Die Bäcker des Schutzverbandes und Stollenmädchen Johanna eröffnen mit dem Stollenanschnitt die köstliche Saison. Foto: Schutzverband Dresdner Stollen e.V./Michael Schmidt
Dresdner Stollen - Fakten und Geschichten rund um das köstliche Original.
Längst zieren Dresdner Christstollen die Regale und Auslagen von Bäckereien und Supermärkten. Sie gehören zu den kulinarischen Köstlichkeiten, auf die kein Stollenfan in der Advents- und Weihnachtszeit verzichten möchte. Jeder schört dabei auf die Backkunst "seines Bäckers". Und kann darauf vertrauen: Wo Dresdner Stollen draufsteht, ist auch Dresdner Stollen drin. Das garantiert der Schutzverband Dresdner Stollen mit seinen rund 100 Mitgliedern. In dieser Saison werden sie unter dem Motto "Ho, Ho, Hochgenuss – Welcome at Santa’s Home“ für das Weihnachtsgebäck, das sich natürlich nicht nur beim Weihnachtsmann großer Beliebtheit erfreut.
Der Dresdner Stollen
Für die Qualität des Dresdner Stollen bürgt das Goldene Stollensiegel des Schutzverbandes. Es garantiert die Verwendung von ausgewählten, hochwertigen Zutaten. Dazu gehören: Rosinen oder Sultaninen, Butter und Butterschmalz, Zitronat und Orangeat, süße und bittere Mandeln. Für den Teig braucht es zudem Mehl, Milch und Hefe sowie Zucker, Zitronenschalen und natürlich das geheime Stollengewürz, das von Stollenbackstube zu Stollenbackstube variieren kann. Salz muss, Rum darf in den Stollen. Puderzucker verleiht dem Dresdner Stollen sein typisches weißes Antlitz. Die Satzung des Schutzverbandes schreibt die Ingredienzien mit Mindestmengenangaben vor. Und klärt vor allem, was nicht in den Dresdner Stollen kommt: Strikt verboten ist die Zugabe von Margarine, künstlich hergestellten Aromen und direkt zugegebenen Zusatzstoffen. Mehr infos dazu auch unter www.dresdnerstollen.com.
Das Stollenfest
In diesem Jahr wird am 6. Dezember (ab 10 Uhr) das 30. Dresdner Stollenfest mit einem Festumzug durch die Dresdner Altstadt gefeiert. Es wurde 1994 nach historischem Vorbild aus der Taufe gehoben und konnte nur 2020 und 2021 nicht stattfinden. In den vergangenen 30 Jahren ließen sich 1,8 Millionen Besucher (!) den Festumzug nicht entgegen. Rund 15 000 Umzugsteilnehmer bewältigten in diesem Zeitraum knapp 100 Kilometer Fußmarsch.
In Begleitung des Dresdner Stollenmädchens führt der etwa einstündige Festumzug mit mehr als 20 Bildern und 500 Teilnehmern vorbei am Residenzschloss entlang des Fürstenzuges hin zur Frauenkirche. Der Umzug startet und endet vor dem Kulturpalast - mit Blick auf den berühmten Striezelmarkt.
Nach der Ankunft des Festumzuges gegen 12 Uhr erfolgt der Anschnitt des Riesenstollens durch das amtierende Dresdner Stollenmädchen mit dem zwölf Kilogramm schweren und 1,60 Meter langen Riesenstollenmesser. Es wurde Anfang der 1990er Jahre nach historischem Vorbild hergestellt.
Der Riesenstollen
Der Stollengigant wird eine Woche vor dem Event nach einem besonderen Bauprinzip aus vielen Hundert Stollenplatten zusammengesetzt. Die Platten werden bei einem gemeinsamen Backtag der Dresdner Stollenbäcker hergestellt. Würde man die rund 8700 Platten aller gebackenen Riesenstollen auf eine Waage legen, würde diese 91 918 Kilo anzeigen.
