Der Rosengarten in Dresden feiert 90. Geburtstag. Die Skulptur "Genesung" gehört zur künstlerischen Ausstattung des Gartens. Foto: Katrin Koch
Der Rosengarten am Dresdner Königsufer feiert in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen. Er ist ein ganz besonderer Ort der Erholung, der botanischen Vielfalt und der Kunst der städtischen Gärtner. Er zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Dresdner Gartenanlagen.
Die Geschichte des Rosengartens beginnt 1935. "Der Rat der Stadt Dresden plant die Schaffung eines größeren Rosariums. Über die Platzfrage ist noch nicht endgültig entschieden. Es stehen zwei Projekte mit ungefähr 15000 bis 20000 qm zur Verfügung." So steht es im Rosenjahrbuch 1935 des "Verein Deutscher Rosenfreunde".
Die Entscheidung fällt zugunsten des Areals am Kpnigsufer. Die Pläne dazu liefert der damaligen Stadtgartendirektor Heinrich Balke. Seine Absicht war, ein Pendant zur architektonisch markanten Altstädter Seite zu schaffen. Eine landschaftlich gestaltete Uferpromenade sollte gleichzeitig Bauspekulationen in diesem Gebiet verhindern. Vor dem Anlegen des Rosengartens wurde das Areal als Schulsportplatz und Kohlelager genutzt, eine Gardinenwäscherei arbeitet auf dem Gelände.
1935/36 wurde der Rosengarten mit einem Bestand von 6 000 Rosenstöcken als dreiteiliger Lehr- und Schaugarten angelegt - mit Vorderteil, Hochstammrosenteil und Senkgarten. Ein erster Teillabschnitt wird im Juni 1935 eröffnet, 1936 - mit Blick auf die Reichsgartenschau - wird er vollendet.
Zustand vor der Rekonstruktion
Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Garten stark beschädigt. Bildhauerkunst ging zum Teil verloren. In der Zeit nach 1945 wurde im Vorderteil des Garten großflächige Trümmerschutt aus dem angrenzenden Wohngebiet verkippt. Andere Teiile des Garten wurde zu dringend benötigten Gemüsegarten umfunktioniert.
In den Jahren um 1950 und 1970 erfolgten Instandsetzungsarbeiten - sie entsprachen dem Geschmack der Zeit, nicht jedoch konservatorischen Ansprüchen. Die ursprüngliche Gestaltung und räumliche Strukturen gingen verloren. Ein großer Teil der Rosenstöcke war überaltert, der Boden ermüdet, Rosenstöcke starben ab. Nicht besser sah es bei den baulichen Gegebenheiten aus: Mauern, Treppen und Plattenwege waren marode. Einst mit Bedacht angelegt Ausblicke auf die Elbe waren zugesichert. 1989 sterben zwei sehr große Robinien, wahrscheinlich Originalpflanzungen, ab und müssen gefällt werden. Auf eine Neupflanzung wird verzichtet, um die Strauchrosenquartiere wieder anlegen zu können. Nach dem Mauerfall spendet das Haus "Kordes" 1990 mehrere tausend Rosen für Städte in den fünf neuen Bundesländern. Im Dresdner Rosengarten werden diese Rosen zu einer flächigen Pflanzung im Vorderteil verwendet.
Wiederherstellung des Rosengartens
Mit der notwendigen Installation eines modernen Bewässerungssystems begann 1995 die denkmalgerechten Instandsetzung der Gartenanlage. Das Jahrhunderthochwasser überflutete 2002 fast alle Beete, hinterließ bis heute im Boden Spuren. An manch Stelle wachsen heute Salvien oder Studentenblumen, wo Rosen nicht mehr gedeihen. Trotz dieses Rückschlages konnte 2006 die Wiederherstellung des Rosengartens im Wesentlichen abgeschlossen werden.
