Schloss Pillnitz: Kunstgewerbemuseum feiert 150. Geburtstag

Blick in die Ausstellung des Kunstgewerbemuseums. Foto: SKD

Blick in die Ausstellung des Kunstgewerbemuseums. Foto: SKD

Vor 150 Jahren wurde das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gegründet. Es sah und sieht die Gestaltung als Impuls für Gesellschaft und Wirtschaft an.

Türklinken, Tassen, Teller – unser Alltag ist geprägt von Dingen, deren Formen wir als selbstverständlich wahrnehmen. Doch gerade Alltagsgegenstände wie Möbel, Geschirr oder Fahrräder sind als gestaltete Produkte stets Zeugen ihrer Zeit: Frühstücksmesser etwa können deshalb schlicht oder reich verziert gestaltet und aus Silber, nur versilbert oder – etwa bedingt durch die Mangelwirtschaft in der DDR – sogar aus Aluminium produziert worden sein. Die Objekte, ihre Materialitäten und Formen liefern uns also spannende Informationen über die Zeit aus der sie stammen. Wie wirkt Gestaltung? Kann sie den Geschmack einer Gesellschaft beeinflussen? Ist gute Gestaltung – und heute Design – von wirtschaftlicher Relevanz?

Diese Fragen waren Ausgangspunkt für die Eröffnung des Kunstgewerbemuseums (KGM) der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vor 150 Jahren am 15. September 1876. Ziel war es, durch das Sammeln vorbildlicher Objekte die Qualität und Innovationsfähigkeit sächsischer Erzeugnisse zu steigern und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf nationalen und internationalen Märkten zu stärken.

Die Sammlung umfasst über 80 000 Objekte

„Heute besitzt das Kunstgewerbemuseum eine bedeutende, über 80.000 Objekte zählende Sammlung von Kunsthandwerk, Asiatika, Stilmöbeln, modernen Klassikern bis hin zum zeitgenössischen Design. Das Jubiläum bietet nicht nur Gelegenheit, auf 150 Jahre Museumsgeschichte zurückzublicken. Es eröffnet zugleich die Möglichkeit, die Rolle des Kunstgewerbemuseums als Ort der ästhetischen Bildung, des Austauschs und der Auseinandersetzung mit Gestaltung neu zu befragen", so Thomas A. Geisler, Direktor Kunstgewerbemuseum.

Eine Sammlung, aus der sich die Geschichte der Gestaltung aus fünf Jahrhunderten ablesen lässt: Stücke vom Mittelalter bis in die Gegenwart, aus Deutschland, Tschechien und Polen, aber auch aus Asien und Südamerika treffen hier aufeinander. Das Spektrum reicht von Möbeln und Textilien über Musikinstrumente und Gefäße bis hin zu Uhren und Zifferblättern.

Die Sammlung wird sukzessive neu konzipiert: Im Wasserpalais widmet sich derzeit ein Teil der Dauerausstellung der Auseinandersetzung mit dem Material von Objekten, wie Metall, Textil oder Email. Hier finden sich außerdem Räume für temporäre Sonderausstellungen, in denen zeitgenössisches Design oder spannende Positionen der Designgeschichte präsentiert werden.

Im gegenüberliegenden Bergpalais wird die Dauerausstellung des Kunstgewerbemuseums fortgeführt. Eine Besonderheit der Ausstellung ist hier das Schaudepot mit zahlreichen Stücken aus den Deutschen Werkstätten Hellerau, in denen seit 1900 unweit von Dresden Möbel produziert wurden. Deren deutlich sichtbare serielle Fertigung und ihre progressive Gestaltungsform wurden zu weit bekannten Markenzeichen des Designs im 20. Jahrhundert

Sammlung blickt auch in die Zukunft 

Neben der Auseinandersetzung mit historischen Objekten waren gesellschaftliche Fragen zu Aufgabe und Funktion von Gestaltung nicht nur für die Gründung des Kunstgewerbemuseums bestimmend, sie spielen auch künftig eine wichtige Rolle. Themen wie Material, Ressourcen, nachhaltige Produktion, soziale Verantwortung und Qualität von Alltagsgegenständen weisen weit über die reine Formgebung eines einzelnen Objekts hinaus. Seit 2020 untersucht der Design Campus als Forschungs- und Entwicklungsplattform des Kunstgewerbemuseums aktuelle Aufgabenstellungen in Bezug auf die Gestaltung unserer Umwelt. Dabei bildet die Sammlung den Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit Gegenwart und Zukunft: Wie wollen wir produzieren und konsumieren? Welchen Beitrag kann Design zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft leisten? Welche Formen begleiten uns im Wandel? In diesem Sinne untersucht die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte bundesweite Forschungskooperation RekonKI den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei historischen Rekonstruktionen. Ziel ist es, in den kommenden Jahren eine KI zur technischen Analyse von Textilien aus der Sammlung zu trainieren. Beteiligt sind neben den SKD weitere Projektpartner in Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg sowie unterschiedliche Anwender.

Wie dieses Projekt und viele weitere zeigen, ist dem Kunstgewerbemuseum von je her die Vernetzung und der Austausch in der Region und darüber hinaus wichtig. So zeigt das Stadtmuseum Halle die gemeinsam mit dem Museum Utopie und Alltag in Eisenhüttenstadt entwickelte Sonderausstellung „PURe Visionen. Kunststoffmöbel zwischen Ost und West.“ (19.06.2026–01.11.2026), die zuvor in Pillnitz zu sehen war.

Zum Jubiläum erscheint Sonderausgabe der Dresdener Kunstblätter

Zum Jubiläum erscheint eine Sonderausgabe der Dresdener Kunstblätter unter dem Titel „150 Jahre Kunstgewerbemuseum“ bei Sandstein Kultur, herausgegeben von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, 144 Seiten, 7 Euro, ISBN 978-3-95498-943-0. Das Heft vermittelt einen Einblick in die dynamische und keineswegs lineare Entwicklung des Museums und zeigt, wie eng Sammlung, gesellschaftliche Veränderungen und aktuelle Vorstellungen von Gestaltung miteinander verbunden sind.

 Trotz aktueller Schließung sind Führungen möglich

Das KGM ist aktuell wegen Vorbereitungen zur baulichen Ertüchtigung geschlossen. Trotzdem sind Gäste an allen Sonntagen bis zum 1. November 2026 immer um 14 Uhr zu Führungen durch das Bergpalais in Pillnitz eingeladen..

Wie jedes Jahr erklingen dort auch historische Instrumente aus der Sammlung im prachtvollen Hauptsaal. Einen besonderen musikalischen Akzent setzt am Samstag, den 19. September 2026 das Konzert „Die große Oktave. Aus den (Un-)Tiefen italienischer Cellomusik“.

Weitere Infos unter www.skd.museum 

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