Weltpremiere eines Weines

Der Winzer & sein Wein: Christof Hammel und "The Return of Dorfbub". Foto: Ulrich van Stipriaan

Der Winzer & sein Wein: Christof Hammel und "The Return of Dorfbub". Foto: Ulrich van Stipriaan

Ein Wein aus Literflasche kann es durchaus in sich haben. Dasweiß unser Gastautor und Weinkenner Ulrich van Stipriaan.

Von Ulrich van Stipriaan

Wir müssen mal über Flaschen reden. Nein, nicht über die im Betrieb oder in der Politik – hier geht’s schließlich um Genuss und Wein, also auch um Weinflaschen. Die normale Größe sind die mit einem Dreiviertelliter Wein drin – Nullkommasiebenfünf also. Big Bottle Parties sind bei den Fans immer sehr beliebt, weil da der Wein aus mindestens doppelt so großen Flaschen fließt – 1,5 Liter passen da also rein, die Fachleute nennen diese Buddeln Magnum und schwören darauf: Wein aus großen Flaschen schmeckt viel besser! Kommt der Wein aber aus der Literflasche – die ja immerhin ein Drittel mehr Inhalt hat als die Normalo –, dann sagen die gleichen Kenner (Frauen eingeschlossen): bäh, das kann doch nichts sein! Klingt unlogisch? Ist es auch – zumindest mit dem jüngsten Coup von Christof Hammel, dem umtriebigen Starwinzer aus der Pfalz.

Hammel ist ein Unikum: Rauschebart, Vielredner. Mein Podcast mit ihm ist der längste unserer mittlerweile 161 Episoden (1 Stunde 57 Minuten dauert die Folge 69, gekürzt von über zweieinhalb Stunden Material). Was Hammel von vielen prominenten Zeitgenossen unterscheidet: er hat was zu sagen und redet kein dumm Tüch, wie man in meiner ostfriesischen Heimat sagt. Jüngst war er (mal wieder) in Dresden, zu Gast bei Clemens Lutz in dessen Kobalt. Aber nicht, um seine im Club bekannten Weine vorzustellen, sondern mit einem etwas anderen Angebot – Hammels Weingut ist 130 ha groß, da gibt’s reichlich. Der Höhepunkt des Abends: eine Weltpremiere! Einen Wein, den es im Handel noch gar nicht gibt! "The Return of the Dorfbub" heißt er – und ist genau so verrückt wie der Name vermuten lässt.

Christof Hammel (l.) zu Gast bei Clemens Lutz im Dresdner Club Kobalt. Foto: Ulrich van Stipriaan
Christof Hammel (l.) zu Gast bei Clemens Lutz im Dresdner Club Kobalt. Foto: Ulrich van Stipriaan

Das fängt, um mal den Bogen zum Anfang zu kriegen, mit der Flasche an: Literflasche! Aber mit gediegenem Inhalt: je ein Drittel Müller-Thurgau, Kerner und Scheurebe. „Ich habe mir gesagt, ich möchte jetzt, wo ich der Alterspräsident im Unternehmen bin, einen Wein machen, der nichts mit Markt zu tun hat. Ich kann mir das heute leisten!“, sagte Hammel, der vor zwei Jahren den Staffelstab offiziell an die Jugend im Betrieb übergeben hat, aber natürlich als Gesicht des Betriebs weiter mitmischt. Ihm sei es auch ziemlich egal, ob das jemand kauft oder nicht kauft, ob das die Kritiker gut finden, ob das irgendwie Furore macht oder irgendwas! Aber es sollte ein ambitionierter Wein sein, „der irgendwo zwischen VDP Ortswein und 1. Gewächs oder Großem Gewächs liegt – ohne auf die da sonst vermuteten klassischen Sorten zurückzugreifen.

Hammel besteht darauf, dass es keine Cuvée sei, denn er hat die Trauben – natürlich aus besten Lagen, das sagen Winzer ja immer – gemeinsam gelesen und zusammen gekeltert. Also so wie beim Gemischten Satz, der aber nur in Wien so heißen darf – dort waren die Winzer so schlau wie hier in Dresden die Stollenbäcker, sie haben sich das schützen lassen. Wie auch immer: den Wein aus den drei Sorten hat der Hammel mit einer speziellen Riesling-Hefe vergoren – auch wenn da kein Riesling drin ist: das klappt. 1.200 Liter blubberten im Holzfass vor sich hin, 2.400 Liter im Stahltank. Die Idee dahinter? „Zwei Drittel sind für die Erfrischung, für den Trinkspaß, für die Trinkigkeit, damit das Essen runterrutscht. Und ein Drittel ist für die Mundfülle, für den Duft, für die Präsenz!“ Nach zehn Monaten kommen beide Teile zusammen und werden in die Literflasche gefüllt. Die sei nicht nur besser für den Wein, sondern auch für die, die ihn trinken: „Genau die richtige Menge für zwei Leute zum Abendessen!“, sagt Hammel.

Das besondere Etikett. Foto: Ulrich van Stipriaan
Das besondere Etikett. Foto: Ulrich van Stipriaan

Und warum heißt der Wein jetzt so wie ein Western im Kino? The Return of the Dorfbub! Nun ja: einerseits ist Christof Hammel großer Kino-Fan – da hat man schon mal solche Assoziationen. Und auf dem Etikett sieht man das knapp 200 Jahre alte Bild „Rückkehr des Bauern“ von Ferdinand Waldmüller, einem österreichischen Biedermeier-Maler. Bissl kitschig, aber als Alterspräsident darf man das – oder?


Den Wein gibt’s ab 1. Dezember, Preis ca. 16 Euro/Liter. Infos unter www.weinhammel.de.

Unser Autor Ulrich van Stipriaan ist bekennender Genussmensch. Seine profunde Weinkenntnis ist im Podcast „Auf ein Glas!“ zu hören. Ebenfalls unter stipvisiten.de finden sich online Reiseberichte, Restaurantkritiken sowie Beiträge über Wein und Winzer.Wenn Sie mehr Weinbesprechungen von Ulrich van Stipriaan lesen möchten - einfach Hier klicken. 









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