Immer mehr Wölfe werden in Sachsen gesichtet. Foto: Archiv Naturschutz LfULG/F.Richter
Wie Sie sich verhalten sollten, wenn Sie einen Wolf sichten.
Keine Angst vorm kleinen Wolf: Aktuell häufen sich Meldungen zu Begegnungen mit einem jungen Wolf im südlichen Landkreis Görlitz zwischen Herrnhut, Oberseifersdorf und Schlegel. Wie das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). mitteilte, handelt es sich dabei um einen männlichen Wolfswelpen, der sich im Territorium des Rudels Großhennersdorf gezielt Menschen annähert.
Vorsicht, Welpe unterwegs
Der Welpe nähert sich Menschen auf kurze Distanz, ist neugierig, folgt Spaziergängern über weite Strecken und zeigt dabei Spielaufforderungen, indem er kleine Sprünge macht oder Gegenstände ins Maul nimmt. Ein aggressives Verhalten gegenüber Menschen wurde bislang nicht beobachtet. Dennoch ist das gezeigte Verhalten für einen in freier Wildbahn aufgewachsenen Wolf sehr ungewöhnlich.
Denn eigentlich reagieren Wölfe auf Menschen mit Vorsicht und vermeiden Begegnungen oder ziehen sich bei solchen zurück. Das zeigen die gesammelten Erfahrungen, seit die ersten Wölfe vor 25 Jahren nach Sachsen zurückkehrten und wieder sesshaft wurden.
Die Ursache des auffälligen Verhaltens des jungen Wolfes ist noch nicht geklärt. Es wird vermutet, dass der Welpe positive Erfahrungen mit Menschen gemacht haben könnte. Die instinktive Vorsicht von Wölfen gegenüber Menschen kann verloren gehen, wenn die Tiere zum Beispiel über längere Zeit gezielt angefüttert werden oder in menschlicher Nähe Futterquellen wie Kompost, Schlachtabfälle oder Katzenfutter finden. Auch ein spielerisches Anlocken kann gerade bei Welpen ein Interesse wecken und die Fluchtdistanz verringern. Eine daraus resultierende Gewöhnung kann zu einem problematischen Verhalten führen, auf das von den Naturschutzbehörden im Rahmen des Wolfsmanagements reagiert wird.
Nachdem sich erste Meldungen häuften, ist das Monitoring im Gebiet verstärkt worden. In Abstimmung mit dem zuständigen Landkreis Görlitz sind Mitarbeitende des Wolfsmanagements vor Ort aktiv, um das Tier nach Möglichkeit mit einem Senderhalsband zu versehen und Maßnahmen zur Vergrämung einzuleiten. Dadurch soll das Tier wieder die Scheu vor dem Menschen aufbauen. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Görlitz brachte Hinweisschilder in der Region an, um Spaziergänger über den verhaltensauffälligen Wolfswelpen zu informieren.
Wichtige Verhaltenshinweise
Es ist wichtig, dass sich dieses unerwünschte Verhalten nicht weiter festigt beziehungsweise möglichst schnell abgestellt wird. Deshalb werden Anwohnende und Spaziergänger dazu aufgerufen, alle denkbaren auf Menschen oder Fahrzeuge zurückzuführenden Futterquellen für Wölfe zu vermeiden beziehungsweise zu beseitigen und ein anderweitiges Anlocken zu unterlassen.
Bei Spaziergängen in der Region sollte man aufmerksam bleiben und bei einer Begegnung mit dem Tier laut rufen oder schreien, sich großmachen, gezielt Steine werfen und verscheuchen. Auf keinen Fall sollte man das Tier bedrängen oder diesem nachstellen.
Jede Sichtung sollte zeitnah an eine der untenstehenden Anlaufstellen gemeldet werden, um den Naturschutzbehörden zu ermöglichen, sich fortlaufend ein aktuelles Bild der Lage zu machen.
Wolfsrudel in Sachsen
In Sachsen gibt es aktuell 35 Wolfsrudel, zehn Wolfspaare und einen territorialen Einzelwolf. Das sind die Ergebnisse der abgeschlossenen wissenschaftlichen Auswertung des Monitoringjahres 2024/2025.
Seit dem Monitoringjahr 2021/2022 schwankt der Bestand zwischen 40 bis 50 Wolfsterritorien. Die aktuellen Ergebnisse bestätigen diesen Trend, der auf eine Stabilisierung des Wolfsbestandes hindeutet. Die meisten Territorien befinden sich in der Oberlausitz. Dabei handelt es sich um 27 Rudel, fünf Paare und eine territoriale Wölfin.
Außerhalb der Lausitz gibt es in Nordsachsen seit mehreren Jahren ein stabiles Vorkommen mit aktuell fünf Rudeln und einem Wolfspaar: »Authausener Wald«, »Dahlener Heide«, »Delitzsch«, »Liebschützberg«, »Tiefensee-Löbnitz« und »Wermsdorfer Forst«.
In der Dresdner Heide konnte ein Wolfspaar ohne Nachwuchs nachgewiesen werden, in den Landkreisen Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie im Erzgebirgskreis jeweils ein Rudel. In der Reihenfolge der Landkreise handelt es sich dabei um die Territorien »Gohrischheide« »Harte« und »Marienberg«.
Östlich von Leipzig wurden die beiden neuen Wolfspaare »Lossatal« und »Tresenwald« (Landkreis Leipzig) bestätigt sowie im Vogtlandkreis das neue Wolfspaar »Muldenhammer«. Einzelne Wolfsaktivitäten wurden auch in anderen Bereichen des Vogtlandkreises, des Erzgebirgskreises sowie dem Landkreis Zwickau beobachtet, sodass auch hier in den nächsten Jahren mit mehr Dynamik zu rechnen ist.
In 34 Rudeln wurde Nachwuchs nachgewiesen - mindestens 111 Welpen. Es wurden aber auch 17 tote Wölfe aufgefunden: zwei wurden illegal getötet, 13 starben bei einem Verkehrsunfall, zwei starben eines natürlichen Todes.
Anlaufstellen bei Wolfssichtungen
Wenn Sie den Welpen sichten oder einem anderen Wolf begegnen, können Sie sich wenden an:
Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -forschung, Telefon: 035727 – 577 62, E-Mail: kontakt@lupus-institut.de
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie | Abt. 6 | Ref. 64 - Fachstelle Wolf, Telefon: 035242 – 631 8201, E-Mail: fachstellewolf@lfulg.sachsen.de
Für dringende Meldungen, auch außerhalb der Geschäftszeiten: 0800 555 0 666 (Hotline der Fachstelle Wolf, aus dem deutschen Telefonnetz mit aktiver Rufnummernkennung) oder 0176-31142559 (24h-Bereitschaft des Lupus Instituts, WhatsApp-fähig)
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