Die Kamlienschau auf Landschloss Zuschendorf präsentiert rund 1000 Blüten. Foto: Katrin Koch
Die 23. Kamelienblütenschau geht vom 28. Februar bis zum 18. April auf Schloss Zuschendorf der Frage nach: „Warum ist eigentlich der Gärtner immer der Mörder?“
Schon in den Kriminalgeschichten von Agatha Christie und Edgar Wallace enttarnte sich der Gärtner letztendlich oft als der Mörder. Spätestens in Reinhard Mey´s Lied mit dem Titel „Der Mörder ist immer der Gärtner“, welches eine Parodie auf die Stereotypen der Romane und Verfilmungen darstellt, ist die Aussage längst zu einer gängigen Redensart geworden.
Wieviel Wahrheit steckt in dieser Aussage? Und ist der Gärtner, der seine Pflanzen doch so liebevoll hegt und pflegt, überhaupt in der Lage einen kaltblütigen Mord zu begehen? Dieses Thema soll uns durch die diesjährige Kamelienblütenschau leiten.
So alt wie die Menschheit selbst ist die Suche nach dem Paradies, aus welchem Adam und Eva einst vertrieben wurden. Die immerwährende Sehnsucht nach der Rückkehr in den Paradiesgarten beschäftigt Kunstschaffende aller Epochen bis zum heutigen Tag. Die vielfältigstenGartendarstellungen sind aus diesen Auseinandersetzungen bereits entstanden.
Könnte man nicht wenigstens ein Stückchen dieses paradiesischen Gartens zurückgewinnen? Zumindest die Illusion dieses Gartenparadieses kann nur ein erfahrener Gärtner errichten. In seinem Tun spielt er dabei durchaus auch ein wenig „Gott“, indem er gestaltet, eingreift und reguliert.
Ist die heutige Gartensehnsucht auch noch die Suche nach dem Paradies von Adam und Eva? Oder ist es vielmehr eine Suche technisch und medial überreizter Großstadtseelen nach einem harmonischen Leben im Einklang mit der Natur?
Damit ein paradiesischer Garten entstehen kann, wird im Garten täglich über Leben und Tod entschieden. Das vermeintlich „Unschöne“ muss dem „Schönen“ weichen. Unkräuter und Wildwuchs werden herausgerissen und über den Kompost wieder dem Kreislauf des Lebens zugeführt. Schädlinge aller Art, welche das Gartenparadies in Gefahr bringen können, werden verfolgt und vernichtet. Hat der Gärtner denn eine andere Wahl?
Stellen wir uns vor, auf einem lichthungrigen Staudenbeet keimt plötzlich ein Spitzahorn. Lässt der Gärtner diesen wachsen, so entwickelt sich der Ahorn langsam zum mächtigen Baum und verdrängt durch seine große schattige Krone und das umfangreiche Wurzelgeflecht die darunter wachsenden Pflanzen. Beseitigt der Gärtner jedoch den heranwachsenden Baum, erhält er dadurch die Stauden am Leben.
Nicht anders funktionierte dieses Prinzip des Stärkeren in der freien Natur. Beim Kampf um Licht, Wasser und Nährstoffe schalten die Pflanzen nicht nur Konkurrenz, sondern selbst Mitglieder ihrer eigenen Familie aus. Die Natur ist ein Verschwender und hat zunächst für jedes Stück Erde mehr Pflanzensamen bereit, als darauf wachsen können. Es kommt zur natürlichen Auslese und nur die Kräftigsten und Gesündesten setzen sich durch. Nichts anderes macht der Gärtner, nur dass die Auswahlkriterien hier Schönheit und Ertrag heißen.
Im Gegensatz zu Berufsfremden, welche manchmal gedankenlos jegliches Wildwachstum ohne Rücksicht auf Nützlinge ausmerzen, tötet ein Gärtner nur das aus seiner Sicht Notwendige. Natürlich muss er täglich seine Schützlinge pflegen und vor vielerlei äußeren Einflüssen schützen. Dabei beobachtet er die Natur und weiß sie sich zu Nutze zu machen.
Igel, Frösche, Bienen und vieles andere Getier als Helfer im Garten weiß er zu schätzen und versucht ihnen gute Lebensbedingungen zu schaffen. Wo es möglich ist, lässt er die Natur für sich arbeiten und fördert damit das Gleichgewicht und die Harmonie.
Um die möglichst schönste und gesündeste Pflanze zu erhalten, betreibt ein Züchter neuer Sorten gnadenlose Auslese. Von oft Tausenden Sämlingen dürfen nur einige wenige Exemplare am Leben bleiben. Alles Schwache, Anfällige oder nicht ins Bild passende wird vernichtet. Der Gärtner schafft erlesene Pflanzenzüchtungen. Er hat eine genaue Vorstellung von dem, was er im Garten sehen will. Erfüllt eine Pflanze dann doch nicht alle Wünsche, wird sie kurzerhand gegen eine Bessere ersetzt.
