Unterschreiben die Schenkung (v.l.): Maraike Wittbrodt, Lilly Böhm, SLUB-Generaldirektorin Katrin Stump. Foto: SLUB Dresden
Erinnern Sie sich noch an die wunderbaren Rezepte und Geschichten von Autorin Ursula Winnington? Sie brachte mit ihren Publikationen Farbe und Würze in den oft grauen DDR-Alltag. Der Nachlass der 2025 verstorbenen Berliner Journalistin gehört nun zum Archiv der Kulinarik in der Dresdner SLUB.
Sie holte die (kulinarische) Welt in die DDR: Kochbuch-Autorin Ursula Winnington). Aus Anlass ihres ersten Todestages übergaben ihre Tochter Maraike Wittbrodt und Enkelin Lilly Böhm in der SLUB (Sächsische Landesbibliothek - Staats-und Universitätsbibliothek Dresden) den Nachlass der leidenschaftlichen Köchin an das Deutsche Archiv der Kulinarik - als Schenkung. Damit reiht sich Winnigton in prominenter Nachbarschaft zu DDR-TV-Koch Kurt Drummer, Sternekoch Hans Haas und Eckart Witzigmann oder auch Gastro-Kritiker Wolfram Siebeck in das Archiv ein.
Das 2022 gegründet "Archiv der Kulinarik" umfasst bereits rund 50 000 Kochbücher, 45 000 Menü- und Speisekarten und 400 Kochhandschriften. Nun wurde es um die über 150 Werke umfassende Kochbuch- und Arbeitsbibliothek von Ursula Winnington bereichtert.

Ursula Winnington , die im November 2025 im Alter von 96 Jahren verstarb, war eine der bekanntesten Publizistinnen und Kochbuchautorin der DDR. Ihre Rezepte und kulinarische Geschichten wurden in den DDR-Illustrierten (seit 1964) "Magazin", "Für Dich", "Sibylle" und "Der gute Rat" veröffentlicht. "Wir freuen uns, dass der Nachlass in guten Händen ist. Wir könnten uns keinen besseren Ort vorstellen", sagt Tochter Maraike Wittbrodt.

Die Schenkung beinhaltet auch das handschriftliche Kochbuch von Ursula Winningtons Großmutter Olga. "Es stammt aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts und beinhaltet auch das Originalrezept für Mecklenburger Pfeffernüsse, die bis heute in unserer Familie im Advent gebacken werden", verrät Tochter Maraike. "Meine Mutter sah ihrer Mutter oft beim Kochen zu, aber ihre Mutter ließ sie nicht an den Herd. Mitkochen durfte sie erst bei ihrer Tante." Über die Redaktion der Akademie der Wissenschaften kam Winnington mit Anfang 30 zum Schreiben. Dann suchte das legendäre "Magazin" jemanden, der unterhaltsam über die Landwirtschaft berichten konnte. Winnington fand solchen Gefallen an Geschichten über Apfelsorten und Broiler, dass sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagte.
Es wurde eine Erfolgsgeschichte, gespickt mit kuriosen Anfragen. Winningtons Korrespondenz blick zum Glück erhalten. Im Rahmen der Konsumgüterproduktion erbaten u.a. die VEB Eisen- und Hüttenwerke Thale noch im August 1989 Ratschläge für ein Fondue-Set mit Chinapfanne. Der VEB Exzellent Dresden fragte 1983 Rezepte für tafelfertige Suppen in Dosen an.

Ursula Winnington war für ihre Liebe zur internationalen Küche bekannt. In der Serie "Viele Männer kochen gern" besuchte sie seit 1970 ausländische Korrespondenten in deren DDR-Küchen. Doch Kochen mit eingeschränkter Zutatenliste war eine Herausforderung. Da es weder Parmesan noch Sojasoße in der DDR gab, würzte sie ihre Rezepte mit heimischen Zutaten - und vielen Geschichten.
Schon Ende der 50er Jahre durfte die Berlinerin eine Delegation nach Indien begleiten - und lernte so die asiatische Küche kennen und lieben. Mit ihrem zweiten Mann, dem in der DDR lebenden britischen Journalisten und Kommunisten Alan Winnington, bereiste sie China und Korea. Durch die Heirat erhielt sie einen britischen Pass. "Aber ihre Heimat war Berlin, sie wollte nie woanders leben. Sicher hatte sie in der DDR auch viele Privilegien", weiß Tochter Maraike Wittbrodt.
Wenn Sie jetzt auf den Geschmack gekommen sind, können Sie HIER auch mehr über den TV-Koch Kurt Drummer nachlesen. Infos zum Archiv der Kulinarik finden Sie unter www.archivderkulinarik.de.