren bekannte Schauspieler wie Helmut Griem als Friedrichs Freund Carl Gustav Carus oder Walter Schmidinger als Kunstkritiker von Ramdohr mit ihren Dialogen etwas von den Auseinandersetzungen, die Friedrichs Bilder seinerzeit auslösten. Die Texte sind zum großen Teil den unbekannten Dokumenten entnommen, die Pfarrer Karl-Ludwig Hoch entdeckt und in seinem Buch veröffentlichte. Als Regisseur hat Peter Schamoni den Film mit großer Sorgfalt und historischer Genauigkeit gestaltet. Im vollbesetzten Dresdner Rundkino fand am 27. Februar 1987 die DDR-Premiere in Anwesenheit von Peter Schamoni und seinem Kameramannes Gérard Vandenberg statt.
Nach der Aufführung beantworteten die Filmemacher Fragen von Zuschauern, kontrolliert von der Staatssicherheit, wie ich später in meinen Akten feststellen konnte. Ich wechselte einige Worte mit Schamoni, hatte aber danach lange keinen Kontakt mehr mit ihm.
Begegnung in München
Schon bald nach unserer Übersiedlung in den Westen genossen wir im Oktober 1989 die gewonne Freiheit auf einer ersten Reise mit einem geliehenen Wohnmobil in die Schweiz und nach Österreich. Die Rückreise führte über München. In einem Straßencafé an der Münchner Freiheit in Schwabing tranken wir Kaffee und aßen Eis. Cornelia betrachtete versonnen das bunte Straßenleben. Plötzlich sagte sie: "Sitzt dort nicht Peter Schamoni?" Ich hätte ihn kaum wiedererkannt. Cornelia: "Geh doch mal hin und begrüße ihn." Ich ging an seinen Tisch und stellte mich vor. Er erkannte mich und war ganz verwundert: "Herr Hirsch, Sie sind hier im Westen?"
Unser Gespräch endete mit einer Einladung Schamonis in sein Haus: "Kommen Sie mit, zur Mauerkircherstraße ist es nicht weit." Wir fuhren ihm hinterher, er führte uns durch sein Haus, zeigte uns Bilder aus seiner Sammlung und dann war die Begegnung beendet. Ich hatte Schamoni mitgeteilt: "Wir leben jetzt im Westen, wie es weitergeht, weiß ich noch nicht." Wir nannten ihm unsere vorläufige Adresse und Telefonnummer. Ein paar Wochen später, zu dieser Zeit wohnten wir bei Cornelias Schwester in Seeheim-Jugenheim im Odenwald bei Darmstadt, rief Herr Schamoni an und sagte: "Ich beginne einen neuen Film über den Maler Max Ernst aus Anlass seines 100. Geburtstages". Der Grund, warum er mich anrief, war, dass die erste Ausstellung in Ostdeutschland mit Bildern von Max Ernst ausgerechnet in Dresden in der Galerie Rähnitzgasse stattfand. "Herr Hirsch, Sie sind doch aus Dresden, Sie kennen sich doch dort aus. Können wir gemeinsam hinfahren, um diese Ausstellung aufzunehmen?" Es war wie ein Wink des Schicksals - ausgerechnet Dresden! Ich sagte zu, wenig später trafen wir uns, um nach Dresden zu fahren. Die Ausstellung zeigte Bilder, Plastiken und auch zwei Türen aus dem Haus von Paul Éluard in Paris, die Max Ernst bemalt hatte, Leihgaben aus dem Sprengel-Museum Hannover. Ich filmte die Bilder, die Türen, die ganze Ausstellung - ausgerechnet in Dresden fand sie statt. Dieser Zufall bestimmte gewissermaßen unser weiteres Schicksal und der Aufnahmetermin war noch dazu der 13. Februar 1990. An diesem Tag empfing mich unsere Stadt, die wir verlassen hatten, nun wieder. Am Abend fand auf dem Altmarkt vor der Kreuzkirche eine Gedenkveranstaltung statt, auf der Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer sprach. Es war 45 Jahre nach dem verheerenden Luftangriff auf Dresden unter nunmehr geänderten politischen Bedingungen und in Freiheit die erste Gedenkveranstaltung zu diesem historischen Ereignis. An den folgenden Tagen besuchten wir auf Schamonis Wunsch Dresdner Künstler: den Maler Siegfried Klotz in seinem Atelier in der Kunstakademie, den Kunstsammler Friedrich Pappermann, anschließend in Leipzig Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer. Schamoni zeigte großes Interesse an ostdeutschen Malern und war beeindruckt von meinen Verbindungen zu ihnen. In Halle besuchten wir noch Willy Sitte. Schamoni kaufte ein Bild von ihm, mir schenkte Sitte eine Grafik.