Für zehn Euro je ca. 500 Gramm Riesenstollen können Besucher ein Stück Striezelglück erwerben und auch noch Gutes tun. Der Erlös kommt sozialen Projekten in der Region zugute.
Das historische Vorbild
Die historische Vorlage für Das Stollenfest lieferte das "Zeithainer Lustlager" anno 1730. Nach dem Ende des Großen Nordischen Kriegel wollte August der Starke - Kurfürst von Sachsen und König von Polen - die Stärke seiner Streitmacht demonstrieren. Er lud deshalb Adelige und Militärs aus ganz Europa ein. Sie wohnten nicht nur einer imposanten Herrschau bei, sondern wurden auch Zeugen einer rekordverdächtigen Aktion. August der Starke ließ einen Riesenstollen backen. Er beauftrage mit dieser Aufgabe den Hofbäckermeister Johann Andreas Zacharias. Um den Wunsch August des Starken umzusetzen, holte sich Zacharias 60 Bäckerknechte zu Hilfe. Für die Portionierung des Stollens wurde ein spezielles, 1,60 Meter langes Messer geschmiedet. Damit wurde das rund 1800 Kilo schwere Backwerk in ungefähr 24 000 Portionen geteilt.
Das Dresdner Stollenmädchen
Lange vor dem Stollenfest wird alljährlich ein Stollenmädchen gekürt. In dieser Saison hat Johanna Worm, angehenden Konditorin im zweiten Lehrjahr in der Ottendorfer Mühlenbäckerei, das süße Amt inne. Weil die Dresdner natürlich wissen, wie gut ihr Stollen schmeckt, wirkt das Stollenmädchen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Erst vor Kurzen hat Johanna auf einem Tourismuskongress in London den Dresdner Stollen schmackhaft gemacht. "Aber ich freue mich natürlich auch auf die vielen Begegnungen mit den Menschen hierzulande. Ich werde bei zahlreichen großen und kleineren Veranstaltungen der Dresdner Stollenbäcker dabei sein, um unser Traditionshandwerk vorzustellen und zu repräsentieren", verspricht Johanna.
Schaubackstube und Weihnachtsbäckerei
Wer den Geheimnissen des Dresdner Stollens auf den Grund gehen will, ist in der Schaubackstube und der Weihnachtsbäckerei auf dem 591. Dresdner Striezelmarkt genau richtig. In gleich zwei Backstuben kommen an insgesamt 29 Striezelmarkt-Tagen mehr als 40 Meister und Gesellenaus dem Bäcker- und Konditorenhandwerk zum Einsatz.
Neben der Weihnachtsbäckerei zeigen die Dresdner Stollenbäcker unweit des Schwibbogens in der Schaubackstube des Dresdner Stollenschutzverbandes ihr Können und weihen die Besucher in die Geheimnisse des weltberühmten Dresdner Originals ein, das dem Striezelmarkt seinen Namen gab. Täglich von 10 bis 18 Uhr werden im Holzbackofen Dresdner Stollen gebacken, die natürlich auch probiert werden dürfen. Einmal auf den Geschmack gekommen, können die Besucher an mehreren Ständen des Bäcker- und Konditorenhandwerks Dresdner Christstollen erwerben.
In Sichtweite der Kreuzkirche heißt es während der gesamten Striezelmarktzeit täglich „Auf die Plätzchen, fertig, los!“: Kleine Striezelfans werden unter Anleitung der erfahrenen Dresdner Bäckermeiste selbst zu echten Plätzchenmeistern ausgebildet und erhalten nach dem ca. 20-minütigen Backerlebnis nicht nur eine echte Plätzchenhelden-Urkunde. Die süßen Kunstwerke (ca. 400 Gramm) können gleich aufgenascht oder in einer schicken Verpackung für die Mamas, Omas und Opas als Geschenk mit nach Hause genommen werden. Das besondere Erlebnis für Kinder gibt es für fünf Euro.