Die gärtnerische Auslese und Züchtungsarbeit soll anhand der präsentierten Blütenvielfalt der Kamelien sichtbar gemacht werden.
Des Gärtners gruselige Waffenkammer – nicht nur für Pflanzen und Tiere Tod bringende Gerätschaften
Mit diversen Garten-Gerätschaften hat ein Gärtner allerlei Werkzeuge zur Hand, um vielfältigste Morde zu begehen. Da gibt es ein wahresArsenal an rostigen Geräten zur Fällung & Rodung sowie zur Erziehung und Pflege von Pflanzen, zur Bearbeitung von Rasen und Boden, für Pflanzung und Ansaat aber auch zum Graben und Ausheben sowie zur Ernte. Auch Sägen und Baumzangen, um Bäume bereits vor dem natürlichen Ableben zu fällen, Harken zur Bodenbearbeitung, scharfe Messer, Scheren, Sicheln und Sensen für verschiedenste Anwendungen sowie Spalt- und Hackgeräte.
Da der Gärtner ohnehin ständig in der Erde gräbt, kennt er natürlich genügend Möglichkeiten, die Beseitigten unter die Erde zu bringen und seine Taten zu vertuschen. Aber auch schon die kleinste Verletzung mit rostigem Gartengerät und Schmutz in der Wunde kann zu einer Tod bringenden Blutvergiftung führen und selbst den stärksten Mann umwerfen ...
Seit jeher werden auf Grundlage fundierten Pflanzenwissens verschiedenste Mittel gegen allerlei Krankheiten und Leiden hergestellt. Ob Schamanen, Wunderheiler, Hexen und Kräuterkundige, aber auch Mönche und Nonnen in den Klöstern, viele wussten über Pflanzenwirkstoffe bestens Bescheid. Jeder pflanzenkundige Gärtner besitzt das Wissen um die todbringende Dosis verschiedenster Pflanzenbestandteile. Pflanzengifte können bereits in geringen Dosen den Tod bringen und sind in fast jedem Garten zu finden. Aber viele giftige Verbindungen, welche in Pflanzen und Früchten vorkommen, werden in geringer Dosis in der Medizin ebenso genutzt, denn es gilt: „Die Dosis macht das Gift.“
Umso wichtiger sind genaue Pflanzenkenntnisse, um zu wissen, welche Pflanzenteile und Früchten leicht giftig oder aber auch tödlich sein können. Die Anzahl tödlich giftiger Pflanzen, welche in unseren Breiten heimisch sind, ist überschaubar aber präsent. Hinzu kommt eineVielzahl exotischer Pflanzen, welche durch den globalen Austausch zusätzlich in unser Sichtfenster rücken. An dieser Stelle sollen einige bekannte giftige Wildpflanzen und -früchte wie Liguster, Eibe, Efeu, Gefleckter Schierling, Pfaffenhütchen, gängige Gartenblumen wie Fingerhut und Wolfsmilch aber auch aus dem Alltag bekannte Vertreter, wie Alpenveilchen und Weihnachtsstern, genannt werden. Weitere Beispiele der aktuellen Jahreszeit sind Schneeglöckchen, Buschwindröschen, Blaustern, Grüner Nieswurz, Schneerose und Christrose, Kleines Immergrün, Maiglöckchen, Winterling und Milchstern (Sachsenstern).
Diese Vielzahl lässt die Schwierigkeit erkennen: Giftpflanzen sind aus unserem Umfeld und Alltag nicht wegzudenken. Es ist unmöglich, sie alle restlos zu entfernen, um uns, unsere Kinder und Tiere zu schützen. Eher bedarf es eines guten Pflanzengrundwissen sowie eines anerzogenen Respekts vor der Natur in ihrer Vielfältigkeit. Denn die Natur ist voller Schätze, besonders für all diejenigen, die sie richtig einzuordnen wissen. Neben zahlreichen Nutzungen für Zwecke des Heilens und Linderns können manche Pflanzen, Pflanzenteile und -früchte auch giftig, unverträglich oder schädigend sein sowie zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen.
Warum mordet angeblich das weibliche Geschlecht vorzugsweise mit Gift? Ist es die Tatsache, dass in den meisten Haushalten die Küche und das Kochen den Frauen unterliegt? Unbemerkt kann bei der Zubereitung der Mahlzeiten Gift untergemischt werden. Dabei können Pflanzengifte sowohl geruchs- als auch geschmacksneutral sein. Manche Gifte wirken mit einer langen Einnahmezeit in kleinsten Dosen und verwischen damit einenvorsätzlichen Giftmord. Auch das Argument, dass Giftmorde ohne große körperliche Anstrengungen vollzogen werden können, spricht für eine solche Wahl. Gift kann sicher, unbemerkt und schnell zum Tode führen. Aber es kann auch ein schleichendes und qualvolles Ableben herbeiführen...