Einige Tage später rief er mich in Jugenheim an: "Mit deinen Aufnahmen in Dresden bin ich zufrieden. Ich fahre bald nach Amerika, um dort in Museen und an den Orten zu drehen, wo Max Ernst während seiner Emigration gelebt und gearbeitet hat. - Ihre Arbeitsweise gefällt mir - ein Kameramann, der selbständig arbeitet, ohne großes Team. Günstig für Amerika, weil dort sonst die Film-Gewerkschaft aufmerksam wird und fordert, einheimische Mitarbeiter zu engagieren." Schamoni fragte: "Wollen Sie mitkommen?" Ich sagte natürlich zu, wenn auch mit einer gewissen Beklommenheit: "Wirst Du das schaffen?" Der Reisetermin rückte heran, und ich war psychisch so belastet, dass ich starke Rückenschmerzen bekam, mit einem sogenannten "Hexenschuss" ins Jugendheime Krankenhaus musste und dort am Tropf hing.
Für den Max-Ernst-Film nach Amerika
Aber schon am nächsten Tag sollte der Flug von Frankfurt nach Amerika starten. Auf eigenen Wunsch ließ ich mich am frühen Morgen aus dem Krankenhaus entlassen. Glücklicherweise hatten wir die gesamte Filmausrüstung bereits in unserem Auto verladen. So konnte mich Cornelia pünktlich zum Treffen mit Schamoni bringen. Zuerst flogen wir nach Houston in Texas. Den Flug überstand ich gut. Dort angekommen, war meine körperliche Verfassung wieder so schlimm, dass gar nichts mehr ging. Schamoni betreute mich liebevoll, kaufte mir sogar eine Wärmflasche, brachte mir Essen und ließ mir Zeit. Nach einigen Tagen besserte sich mein Zustand, die Spannung wich. Wir konnten drehen! In der Ménil Collection, einem riesigen Museum für moderne Kunst in Houston, finden sich mehrere Gemälde von Max Ernst, darunter das große Werk "Vox angelica", gemalt 1943 in Amerika. Dieses Bild erläuterte vor der Kamera einer der besten Kenner des Werkes von Max Ernst, der Kunsthistoriker Werner Spieß, der mit uns nach Houston gereist war. Im Garten des Privathauses der Familie de Ménil filmten wir die berühmte große Plastik "Capricorn", welche Max Ernst in Sedona in Arizona geschaffen hatte. Mein Gesundheitszustand besserte und stabilisierte sich.
Nächste Station der Reise war Los Angeles. Zuerst haben wir in einer Filmkopieranstalt in Hollywood Filme entwickeln, die wir in Houston gedreht hatten. In der Weltmetropole des Films in Hollywood auf einer großen Leinwand eigene Aufnahmen zu sehen, stimmte mich glücklich. Das Ergebnis war gut und Schamoni zufrieden. Wir lernten die berühmten Universal-Studios auf einer Studio-Tour kennen, sahen den Sunset Boulevard in Beverly Hills. Bis dahin waren wir beide, Schamoni und ich, noch beim förmlichen "Sie", im Laufe der Arbeit freundeten wir uns mehr und mehr an und landeten schließlich beim "Du". Mit einem gemieteten Campingbus fuhren wir über Las Vegas weiter zu den Orten, an denen Max Ernst während seines Aufenthalts in den USA lebte und arbeitete. In Sedona in Arizona baute er sich sogar ein Haus. Die Faszination, die die Landschaft Arizonas auf Max Ernst ausübte, ist in seinen Werken zu spüren. Die einzigartigen Naturwunder sind unbeschreiblich.

