Mit den Orangenbäumen im Zwinger lebt eine Tradition auf, die einst August der Starke begründete. Foto: Schlösserland Sachsen/Sebastian Rose
Nach fünf Jahren Wartezeit ist es soweit: Die Orangenbäumchen ziehen Anfang Juni (bis Oktober) nach der langen sanierungsbedingten Pause vom Barockgarten Großsedlitz wieder in den Dresdner Zwingerhof ein.
Nach und nach werden insgesamt 52 Pomeranzen ihr Interims- und Winterquartier verlassen. Bis dato werden sie in der Orangerie des Barockgartens Großsedlitz gepflegt. Für diesen Job, dem sich Karsten Otto mit Leib und Seele verschrieben hat, gibt es sogar einen wohlklingende Berufsbezeichnung: Orangeur titelt der Beruf, der sich um die Orangenbäume kümmert.
Orangenbäume wir zu Augusts Zeiten
Im Zwingerhof umrahmen sie, eingetopft in große attraktive Kübel, Grünflächen und Brunnen - fast wie zu Zeiten August des Starken (1670-1733). Anno 1710 waren es mehrere Hundert "Pomeranzen", die sich August aus Italien anliefern ließ. Der Zwinger war schließlich ursprünglich als Orangerie und Festplatz konzipiert worden. 1719 wurde der Zwinger eingeweiht - zur Hochzeit des Kurprinzen Friedrich August mit der Kaisertochter Maria Josepha. Einst standen dort 1.700 Pomeranzen.
Der Kurfürst besaß insgesamt über 4.000 Bäume von über 30 verschiedenen Sorten. Allein 1.159 Zitrusbäume standen im "Herzogin Garten", viele in Großsedlitz und sogar den Warschauer Königssitz zierten Orangenbäume. Der Grund: Orangenbäume waren nicht nur wegen des Duftes und der Exotik begehrt. Sie waren vor allem ein Statussymbol. Wer diese Bäume im 18. Jahrhundert besaß, hatte Macht. Denn die Kultivierung dieser Pflanzen nördlich der Alpen war überaus teuer. Die erste Skizze seiner Orangerie soll August der Starke angeblich selbst angefertigt haben. Er träumte von einer vierstufigen Terrassenanlage.
Anno 1880 verschwanden die Pomeranzen aus dem Zwinger, die Dresdner Bürgerschaft soll nicht besonders rücksichtsvoll mit ihnen umgegangen sein. Gut 130 Jahre später lebt die Tradition neu auf: 2013 wurden - ebenfalls in Italien, in Ardea (südlich von Rom) - neue Bitterorangenbäume für den Zwinger gekauft . Wegen der Baumaßnahmen im Zwinger wurde das Winterquartier in Großsedlitz zum vorübergehenden Zweitwohnsitz der Bäumchen. Mittlerweile messen die Bäume eine stattliche Höhe von rund 3,50 Metern und tragen natürlich auch Früchte.
Marmelade aus den Früchten der Zwinger-Orangen
Schon seit 2007 verarbeitet René Manzke in seiner Blasewitzer Weinhandlung die Bitterorangen aus der Orangerie in Großsedlitz zu köstlichen Marmeladen. Die Früchte werden bereits im März geerntet, manche reifen noch ein bisschen nach - doch dann landen sie im Kochtopf. In diesem Jahr kommen erstmals die Früchte von den Zwingerbäumen hinzu, rund 50 Kilo wurden geerntet. In den Jahren zuvor waren die Erträge zu gering. Manzke verwendet die kompletten Früchte. Sie werden entkernt, in hauchdünne Streifen geschnitten, mit Weißwein und Zucker aufgekocht und in 240-Gramm-Gläser gefüllt. Der Zwinger-Pomeranzen-Aufstrich ist bereits im Glas und kommt im Museumsshop des Zwingers in den Verkauf. 6,70 Euro kostet das Pomeranzen-Gold.
Die zweite Ernte steht bevor - nach den "12. Zitrustagen" (lesen Sie mehr in unseren Ausflugstipps) an diesem Wochenende in Großsedlitz werden auch dort die Bitterorangen gepflückt. Dann rührt Matzke ein zweites Mal im großen Marmeladentopf, kocht weitere 50 Kilo Früchte.
Paten für die Zwinger-Orangen
Mit einer fünfrjährigen Patenschaft für einen Zwinger-Orangenbaum kann man Pflege und Erhalt der Bäume wie auch die Wiederlebbung barocker Festkultur unterstützen. Nachdem 2018 alle Patenschaften für Orangenbäume vergeben waren, können nun neue Patenschaften abgeschlossen werden. Eine Patenschaft wird für die Dauer von fünf Jahren abgeschlossen und beinhaltet eine jährliche Spende von 550 Euro (insgesamt 2750 Euro) ,Davon werden die Pflege der Orangenbäume und die Stelle eine Gärtners finanziert. Sie erhalten für Ihre Orangenbaumspende eine Spendenbescheinigung, die Sie steuerlich geltend machen können. Infos zur Patenschaft finden Sie HIER.
Orangen-Rezept vom Freundeskreis Schlösserland
Avocado-Orangencreme zum Dippen
Zutaten:
- 2 reife Avocados
- 2 Bio-Limetten
- 2 EL Orangenmarmelade
- 200 g Frischkäse mit Joghurt
- 30 g Puderzucker
Zubereitung: Die Avocados halbieren, den Stein entfernen, das Fruchtfleisch mit einem Löffel aus den Hälften lösen. Die Limetten heiß waschen und abtrocknen, 1 TL Schale abreiben, den Saft auspressen. Das Avocadofleisch mit Limettensaft und -schale und Orangenmarmelade im Mixer fein pürieren. Den Frischkäse mit Puderzucker verrühren und die Avocadocreme unterrühren. Die Creme in eine Schüssel füllen und zugedeckt bis zum Büfettaufbau kalt stellen. Noch mehr Rezepte finden Sie auf der Internetseite des Freundeskreises Schlösserland.