Karl-May-"Villa Bärenfett" 100 Jahre alt

Patty Frank in der "Villa Bärenfett" mit kostümierten Kindern. Foto: Karl May Museum

Patty Frank in der "Villa Bärenfett" mit kostümierten Kindern. Foto: Karl May Museum

Die "Villa Bärenfett" auf dem Gelände des Radebeuler Karl May Museums wurde vor 100 Jahren gebaut. Dabei ging nicht alles ganz so glatt, wie von Mays Witwe Klara gedacht. Erst zwei Jahre später - 1928 - wurde die Villa als Museum eröffnet.

Karl May - der Schriftsteller

Der Schriftsteller Karl May (1842-1912) begeistert bis heute mit seinen Abenteuerromanen aus dem Wilden Westen und dem Orient Leser in der ganzen Welt. Winnetou, Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi wurden zu den Helden vieler Generationen. Die weltweite Auflage seiner Werke wird auf 200 Millionen geschätzt, davon 100 Millionen in Deutschland. Seine Romane wurden in 46 Sprachen übersetzt. Testamentarisch setze May seinen zweite Eherfrau Klare als Universalerbin ein - mit der Auflage, dass nach ihrem Tod Erbe und Einkünfte einer Stiftung zufallen. Als Karl May 1912 in Radebeul starb, richtete seinen Witwe schon ein Jahr später die Stiftung ein. Außerdem stand für sie fest, dass sich ein Museum seinem Gedenken widmen muss. Ein besonderes Haus sollte es sein, das dem Abenteuer-Charakter gerecht wird. Die Blockhaus-Idee der "Villa Bärenfett" war geboren.

Die Villa Bärenfett 

Das Blockhaus wurde 1926 im Auftrag von Klara May - 14 Jahre nach dem Tod von Karl May. Doch es ist gar kein richtiges Blockhaus - es sieht nur so aus! Den ersten Trugschluss löst der wissenschaftliche Direktor des Museums, Robin Leipold,auf: "Das Blockhaus ist kein echtes Blockhaus. Das wäre zu teuer geworden. Deshalb wurde ein Ziegelbau errichtet und mit halbrunden Stämmen verkleidet." Das Haus sollte die Kunsthandwerk- und Souveniersammlung des Paares und Fremdenzimmer beherbergen.

Ihren Namen verdankt die "Villa Bärenfett" übrigens Mays Roman "Der Ölprinz", in dem die "Villa Bärenfett" das Zuhause des hinkenden "Hobble Frank" ist.

Schnell stellte sich heraus: Was Karl May von seiner Orientreise 1899/90 und 1908 von der einzigen Amerikareise (u.a. zu den Niagarafällen) mitgebracht hatte, reichte für eine Sammlungspräsentation nicht aus. Deshalb aktivierte Klara Anfang der 1920er-Jahre den Kontakt zu Weltenbummler, Sammler und Artist Ernst Tobis alias "Patty Frank" (1876-1959). Sie erwarb dessen umfangreiche Sammlung indigener Ethnografica, die Frank mit Paar Mokassins der amerikanischen Wandergruppe Buffalo Bill's Wild West Show begründet hatte.

Patty Frank zieht ein 

Klara May  ließ Patty Frank als Kurator und Verwalter der rund 600 Sammlungsobjekte  im Blockhaus wohnen. Er genoss lebenslanges Wohnrecht. Im August 1926 zog Patty ins neu gebaute "Blockhaus" ein. Auf seinen Wunsch hin war sogar ein Trapperraum mit Kamin eingerichtet worden.

Doch Frank kümmerte sich weniger um den Erhalt der Exponate als mehr um die im Keller eingerichtete Destille. "Patty feierte ausschweifend mit seinen Kumpanen. Skurrile Gestalten gingen ein und aus. Und alle am Vorderhaus vorbei, in dem Klara wohnte", erzählt Leipold. Klara May stellte Frank mit weiblichem Geschick "ruhig", indem sie ihn mit dem Dienstmädchen Marie Barthel verkuppelte. "Es scheint gewirkt zu haben", schmunzelt Leipold.

Patty Frank in der Bar zum grinsenden Präriehund. Foto: Karl May Museum
Patty Frank in der Bar zum grinsenden Präriehund. Foto: Karl May Museum

Der erste Anbau begründet 1928 das Museum

1928 wurde in einem ersten Anbau die Ausstellung präsentiert. "1930 reiste Klara mit einer Einkaufsliste noch einmal nach Amerika und vervollständigte die Sammlung vor allem mit Objekten der Pueblos", weiß Leipold. Die Sammlung war bis 1936 auf rund 1800 Objekte angewachsen und erforderte einen zweiten Anbau. Heute zeigt ein erster Raum, wie die gesamte Ausstellung künftig modern und trotzdem in Mays Tradition präsentiert wird. Leipold weiß: "Die Villa Bärenfett bleibt eine Wunder- und Schatzkammer."

Patty Frank in der "Villa Bärenfett" mit kostümierten Kindern. Foto: Karl May Museum
Patty Frank im ersten Ausstellungsraum mit Klara May und Marie Barthel. Foto: Karl May Museum


Das "Karl May Museum", das gerade um einen modernen Anbau erweitert wird, befindet sich in Radebeul, auf der Karl-May-Straße 5. Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr. Eintritt: 10 Euro. Infos/Veranstaltungsprogramm unter karl-may-museum.de.  


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