Mit der Trickfilmkamera drehen wir einen Sonnenaufgang im Bryce Canyon und Wetterstimmungen über den roten Felsformationen am Oak Creek. Eine Bootsfahrt im Canyon des Colorado-Flusses nach Lees Ferry, die Max Ernst 1948 unternommen hatte, vollzogen wir auf einem relativ ruhigen Teilstück des Flusses unterhalb des Lake-Powell-Damms auch im Film nach. Fünf Wochen später kehrten wir nach Deutschland zurück.
Die Arbeit war mit diesem Aufenthalt in den USA nicht beendet, zwei weitere Reisen nach New York und nochmals nach Arizona folgten, ebenso eine Reise nach Frankreich, wohin Max Ernst nach seiner Rückkehr aus den USA gegangen war.
Für den Film waren spezielle Aufnahmen von Fotos und Dokumenten am Tricktisch anzufertigen. Das war für mich kein Problem, hatte ich doch in Dresden häufig so gearbeitet.
Zuletzt war Archivmaterial aus drei weiteren, schon ab 1963 gedrehten Kurzfilmen über Max Ernst herauszusuchen und im Kopierwerk zu bearbeiten. Der Filmschnitt und die Vertonung begannen. 1991 kam der Max-Ernst-Film "Mein Vagabundieren – meine Unruhe" von Peter Schamoni zur Aufführung und erhielt den Bayerischen Filmpreis. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb Wilfried Wiegand: "Es ist ein beeindruckender Film geworden, der ein exemplarisches Leben schildert: Ein Künstler, wie er mit seiner Berufung auf die Romantik nicht deutscher sein könnte. Jene Szenen beeindrucken am meisten, in denen Originalschauplätze besucht werden. Das Haus Éluards in Paris mit den Wandmalereien von Max Ernst [die Türen dort waren in der Ausstellung in Dresden], das Haus in der Touraine in Frankreich, die Landschaft Arizonas. Die von Ernst Hirsch neu aufgenommenen und dramatisch ins Bild gerückten Felspanoramen vom Bryce Canyon oder Grand Canyon machen es nachvollziehbar, was Max Ernst damals meinte, die Visionen seiner eigenen Malerei leibhaftig vor sich zu sehen. In solchen Augenblicken wird Film zur Magie: Er beschwört imaginierte Wirklichkeit, zaubert sie vor unsere Augen."

Sachsen in München
Schamoni war mit meiner Arbeit zufrieden. Noch 1991 stellte er mich als Kameramann fest an. Neben seinem Haus in München hatte er das Nachbarhaus gemietet, um dort einen Filmschneideraum einzurichten. Er lud uns ein: "Kommt doch nach München, ihr könnt mietfrei in diesem Haus wohnen." Wir nahmen das Angebot sofort an, denn wir wollten auch die Gastfreundschaft unserer Verwandten in Seeheim-Jugenheim nicht länger strapazieren. Zu diesem Zeitpunkt waren unsere Möbel und der Hausrat noch in Dresden. Schamoni brachte uns freundschaftlich diverse Einrichtungsgegenstände, einen Tisch, Gartenstühle und eine Lampe. Er zeigte eine menschliche Zuwendung, die weit über unsere berufliche Zusammenarbeit hinausging. Wir kamen uns auch persönlich näher.
Cornelia kochte für uns alle einfache Hausmannskost, wie wir sie gewohnt waren. Schamoni war glücklich: "Ach, das schmeckt ja wie bei meiner Mutter!" Die im Garten hinter dem Haus aufgehängte Wäsche erinnerte ihn ebenfalls an frühere Zeiten. Peter war nicht verheiratet, seine Mutter Maria war verstorben. Er lebte ganz für seine Arbeit. In seiner Freizeit fuhr er oft in sein Landhaus am Starnberger See, seiner "Hütte", wie er es nannte, oder er spielte Golf. Wir begleiten ihn oft, er lud uns großzügig ein. So wurde München zu unserer Heimat, wozu auch die herrliche Umgebung mit vielen Ausflügen in die nahegelegenen Alpen beitrug.
