"1836" ist der beste trockene Sekt in Deutschland

Der Wackerbarth-Sekt "1836" erinnert an die lange Sekttradition in Sachsen. Foto: Ulrich van Stipriaan

Der Wackerbarth-Sekt "1836" erinnert an die lange Sekttradition in Sachsen. Foto: Ulrich van Stipriaan

Unser Gastautor Ulrich van Stipriaan hat sich auf ein prickelndes Vergnügen eingelassen und den Sekt "1836" vom Staatsweingut Wackerbarth probiert.

Von Ulrich van Stipriaan

1836 steht groß auf dem Etikett der Sektflasche. Das ist ein praktischer Name, denn da vergisst man nie, wann es losging mit den Schaumweinen in Sachsen, nämlich vor 190 Jahren. Damals war, was Schaumweine anbelangt, Aufbruchzeit in deutschen Landen: Im schlesischen Grünberg (heute Zielona Góra) legte Grempler los, im württembergischen Esslingen war es Kessler. Nur wenig später beschlossen drei sächsische Weinbergbesitzer, den „Actienverein zur Fabrikation moussierender Weine“ zu gründen (aus dem dann später die Sektkellerei Bussard wurde, die noch viel später in den 1970ern zu Wackerbarth kam). Was damals alle wollten: Schaumwein produzieren, der dem Vorbild aus der Champagne so nah wie möglich kam!

Also holten sie sich alle Unterstützung von erfahrenen Kellermeistern aus der Champagne – die Radebeuler erhielten offensichtlich großartige Hilfe von Johann Joseph Mouzon aus Reims, denn der Schaumwein schmeckte fast wie der „ächte Champagner“ und verkaufte sich wie Bolle. Und so ist es auch heute noch, wo die Blubber wegen der einschlägigen Gesetzeslage Sekt heißen müssen, denn die 250.000 jährlich auf Schloss Wackerbarth produzierten Flaschen reichen nicht aus. Nur: beliebig vergrößern kann man die Produktion nicht, dazu braucht’s nämlich Traubenmaterial und Platz zum Reifen. Beides ist in Sachsen nicht endlos skalierbar – schon gar nicht für die qualitativ hochwertigen Sekte, die in traditioneller Flaschengärung teils lange und teils noch länger auf der Hefe reifen.

Da steckt viel Handarbeit drin, wie mir Till Neumeister für die jüngste Folge meinea Podcasts „Auf ein Glas“ erzählte. Er ist Weinbauleiter im Staatsweingut Schloss Wackerbarth und damit verantwortlich für jene 90 Hektar Rebfläche, auf denen – meistens auf Terrassen und in Steillagen – die Reben für die 350.000 Flaschen Stillwein und den Sekt wachsen. Mit wieviel Akribie da gearbeitet wird, ist erstaunlich – und ringt einem dann selbst als durchaus nicht unerprobtem Probierer immer wieder Respekt vor der Handarbeit im Weinberg und im Keller ab.

Wackerbarth-Weinbauleiter Till Neumeister. Foto: Ulrich van Stipriaan
Wackerbarth-Weinbauleiter Till Neumeister. Foto: Ulrich van Stipriaan

Der Aufwand lohnt sich aber: der 1836 wurde im vergangenen Sommer im respektierten Wettbewerb Meiningers Deutscher Sektpreis als „bester trockener Sekt Deutschlands“ ausgezeichnet. Das ist Ehre für das Staatsweingut, aber auch toll für Verbraucher, denn mit 17 € im Shop des Weinguts ist diese Cuvée eigentlich ein Basissekt. Die „Cuvée Tradition“ besteht maßgeblich aus Riesling, ergänzt durch einen (je nach Jahrgang durchaus erheblichen) Anteil Weißburgunder sowie einen kleinen Schuss Scheurebe. Die hochkarätige Jury lobte den Sieger-Sekt aus Sachsen: „kraftvolle Aromen von gelben Früchten, reifem roten Apfel sowie feiner Petrol-Note; am Gaumen leicht buttrig, reicher Körper, seidige Perlage, mineralisch-salziges Finish“.

Teil des Kochsternstunden-Menüs: Wildconsommé mit Reh-Knusper-Praline. Foto: Ulrich van Stipriaan
Teil des Kochsternstunden-Menüs: Wildconsommé mit Reh-Knusper-Praline. Foto: Ulrich van Stipriaan

Ich hatte den 1836 nicht nur im Podcast mit Till Neumeister im Glas, sondern kürzlich auch beim Kochsternstunden-Menü im Gasthaus des Weinguts, bei dem die 190 Jahre Sekt aus Sachsen mit einem 4-Gang-Menü passend zu vier Sekten des Hauses zelebriert werden. Da konnte man zwar keine Preise vergeben, aber was ist denn ein größeres Lob als die Frage: „Könnte ich davon bitte noch ein Glas haben?“ Spoiler: es ging!

Den „Hommage 1836 weiß extra trocken“ gibt es im Weingut für 17 €. Das Kochsternstunden-Menü „Sekt und Sterne“ ist ausverkauft. Info: www.schloss-wackerbarth.de.

Der Podcast mit Till Neumeister  ist unter podcast.stipvisiten.de  zu hören. 

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