Auf ein Glas Wein - aus Tschechien!

Winzer Marek Špalek. Foto: Ulrich van Stipriaan

Winzer Marek Špalek. Foto: Ulrich van Stipriaan

Wer denkt schon an Wein, wenn von Tschechien die Rede ist? Fragt sich unser Gastautor Ulrich van Stipriaan. Sollte man aber hin und wieder tun, denn speziell in Mähren kann man viel entdecken.

Von Ulrich van Stipriaan

Verwunderlich ist das nicht – wer österreichische Weine aus dem Weinviertel zu schätzen weiß, kann sich leicht vorstellen, dass die Natur keine Grenze zu Südmähren zieht. Nur zu Zeiten des Sozialismus waren die Verhältnisse halt nicht so, dass von dort Spitzenqualitäten kamen – damals ging’s um Menge. Doch das ist vorbei. In Nový Šaldorf-Sedlešovice bei Znojmo führt Marek Špalek mit seiner Familie das Vinařství Špalek – ein Bio-Weingut mit einem gehörigen Anteil Biodynamie im Kopf und in der Praxis.

Ich lernte den Winzer in Dresden kennen, wo er im Restaurant Alte Meister ein Menü des tschechischen Chefkochs mit seinen Weinen begleitete. Vorab trafen wir uns zum Podcast, am Abend gab’s dann eine Achterprobe. Mein Liebling da: der Grauburgunder. Nicht nur mein Lieblingswein, sondern auch ein Gewinner: 2024 die Goldmedaille (Grand Or) bei den Sélections Mondiales des Vins in Montreal samt Platzierung unter den Top 50 des Wettbewerbs – für das Weingut der größte Erfolg seit Jahrzehnten.

Rulandské šedé steht auf der Flasche, was an den ursprünglichen Begriff Ruländer (für Grauburgunder) im deutschsprachigen Raum erinnert. Wer dabei an schwere, restsüße Varianten denkt, erlebt hier die Gegenrede aus Mähren: trocken, präzise, aber niemals karg. Trotz seiner 14 Prozent Alkohol wirkt er nicht breit, sondern geschmeidig, fast mit einem elsässischen Touch: Brotkruste, Butter, ein Hauch Honig – dabei kompromisslos trocken, mit nur 0,1 Gramm Restzucker. Natürlich passt sowas gut zum Essen! Bei den Alten Meistern hatte Chef Mira Matus aufgeschäumtes Pilzsüppchen mit wachsig gegartem Wachtelei zubereitet: moderne tschechische Küche, wie man sie sich wünscht.

Špalek Weine kommen alle von der Lage Kraví Hora – auf deutsch: Kuhberg. Die Ried liegt südostexponiert, reicht bis etwa 340 Meter Höhe und verbindet Lehmboden mit Granit-Urgestein darunter. Es ist ein Terroir, das Spannung und Struktur liefert. 1997 hat Familie Špalek dort die ersten eigenen Reben gepflanzt. Heute bewirtschaften sie etwa 12 ha. Zehn Sorten (sieben weiße und drei rote) gehören zum Portfolio. Riesling spielt die Hauptrolle, gefolgt von Grüner Veltliner, Sauvignon Blanc, Grauburgunder (Rulandské šedé) und Gewürztraminer; bei den Roten stehen unter anderem Zweigelt und Spätburgunder. Die Dominanz des Rieslings erklärt Marek Špalek pragmatisch – und überraschend aktuell: In heißen Jahren verlieren Veltliner und Sauvignon schneller an Frische, während Riesling anpassungsfähig bleibt und seine Säure bewahrt. Klimawandel ist hier keine Theorie, sondern Jahrgangserfahrung.

Bio, biodynamische Praxis und Kellerstil

Seit 2015 ist das Weingut bio-zertifiziert, seit einigen Jahren arbeitet es biodynamisch orientiert. Präparate wie 500 Hornmist und 501 Hornkiesel werden dynamisiert und ausgebracht. Marek Špalek beschreibt den Effekt ohne Missionierung: Die Trauben seien spürbar gesünder, schöner, stabiler. Gleichzeitig bleibt er ehrlich genug, die Grenzen des Beweisbaren zu benennen – wenn alles biodynamisch bewirtschaftet wird, fehlt der direkte Vergleich. Was bleibt, ist das Ergebnis im Weinberg und im Glas.

Im Keller setzt Špalek auf eine nüchterne, dienende Technik: Edelstahl für fruchtbetonte Weine, Stockinger-Eichenfässer für die reiferen Partien, darunter große 2.000-Liter-Fässer. Spontangärung dort, wo Holz die Entwicklung begleitet; Reinzuchthefen im Stahl, wo Frucht und Klarheit im Vordergrund stehen. Keine Amphoren, kein Beton – kein modisches Beiwerk, das vom Wesentlichen ablenkt.

Rulandské šedé steht auf der Flasche, was an den ursprünglichen Begriff Ruländer erinnert. Foto: Ulrich van Stipriaan
Rulandské šedé steht auf der Flasche, was an den ursprünglichen Begriff Ruländer erinnert. Foto: Ulrich van Stipriaan

Markt, Preise und ein leiser Erfolg

Die Weine bewegen sich preislich meist zwischen etwa 8 und 20 Euro – „nicht billig, nicht teuer“, wie es im Haus heißt. 94 Prozent bleiben im Inland, nur rund sechs Prozent gehen in den Export, vor allem nach Sachsen. Dort arbeitet Marek Špalek seit Jahren mit einem Partner zusammen; die Weine finden ihren Weg in Restaurants in Dresden, Pirna und der Sächsischen Schweiz. Auch sprachlich baut er Brücken: Er spricht ausgezeichnet Deutsch, nicht zuletzt durch familiäre Wurzeln und gezielten Unterricht.

Der Grauburgunder kostet im Weingut 330 CZK (etwa 13,50 €).

Der Winzer im Netz: www.spalek.bio

Den Podcast kann man HIER  nachhören. Die Restaurantkritik mit dem Winzerabend gibt’s auch bei "Die Sachsen" - unter www.diesachsen.de. Eine weitere Weinempfehlung können Sie auch HIER nachlesen. 


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