Aber warum nur mittels Pflanzengifts morden, wenn auch der ein oder andere im Garten wachsende giftige Pilz zum Ziele führen kann ...
Ist es nicht doch nur ein Klischee, dass bevorzugt Frauen heimtückisch und hinterhältig mittels Gifts morden? Für eine erfolgreiche Anwendung und die nicht Rückvollziehbarkeit werden auf alle Fälle gute Pflanzenkenntnisse benötigt!
Pflanzenschutz- bzw. Schädlingsvernichtungsmittel – „Ein Gärtner braucht ein kaltes Herz und eine scharfe Schere“
Der Gärtner muss jeden Tag Entscheidungen über Leben und Tod treffen, wenn er seine Schützlinge auf Krankheiten und Schädlinge kontrolliert. Zum Pflanzenschutz und für die Schädlingsbekämpfung werden neben alten Hausmitteln und biologischen Mittelchen auch Tod bringende chemische Substanzen eingesetzt. Dabei sollen unerwünschte Pflanzen sowie Unkräuter, aber auch Keime, Pilze, Bakterien und Schädlinge mit verschiedensten Methoden vernichtet werden, um die Pflanzen zu schützen und zu erhalten. Bewusst oder unbewusst falsch angewendet, können daran natürlich auch Menschen erkranken oder sogar zu Tode kommen ... So wäre es nur folgerichtig, dass der Ideale anstrebende Gärtner, auchMitmenschen, die dieses Idealbild stören, ermordet.
Wer nun erschrocken auf diesen Beruf schaut, dem sei gesagt, auch das Paradies ist nicht umsonst. Es hat alles seinen Preis.
Zur „Deutschen Kamelienblütenschau“ in den ersten Tagen der Veranstaltungszeit werden wieder um die 1000 ausgewählte frische Kamelienblüten aus ganz Deutschland erwartet und in besonderen Gefäßen in den festlichen Schlossräumen des Landschlosses präsentiert. Bereitgestellt werden die Blüten von verschiedenen deutschen Orangerien, Botanischen Gärten und Gartenbaubetrieben sowie von privaten Sammlern. Die Freundeder Mitteldeutschen Kameliengesellschaft werden die Blüten mit gebotener Vorsicht aus allen Landesteilen herbeibringen und zu großen Teilen der Ausstellung an einem Infostand mit Fachwissen zur Verfügung stehen. Das Publikum der ersten Tage wird wieder zur Wahl der „Schönsten Kamelienblüte Deutschlands“ für das Jahr 2026 aufgefordert. Die Ausstellung wird von Frau Dipl. Grafikdesignerin Bea Berthold gestaltet.
Die Kamelienschau unterteilt sich in:
28.02. – 19.04.2026 Kamelienblüte in den Glashäusern - Ausstellung der Sächsischen (Seidelschen) Kameliensammlung mit einer Vielzahl historischer Sorten v.a. des 19. Jahrhunderts auf 1500 m² Schauglasfläche. Die Hauptblüte der Kamelien ist Ende März zu erwarten.
28.02. – 08.03.2026 XXIII. Deutsche Kamelienblütenschau im Landschloß mit dem Thema: "Warum ist eigentlich der Gärtner immer der Mörder?“Die schönsten Kamelienblüten aus ganz Deutschland werden in besonderen Gefäßen in den festlichen Räumen des Landschlosses präsentiert. Das Publikum wählt die schönste Blüte Deutschlands (in Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Kameliengesellschaft).
09.03. – 19.04.2026 XXIII. Sächsische Kamelienblütenschau im Landschloß mit dem Thema: "Warum ist eigentlich der Gärtner immer der Mörder?“ Auch weiterhin werden zahlreiche frische Kamelienblüten von sächsischen Standorten in den festlichen Räumen des Schlosses präsentiert.
Im Anschluss:
19.04. – 03.05.2026 XIX. Azaleenschau im Landschloß. Die Sammlung der ehemaligen „Königlichen Hofgärtnerei zu Pillnitz“ umfasst heute 360 historische Sorten. Die blühenden Azaleen werden als Topfpflanzen im festlichen Schloss präsentiert.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und feiertags von 10.00 – 17.00 Uhr, sowie zusätzlich nur im März: Montag von 10.00 – 16.00 Uhr
Eintritt: 7,50 € / ermäßigt 6,00 € (Schwerbehinderte, Studenten, Schüler)
Adresse: Botanische Sammlungen Landschloß Zuschendorf, Am Landschloß 6, 01796 Pirna OT Zuschendorf
Weitere Infos unter www.kamelienschloss.de. Pflegehinweise und Tipps für Ihre Kamelien können Sie HIER nachlesen.