Winzer Leon Gold probiert von seinem alkoholfreien Lunar Herbs. Foto: PR
Unser Gastautor Ulrich van Stipriaan empfiehlt - nicht nur im "Dry January" alkoholfreien Genuss.
Von Ulrich van Stipriaan
Monatsnamen eignen sich vorzüglich zu neckischen Spielereien. Christian Morgenstern hatte sich dem Thema sehr zoologisch genähert und (Jaguar, Zebra, Nerz, Mandrill…) schon vor über 100 Jahren aufgeschrieben, „Wie sich das Galgenkind die Monatsnamen merkt“. Der „Dry January“, der 2014 in Großbritannien erfunden wurde und mittlerweile in hippen Kreisen weltweit gepflegt wird, läuft ja gerade (dann kommt der Dry July und bis zum Sober October ist noch ein bissl hin…) – und ich mache da nicht mit, weil ich keine Hypes mag.
Wenig(er) Alkohol trinken heißt ja nicht, sich im Dezember voll zu kippen bis zum Gehtnichtmehr und den ganzen Januar darauf zu fiebern, dass bald Februar ist („Morgen darf ich wieder!“). Insofern sind gute Alternativen zu gutem Wein jederzeit willkommen! Entalkoholisierte Weine tun sich da meist noch schwer, weil sie mal richtiger Wein waren und dann mit viel Aufwand vom Alkohol befreit wurden – wobei leider auch in den allermeisten Fällen der Geschmack mit flöten geht. Es gibt mittlerweile zwar Methoden der Geschmacksrückführung, aber auch die bringen das Original nicht wie gewünscht in voller Vielfalt zurück.
Leon Gold, Winzer im württembergischen Remstal, hat es besser gemacht – und wird allerorten für seine Lunar Herbs gelobt. 2013 begann er, Wein zu machen – „ohne die Bürde eines elterlichen Weinguts im Rücken bin ich keinen Konventionen verpflichtet, sondern genieße die größtmögliche Freiheit, die man sich als Winzer wünschen kann“, sagt er. Seine normalen Weine baut er daher möglichst naturnah an, er arbeitet von Anfang an biologisch und seit 2016 biologisch-dynamisch in Weinberg und Keller.

Der Betrieb ist Demeter-zertifiziert, und das schlägt sich natürlich auch auf die Lunar Herbs durch. Ich hatte sie erstmals beim Gänseessen im Radebeuler "Wein & fein" von Matthias Gräfe probiert. Da gab’s nämlich zu jedem Gang sowohl eine Weinempfehlung als auch eine alkoholfreie Begleitung – beides wohl bedacht und passend gewählt. So kam ein Traubensecco (sowas wie Prosecco, allerdings mit Traubensaft und nicht mit vergorenen Trauben…) mir zuerst etwas seltsam vor – aber warum nicht statt eines badischen Chardonnays etwas Prickelndes zwischendurch? Die werden sich schon was dabei gedacht haben!
Hatten sie! Denn Lunar Herbs zeichnet sich durch ein komplexes Aromaprofil aus, das fruchtige Zitrusnoten mit dezenten Kräuter- und Pflanzenaromen kombiniert. Und das ist kein Zufall: Winzer Gold hat für diesen Traubensecco auf zwei Rebsorten zurück gegriffen, Muskateller und Müller-Thurgau. Die alleine machen’s aber nicht, erst der Griff in die Trickkiste bzw. in den Obst- und Kräutergarten (alles vor Ort!) gibt die perfekte Balance aus Süße und Säure einerseits und die herb-krautige Aromatik andererseits. Für letztere sorgen Auszüge von Rosmarin, Lavendel und Holunder (alles bio-Qualität), für die Säure dürfte die Bio-Zitrone zuständig sein. Insgesamt war das leider so gut, dass nach dem Essen eine Flasche mit nach Hause genommen werden musste: denn wer nicht auf den Dry January schwört, darf sich ja auch im Dezember schon was Alkoholfreies gönnen. Hauptsache, es schmeckt!
Lunar Herbs Traubensecco alkoholfrei. Erhältlich im Weingut Leon Gold (https://www.weingut-gold.de/) für 9,80 €