Das Archivmaterial war rar, überliefert ist lediglich eine Fotoplatte mit dem Entwurfsplan von Heinrich Balke. Vermutlich verbrannten 1945 alle Unterlagen bei der Zerstörung des Gärtnerdepots. Doch über 60 Dresdner stellen Dias, Fotos, Filme und alte Postkarten zur Verfügung. Sie ermöglichen es, sich dem Originalzustand des Rosengartens zu nähern - in räumlicher Gliederung, Sortenvielfalt und Farbharmonie.
Der Rosengarten ist mit den streng geometrischen Formen von Rahmung und Reihung, der Materialauswahl und der bildkünstlerischen Ausgestaltung eine typische Anlage der 1930er Jahre. Er gilt als die bedeutendste städtebaulich-gärtnerische Leistung dieser Zeit in Dresden.
Rosen und Gehölze im Rosengarten
Den Vorderteil des Gartens prägen flächige Strauchrosenpflanzungen, jeweils mittig gelb mit rosafarbiger Umrahmung an den Eckpunkten der Rasenspiegel. Die Rekonstruktion erfolgte mit Sorten aus der Zeit (Ghislaine de Féligonde und Robin Hood, Francesca und Vanity, Trier und Ballerina). Im Mittel- oder Hochstammrosenteil kam ein DDR-Sortiment zur Anwendung. Als Neuheit blüht im Senkgarten die Meillands Rose Elbflorenz, eine Züchtung von 2005. Sie wurde in zwei Beeten nahe der Brunnenschale gepflanzt. Ungefähr 100 verschiedene Rosensorten und Arten sind auf dem Areal zu finden.
Die einzelnen Bereiche des Rosengartens werden durch Hainbuchenhecken und Gehölzflächen gegliedert. Solitärsträucher setzen Akzente. Markante Nadelgehölze wie Koloradotanne, Serbische Fichte oder Douglasie schaffen Farbkontraste. Alte, stattliche Exemplare von Strauchrosen aus der Entstehungszeit der Anlage, zum Beispiel Rosa roxburghii (kleinblättrige Rose), Rosa glauca (rotblättrige Rose), Rosa mulitflora (vielblütige Rose) und Rosa omeiensis (Stacheldrahtrose) sind noch in den Randstreifen zu finden. Ebenso Gehölzraritäten wie Tulpen-Magnolie, Judasbaumblatt, Blumen-Hartriegel, Kuchenbaum, Virginische Zaubernuss, Eisenholz und eine besondere Rotbuche, die Sorte Rohanii.
Plastiken im Rosengarten
Im Dresdner Rosengarten findet man vor allem Darstellungen von Tieren und weiblichen Figuren aus Muschelkalk, Sandstein und Bronze. Mit Beendigung der Reichsgartenschau 1936 im damaligen Ausstellungsgelände am Großen Garten wurden nicht nur Pflanzen und Materialien in den Rosengarten übernommen.
Auch die Plastik „Genesung“ von Prof. Felix Pfeifer wurde hierher umgesetzt. Das ursprüngliche Original, das in Leipzig stand, wurde 1940 zum Einschmelzen freigegeben. Dem zweiten Abguss, der "Schwester" in Dresden, blieb dieses Schicksal erspart. Sie blieb erhalten, andere Kunstwerke ("Stier", "Mädchen mit Gazelle") gingen im Krieg verloren oder wurden aus dem Rosengarten entfernt. So hatten die zwei Bärenplastiken von Rudolf Löhner nach 1945 im Dresdner Zoo am Musikpavillon einen neuen Platz gefunden. Mit der Bebauung dieser Fläche bestand die Möglichkeit, die Figuren an ihren Originalstandort zurückzuholen. Sie wurden im Jahr 2000 wieder im Rosengarten aufgestellt. Im Zwischenstück konnte der seit dem Krieg leer stehende Sockel 1999 saniert und im Rahmen eines Wettbewerbes mit moderner Kunst, der Plastik „ani-mal“, neu ausgestattet werden.
Ausführliche Infos zum Rosengarten finden Sie auch HIER.