In Gründerzeiten lieferte das Brauhaus am Waldschlösschen mit Brauereipferden und Bierkutscher das Bier aus. Repro: Privat
Vor 190 Jahren wurde das erste Bier im Dresdner Brauhaus am Waldschlösschen gebraut. Das Jubiläum wird am 15. August gefeiert - mit Jubiläumsbier "Anno 1836", Quiz und kostenfreien Brauereiführungen.
Ein Prosit auf 190 Jahre Braukultur im Waldschlösschen! Am 12. August 1836 gründeten 14 Dresdner Bürger den "Actienverein der Societätsbrauerei zu Dresden". Ihr (wahrscheinlich nicht ganz uneigennütziges) Ziel: Sie wollten eine Großbrauerei aus dem Boden stampfen, die nach bayerischer Art Bier braut. Knapp zwei Jahre später - im März 1838 wurden Brauerei, Lagerhalle und Brauereiausschank eingeweiht. Welches Bier damals aus dem Zapfhahn sprudelt , ist nicht mehr genau nachvollziehbar. "Dazu gibt es keine Unterlagen mehr, aber es wird vermutlich ein dunkles, sehr starkes Bier gewesen sein", vermutet Braumeister Holger Stark.
Die wechselvolle Geschichte der Brauerei
Besser dokumentiert ist die Geschichte des Brauhauses. Kaum eröffnet, wurde der "Actienverein der Societätsbrauerei zu Dresden" umbenannt - in "Waldschlösschen AG". Unter diesem Namen entwickelte sich die Brauerei zu einer der größten Brauereien Sachsens, die sogar Bier nach Paris, Berlin und Brasilien exportierte. 1857 zerstörte ein Brand große Teile der Brauerei, die aber schnell wieder aufgebaut wurde. 1888 wurde das Brauhaus erneut umbenannt - diesmal in "Societätsbrauerei Dresden AG".
Um 1900 wurden rund 100 000 Hektoliter Bier gebraut, in den 1920er-Jahren sorgten knapp 600 Mitarbeiter, 150 Brauereipferde und 30 Zugochsen für süffigen Hopfensaft. Aus der Aktiengesellschaft wurde 1946 ein volkseigener Betrieb, der bis 1990 braute - in Spitzenzeiten waren über 1200 Mitarbeiter in den VEB Dresdner Brauereien beschäftigt, die bis zu 1,39 Millionen Hektoliter Bier brauten. 1990 wurde die Brauerei geschlossen. Doch offenbau reizten sowohl Biergeschmack als auch Standort zu einem Neubeginn.
Das Brauhaus am Waldschlösschen
1997 wurde durch die Paulaner Brauerei-Gruppe die Braukultur wiederbelebt. Nicht mehr als Großbetrieb, aber als Gasthausbrauerei. Nach wechselnden Betreibern bewirtschaftet seit November 2024 das Ex-Team der Wenzel Prager Bierstuben unter dem Schirm der MPV Gastro UG das Brauhaus. Braumeister Holger Stark ist ein Mann der ersten Stunde, seit 1997 sind die Braukessel sein Reich, über 30 verschiedene Biere hat er in dieser Zeit komponiert. "Wir brauen heute jährlich zwischen 1000 und 2000 Hektoliter." Allerdings nicht mehr mit dem Wasser aus dem eigenen, bis heute noch existierenden, rund 40 Meter tiefen Brunnen. "Der Aufwand für die Gewähreistung der Wasserqualität wäre zu hoch. Deshalb brauen wir mit Trinkwasser aus Coschütz. Dresden hat ein weiches Trinkwasser mit wenig Kalk", erklärt Stark. Daraus zaubert Stark vier Biere: Zwickel, Dunkel, Original Hell und Hefeweizen, hinzu kommt ein Saisonbier.

Das Jubiläumsbier und der Schalander
In Anspielung auf das Gründungsjahr hat Braumeister Holger Stark 1836 Liter Jubiläumsbier "Anno 1836" gebraut - ein goldgelbes Spezialbier mit knapp fünf Prozent Alkohol. Es wird aus traditionsreichen Hopfen- und Gerstensorten gebraut, überzeugt mit süffigem, harmonischen Geschmack und verbindet eine historische Rezeptur mit einem modernen, sommerlichen Bierstil. Mehr lässt sich Stark allerdings nicht in die Karten gucken. Brauen ist immer auch ein bisschen geheimnisumwittert.
Und deshalb wundert es nicht, dass Stark ein eigenens Refugium hat, zu welchem nur er selbst und ganz, ganz ausgewählte Gäste Zutritt haben. Der sogenannte "Schalander", ein Aufenthaltsraum für den Braumeister. Auf Regalen drängeln sich rund 1000 Bierflaschen aus aller Herren Länder "Die habe ich natürlich nicht alle selbst ausgetrunken, lacht Stark. "Viele Flaschen haben mir Freunde aus dem Urlaub mitgebracht und die haben wir gemeinsam geleert."