Keine Zauberei im Muggardt – oder doch?

Die Weine von Winzer Armin Imgraben wird es bei der Weinmesse "Baden-Württemberg Classics" zur Verkostung geben. Foto: Ulrich van Stipriaan

Die Weine von Winzer Armin Imgraben wird es bei der Weinmesse "Baden-Württemberg Classics" zur Verkostung geben. Foto: Ulrich van Stipriaan

Unser Gastautor Ulrich van Stipriaan ließ sich einen Muggardt Spätburgunder schmecken - zu einer Geschichte, die sich hören lassen kann.

Von Ulrich van Stipriaan

Als ich neulich bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der kommenden BW Classics (18. und 19. April) Armin Imgraben von der Winzergenossenschaft Britzingen traf, hatte er natürlich Sekt dabei (die Britzinger sind da sehr gut, sie sind sogar im Verband traditioneller Sektmacher – als einzige Genossenschaft unter lauter Individuen). Aber da Imgraben nicht nur Vorstandsvorsitzender der WG ist, sondern auch Winzer, hatte er etwas ganz Besonderes mitgebracht: eine Flasche Muggardt Spätburgunder. Und die (bzw. deren Inhalt…) hat nicht nur geschmeckt, sondern auch eine tolle Geschichte.

Muggardt – das klingt zwar fast, als ob es gut zu Hogwarts passen würde. Es liegt aber nicht in den schottischen Highlands und ist auch keine Zauberschule, sondern ein Dorf mit Weinberg im Markgräfler Land. Das Dorf ist klein (35 Häuser nur), der Berg dazu zwar „die beste Lage unserer Genossenschaft“ (Armin Imgraben), wenn es um die Lage und den Boden geht – aber schwer zu bewirtschaften. Der Hügel in der Britzinger Sonnhole ist ein Relikt der Absenkung der oberrheinischen Tiefebene; sein markant mineralischer Untergrund hat ihn gewissermaßen stehen lassen, während sich das Umland veränderte. Diese Besonderheit ist es, die den Standort definiert – weniger die Steilheit als vielmehr die Struktur des Bodens.

Der Muggardt war wahrscheinlich auch deswegen immer schon mit Reben bestockt. Er ist nicht sonderlich steil, aber sehr unförmig. „Die Fläche ist zum größten Teil brachgelegen! Die Winzer haben sie nicht mehr bewirtschaftet, weil es praktisch 100 Prozent Handarbeit war!“, weiß Imgraben. Aber die beste Lage brach liegen lassen? Dann war dann plötzlich die Idee... 

Die Genossenschaft sprach mit den Eigentümern, und sie waren entweder bereit, an die Genossenschaft zu verkaufen oder mitzumachen bei der Idee: Im Weißwein-geprägten Markgräflerland machen wir hier einen reinen Rotweinberg! Spätburgunder, natürlich. Also wurde der Muggardt gerodet, terrassiert und neu bepflanzt. 2003 war das. Erklärtes Ziel: auf diesen drei Hektar einen Rotwein der Spitzenklasse zu machen! 

Die Maßstäbe waren von Beginn an hoch. Extrem reduzierte Erträge – etwa 30 Liter pro Ar – sind ebenso Teil des Konzepts wie eine einheitliche Bewirtschaftung durch vier Genossenschaftsmitglieder nach klar definierten Kriterien. Imgraben selbst ist einer der vier Winzer und war von Anfang an involviert, nicht nur organisatorisch, sondern auch ganz praktisch bei der Anlage der Terrassen. Die mittlerweile zwanzig Jahre alten Reben wurzeln tief in die mineralischen Schichten vor und geben dem Wein seine charakteristische Prägung,

Der Jahrgang 2021 präsentiert sich als kraftvoller, im Barrique ausgebauter Spätburgunder mit komplexem Bouquet von roten Früchten, Gewürzen und einer zarten Rauchnote. Bei der Pressekonferenz hatten wir ihn zu einem Boef Bourgignon, aber zum nachösterlichen Lamm passt der sicher auch…

 Das leckere Boef Bourgignon in "Gräfes Wein & fein". Foto: Ulrich van Stipriaan
Das leckere Boef Bourgignon in "Gräfes Wein & fein". Foto: Ulrich van Stipriaan

Der Wein kostet im Weingut 32 € – mehr, als man bei einer Winzergenossenschaft erwartet. Aber er ist den Preis wert – „und wir haben logischerweise auch einfachere Weine“, sagt Imgraben, nimmt einen Schluck und sinniert: „ Also gute Weine wollen wir immer machen. Aber wir können eben auch, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, richtig saugute Weine machen…“

leben50-Tipp

Die Winzergenossenschaft Britzingen nimmt an der Weinmesse „Baden-Württemberg Classics“ am 18. und 19. April teil. Insgesamt laden rund 40 Winzer aus Baden und Württemberg ein, ihre mitgebrachten 600 Weine zu verkosten. Tickets für die Weinmesse gibt es für 20 Euro im Vorverkauf bei Eventim sowie an der Tageskasse. Die Verkostung der Weine ist inklusive. Wer mit Bus oder Bahn kommt und seinen Fahrausweis vorlegt, zahlt nur 10 Euro.

Ort: MARITIM Internationales Congress Center, Devrientstraße 10-12/Ostra-Ufer 2, 01067 Dresden Zeit: 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 20 €/10 €

Unser Autor Ulrich van Stipriaan ist bekennender Genussmensch. Seine profunde Weinkenntnis ist im Podcast „Auf ein Glas!“ zu hören. Ebenfalls unter stipvisiten.de finden sich Reiseberichte, Restaurantkritiken sowie Beiträge über Wein und Winzer. Weitere Weinempfehlungen können Sie auch hier nachlesen.

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