Bewegung im Alltag: Wie körperliche Aktivität den Verlauf von Alzheimer beeinflussen kann

Bewegung reduziert das Risiko einer Alzheimererkrankung. Foto: Freepik

Regelmäßige Bewegung gilt seit Langem als wichtiger Baustein für ein gesundes Älterwerden. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse deuten nun darauf hin, dass körperliche Aktivität nicht nur das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung senken kann – sie scheint auch das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Und das sogar dann, wenn sich bereits krankheitstypische Veränderungen im Gehirn gebildet haben.

Schon 3.000 Schritte täglich zeigen Wirkung

Eine Studie,  im November 2025 in dem renommierten Fachjournal Nature Medicine veröffentlicht,  untersuchte rund 300 ältere Erwachsene. Bei einem Teil der Teilnehmenden waren bereits sogenannte Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn nachweisbar – ein frühes Anzeichen für eine mögliche Alzheimer-Entwicklung, noch bevor spürbare Symptome auftreten.

Das Ergebnis: Bereits etwa 3.000 Schritte pro Tag standen in Zusammenhang mit einer langsameren Anreicherung von Tau-Proteinen im Gehirn. Diese Proteine gelten als zentraler Marker für das Fortschreiten der Erkrankung. Besonders deutlich fiel der Effekt bei Personen aus, die sich täglich zwischen 5.000 und 7.500 Schritte bewegten.

Geistige Leistungsfähigkeit länger erhalten

Die Forschenden beobachteten, dass körperlich aktive Menschen im Vergleich zu weniger aktiven Studienteilnehmenden einen verlangsamten kognitiven Abbau zeigten. Das bedeutet: Gedächtnis, Orientierung und Denkfähigkeit blieben länger stabil.

Experten führen dies auf mehrere Faktoren zurück:

  • Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns.
  • Es werden wachstumsfördernde Botenstoffe ausgeschüttet.
  • Alltagsbewegung trainiert zugleich Orientierung, Reaktionsfähigkeit und soziale Interaktion.
  • Körperliche Aktivität wirkt somit doppelt: Sie stärkt das Herz-Kreislauf-System und unterstützt gleichzeitig die geistige Fitness.
  • Bewegung als ergänzende Therapieoption

Neben neuen medikamentösen Ansätzen – etwa Antikörpertherapien wie Lecanemab oder Donanemab – rückt damit ein vergleichsweise einfacher und risikoarmer Ansatz stärker in den Fokus: Regelmäßige Bewegung im Alltag.

Gerade für viele Betroffene, die keinen Zugang zu spezialisierten Therapien haben oder diese nicht erhalten, bietet körperliche Aktivität eine niedrigschwellige Möglichkeit, selbst aktiv zur eigenen Gesundheit beizutragen.

Mehr Bewegung – mehr Effekt?

Ein Punkt bleibt allerdings offen: Die Schrittzahl wurde in der Untersuchung nur zu Beginn erfasst. Ob sich das Bewegungsverhalten im weiteren Verlauf verändert hat, wurde nicht dokumentiert. Zudem ist nicht abschließend geklärt, ob oberhalb von etwa 7.000 Schritten keine zusätzlichen Vorteile entstehen.

Fachleute betonen daher:

Es gibt keinen Grund, bei einer bestimmten Schrittzahl „aufzuhören“. Intensivere Aktivitäten wie Tanzen, zügiges Gehen oder leichtes Joggen könnten zusätzliche positive Effekte entfalten.

Ganzheitlicher Blick auf die Gehirngesundheit

Neben Bewegung spielen weitere Lebensstilfaktoren eine Rolle:

  • geistige Aktivität (z. B. Lesen, Lernen, Rätsel)
  • soziale Kontakte
  • ausgewogene Ernährung
  • moderater Alkoholkonsum

Gerade für Menschen ab 50 gilt: Wer körperlich, geistig und sozial aktiv bleibt, stärkt nicht nur die Lebensfreude – sondern möglicherweise auch die Widerstandskraft des Gehirns.

Fazit

Regelmäßige Bewegung ist kein Allheilmittel, aber ein kraftvolles Instrument. Schon moderate Aktivität kann helfen, krankhafte Prozesse im Gehirn zu verlangsamen und die geistige Leistungsfähigkeit länger zu erhalten.

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