Winzer Andreas Kretschko (l.) und Künstler César Olhagaray präsentieren zum Weinfest den limitierten Kerner. Foto: André WirsigWinzer
Für das Radebeuler Weinfest und Internationale Wandertheaterfest hat Winzer Andreas Kretschko einen Kerner ausgebaut. Eine Empfehlung unseres Gastautors Ulrich van Stipriaan.
Von Ulrich van Stipriaan
Wenn am kommenden Wochenende Altkötzschenbroda zu Weinfest bittet, gibt es neben den zahlreichen vor Ort präsenten Winzern auch einen ganz speziellen Wein: bereits zum 20. Mal gibt der Förderverein Internationales Wandertheater ein Weinsonderedition heraus – 350 Flaschen nur, alle für einen Haupt- und einen Nebenzweck. Der Hauptzweck: das Internationale Wandertheaterfestival finanziell zu unterstützen.
Kerner, der schmeckt, für den guten Zweck
Nebenzweck für die Käuferinnen und Käufer: das ist (wie in den Vorjahren auch…) eine tolle Flasche Wein aus Sachsen, die schmeckt! In diesem Jahr ist es ein Kerner geworden, den Andreas Kretschko ausgebaut hat. Das Etikett hat in diesem Jahr César Olhagaray beigesteuert – er hat sich phantasievoll (wie immer bei ihm, muss man sagen) mit dem Festivalmotto „L’amore“ auseinandergesetzt. Kennern (in der Tat meist nur den männlichen) der sächsischen Weinszene fällt bei der Gelegenheit natürlich (!) ein nicht ganz stubenreiner Spruch ein, der mit „Hast Du Kerner in der Blutbahn…“ beginnt und, damit es sich reimt, auf „Truthahn“ endet – obwohl die dem Tier im Spruch zugewiesene Tätigkeit aus dem Erlebnisbereich „L’amore“ den Stadtmenschen meist nicht wirklich näher bekannt sind. Wer ist schon Truthahnkenner?
Kleine Geschichte des Kerner
Mir ist eh egal, was Truthähne privat so treiben – ich konzentriere mich also auf den Kerner. Der ist vor knapp hundert Jahren gezüchtet worden, und weil das in der Außenstelle Lauffen am Neckar der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg passierte, brachte der Rebzüchter August Herold die beiden beliebtesten Rebsorten Württembergs zusammen: Trollinger (damals die rote Leitsorte im Ländle) und Riesling (heute die Weißweinsorte mit der größten Verbreitung daselbst – alte Zahlen habe ich da nicht). Das Ergebnis aus Rot und Weiß war ein Weißwein, der vom Riesling die knackige Säure und vom Trollinger den Trinkfluss mitgebracht hat.
Im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts war Kerner überaus beliebt, mit 7.800 Hektar erreichte er 1992 den Höhepunkt seiner Popularität. Seitdem zeigt sich im Anbau eine stark rückläufige Tendenz, wir sind jetzt bundesweit unter 2.000 ha – 23,4 ha sind es in Sachsen, 2025 mit überdurchschnittlich gutem Ertrag. Kretschko baut seinen Kerner sehr knackig-kernig aus, was seinen Kerner von denen einiger Winzerkollegen unterscheidet. „Mein Kerner ist nicht barock, hat keine runden Hüpften!“, sagte mir Andreas Kretschko es mal bei einer Probe in seinem Weinkeller. Mir gefällt die straffe, mineralische Art – zumal als Essensbegleitung!

Die Sonderedition Kerner
Die Sonderedition ist auf 350 Flaschen limitiert, eine Flache kostet 20 Euro. Es gibt Kretschkos kernigen Kerner am Stand des Fördervereins während des Radebeuler Herbst- und Weinfest, das ja erst durch die Kombination mit dem Internationalen Wandertheaterfestival bundesweit so einmalig ist. Denn nur trinken kann ja jede*r – aber dabei noch was für die Kunst und die eigene kulturelle Weiterbildung tun: das geht nur in Altkötzschenbroda.
Infos zum Weinfest: https://www.radebeul.de/weinfest/
Infos zum Winzer: https://www.kretschko-weine-shop.de/
Infos zum Förderverein: https://www.wandertheaterfestival.org/
Unser Gastautor
Unser Autor Ulrich van Stipriaan ist bekennender Genussmensch. Seine profunde Weinkenntnis ist im Podcast „Auf ein Glas!“ zu hören. Ebenfalls unter stipvisiten.de finden sich Reiseberichte, Restaurantkritiken sowie Beiträge über Wein und Winzer. Mehr Empfehlungen von unserem Gastautor können Sie auch HIER nachlesen.