In München lebten viele ehemalige Sachsen. Mitglieder der "Studiengruppe für Sächsische Kultur und Geschichte" trafen sich regelmäßig, mit dabei war oft der Enkel des letzten sächsischen Königs, Albert von Sachsen, der ebenfalls in München wohnte. Wir beteiligten uns an den Zusammenkünften, Filme über das alte Dresden aus meinem Archiv kamen zur Aufführung und stießen auf großes Interesse. Eine weitere enge Beziehung zwischen München und Dresden führte nach Loschwitz: Schon im Juli 1989 hatte Pfarrer Ulrich Wagner einen Verein für den Wiederaufbau der Loschwitzer George-Bähr-Kirche gegründet. So waren wir keine Fremden mehr in der schönen bayerischen Hauptstadt.
Es ergab sich erneut ein glücklicher Umstand: Die internationale Vermarktung und der Verleih des Max-Ernst-Films übernahm die Firma RM-Arts von Dr. Reiner Moritz, für den ich im Jahr 1988 in Dresden bereits am Film über Otto Dix "Das Auge der Welt" mitgewirkt hatte. Zusammen mit seiner Frau lud er uns eines Tages zum Essen ein und bot mir an, als Kameramann für die Fernsehserie "1.000 Meisterwerke" zu arbeiten, die von ihm für den Westdeutschen Rundfunk in Köln produziert wurde, zu arbeiten. In Dresden hatte ich mit Filmen über Künstler und Kunstwerke Erfahrungen gesammelt, sagte also gern zu. Die einzelnen Folgen wurden noch ganz klassisch auf Film aufgenommen. Die Serie hatte hohe Zuschauerzahlen. Damit war nicht nur die Überbrückung der Wartezeit auf das nächste Projekt von Schamoni gesichert, es waren Themen zu bearbeiten, die mich zu Künstlern und Kunstwerken in den Museen Westdeutschlands führten, die ich bisher nicht kannte. Wir begannen mit einem Film über den bayerischen Bildhauer Ignaz Günther, der im 18. Jahrhundert ausdrucksstarke und lebendige Figuren und Kirchenausstattungen schuf.
Für Aufnahmen zu einem Film der "1.000 Meisterwerke" über den Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein reiste ich an dessen Geburtsort, das Kloster Haina, ferner nach Gotha ins Schloss Friedenstein und natürlich auch nach Frankfurt, um das Bild "Goethe in der Campagne" aufzunehmen. Stets stand ein einzelnes Kunstwerk, ein "Meisterwerk" im Zentrum der jeweiligen Folge, so zum Beispiel auch das Aquarell von Albrecht Dürer "Die Drahtziehmühle", wofür wir Motive in der Umgebung von Nürnberg und im Dürerhaus aufnahmen.
Das Studio von Dr. Moritz befand sich in dessen Haus in Grünwald. Wir zogen nach einem Jahr von der Mauerkircherstraße auf die Harthauser Straße, um näher an unserem neuen Arbeitsplatz zu sein, den wir nun mit dem Fahrrad erreichen konnten. Cornelia war ebenfalls mit angestellt. Die Verbindungen zu Dr. Moritz und seiner Frau haben sich bis heute erhalten.
Mehr von und über Ernst Hirsch
In der nächsten Woche setzten wir die Autobiografie fort, dann lesen Sie mehr über Hirschs Filme über die Künstler Niki de Saint Phalle und Fernando Botero. Das vorangegangene Kapitel über Dresdner Fotografen können Sie HIER nachlesen. Zum Start der Serie klicken Sie HIER. In der Mediathek der SLUB sind viele Filme aus der Sammlung von Ernst Hirsch bereits digitalisiert.