Die Auswahl ist groß, in der Buchhandlung "LeseZeichen" gibt eine Fotoausstellung tolle Buch-Tipps. Foto: Tobias Koch
Das Angebot in Buchhandlungen ist überbordend. Tausende Titel werden zum Verkauf angeboten. Und nach der Leipziger Buchmesse kommen wieder neue Bücher hinzu. Doch welches Buch schafft es in den Einkaufskorb? Die meisten Leser greifen zu Empfehlungen von Freunden und Bekannten, orientieren sich an Buchkritiken in Zeitungen und Radio. Das sind unsere Buch-Empfehlungen.
Am Anfang gleich eine Doppelempfehlung: In der Dresdner Buchhandlung "LeseZeichen" auf der Prießnitzstraße können Sie bis Oktober Bücher sehen und lesen. Denn die Ausstellung "Lesen" der Dresdner Fotografin Anja Schneider zeigt bis in den Sommer hinein sensible Schwarz-Weiß-Porträts von Menschen und ihrem Lieblingsbuch. Alle Porträtierten verraten nicht nur, welches Buch sie besonders beeindruckt oder beeinflusst hat, sondern erzählen auch eine Geschichte dazu. Kurz: In dieser Ausstellung bekommen Sie mit einem Schlag knapp 30 Buchempfehlungen.

Hier eine kleine Kostprobe:
Schauspielerin und Kinderbuch-Autorin Frauke Angel hat sich mit dem 2018 erschienenen Roman "Was das Leben kostet" von Deborah Levy fotografieren lassen. Als Kind ist Deborah Levy mit ihren Eltern aus Südafrika geflüchtet, mit Anfang 50 flüchtet sie aus der Ehe und steht wieder . vor einem Neuanfang und dem Aufbau nicht nur einer Ordnung, sondern auch des eigenen Ichs. Ein harter und steiniger, aber interessanter Weg, dem man als Leser gerne folgt. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2019. Gebunden, 160 Seiten, 20 Euro.
Poetry-Slamerin Kaddi Cutz hat sich für "Mariannengraben" von Jasmin Schreiber entschieden. Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles auf der Welt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder Lebenswillen in ihr. Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise, die sie beide zu sich selbst zurückbringt - auf die eine oder andere Weise. Eichborn Verlag, Köln 2020. Gebunden, 256 Seiten, 20 Euro.
Übrigens: Die Fotografin Anja Schneider liest gern Florian Illies. Vor allem die beiden letzten Romane würde sie empfehlen: "Zauber der Stille" (S. Fischer, 2023. Gebunden, 236 Seiten, 25 Euro) über den Maler Caspar David Friedrich und "Wenn die Sonne untergeht" (S.Fischer, 2025. Gebunden, 336 Seiten, 26 Euro) über den Sommer 1933, in dem die Familie von Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann ins Exil geht.
Tipp: Nach der Ausstellung in der Buchhandlung "LeseZeichen" zieht das Fotoprojekt in die Zentralbibliothek um. Dann werden 50 Menschen mit ihren Lieblingsbüchern zu sehen sein.
Die Nominierten für den Buchpreis der Leipziger Buchmesse
Fünf Autoren wurden für den Buchpreis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik nominiert. Aus insgesamt 485 Einreichungen von 177 Verlagen wählte die siebenköpfige Jury 15 Titel in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung aus. Das sind die Nominierten im Bereich Belletristik:
Helene Bukowski: „Wer möchte nicht im Leben bleiben“: 1985 nimmt sich eine junge Pianistin in Neubrandenburg das Leben. Jahrzehnte später stößt die Schriftstellerin Helene Bukowski auf ihre Geschichte. Behutsam nähert sie sich Christina, sucht in ihrer Biografie nach Rissen und Erschütterungen, aber auch nach Augenblicken großen Glücks. Sie lernt einen Vater kennen, der in der Tochter seine eigenen Träume verwirklichen will, eine Mutter, die es liebt, zu fotografieren, und ein Klavier, das unverrückbar in der Wohnung steht. Bukowski folgt Christina nach Berlin, an die Spezialschule für Musik, mit ihren kalten Übungsräumen und dem täglichen Drill. Später nach Moskau, zum Studium am Konservatorium, durch sturzbachartigen Regen und Nächte voller Schnee. Und sie findet eine Krankheit, für die es erst heute eine Diagnose gibt. Claassen, 2026. Hardcover, 384 Seiten, 24 Euro.
Norbert Gstrein: „Im ersten Licht“: Adrians Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg, rettet ihn so vielleicht. Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, ist das Wunder dieses Erzählens. Adrian sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes, der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben. Wie leben im Schatten der Kriege und des Tötens? Mit einem furchtlosen Blick in die Vergangenheit stellt sich »Im ersten Licht« dieser großen Frage der Gegenwart. Hanser, 2026. Hardcover, 416 Seiten, 27 Euro.
Anja Kampmann: „Die Wut ist ein heller Stern“: Hedda hat sich ihren Traum erkämpft: Artistin im »Alkazar« auf der Reeperbahn. Doch nichts zählt mehr, als in den dreißiger Jahren die neuen Uniformen wie selbstverständlich im Publikum auftauchen. Die Freiräume werden enger und auch für die Mädchen im Varieté wird es gefährlich. Wem kann Hedda noch trauen? Ihr Bruder Jaan heuert als Harpunenschmied auf einem Walfänger an, für eine Fahrt in die Antarktis. Und auch Hedda sucht für sich und ihren kleinen Bruder Pauli nach Auswegen. Hanser, 2025. Hardcover, 496 Seiten, 28 Euro.
Katerina Poladjan: „Goldstrand“: An der bulgarischen Schwarzmeerküste entsteht in den 1950er Jahren ein Ferienort: Goldstrand, geplant als Platz an der Sonne für alle. Auf der Baustelle wird Eli gezeugt. Sechzig Jahre später hat er seine größten Erfolge als Filmregisseur längst gefeiert und liegt auf der Couch seiner Dottoressa in Rom. Er mutmaßt und fabuliert seine Familiengeschichte, die durch ein ganzes Jahrhundert und quer über den europäischen Kontinent führt, von Odessa über Konstantinopel und Warna in Bulgarien bis nach Rom. S. Fischer, 2025. Gebundene Ausgabe, 160 Seiten, 22 Euro. )
Elli Unruh: „Fische im Trüben“: Elli Unruh erzählt die Geschichte einer deutsch-mennonitischen Familie, die bis Ende der achtziger Jahre in der Sowjetunion, im südlichen Kasachstan, lebte. Sie taucht ein in die Zeit ihrer Vorfahren, Großeltern und Eltern. Einprägsam und lebendig schildert sie das Leben von Menschen, die durch den Lauf der Geschichte und ständig wechselnde Lebensumstände und -orte nicht mehr aus noch ein wissen, aber in Traditionen, Religion und eigener Sprache Halt finden. Faszinierend lernt man eine ganz und gar fremde Welt kennen, fremde Lebensweisen, fremd auch, was das sowjetische System im Alltag betrifft mit der allgegenwärtigen Miliz und den »Bevollmächtigten«. Transit, 2025. Gebunden, 200 Seiten, 24 Euro.
Alle Nominierten und Preisträger finden Sie online unter www.preis-der-leipziger-buchmesse.de.
Einen weiteren Buchtipp können Sie auch HIER nachlesen.