Viele Demenz-Erkrankungen sind vermeidbar

Viele Risikofaktoren, die eine Demenz-Erkrankung auslösen, lassen sich beeinflussen. Foto: Freepik

Fast die Hälfte aller Demenzerkrankungen könnte nach Einschätzung von Forschenden verhindert werden. Eine internationale Expertengruppe hat dazu eine Übersicht von Faktoren erstellt, die das Risiko beeinflussen – darunter auch zwei neu identifizierte.

Neue Erkenntnisse zu Risikofaktoren

Bekannt ist schon länger, dass erhöhte Blutfettwerte die Gefäße schädigen und Übergewicht das Herz belastet. Beides wirkt sich jedoch ebenfalls negativ auf das Gehirn aus. Laut einem aktuellen Bericht der Lancet-Kommission für Demenzprävention, -intervention und -pflege ließen sich rund 45 Prozent der Fälle vermeiden, wenn insgesamt 14 Risikofaktoren vollständig reduziert würden. Zwölf davon – etwa Rauchen, Bewegungsmangel oder Bluthochdruck – waren bereits bekannt. Neu hinzugekommen sind Sehbeeinträchtigungen sowie ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel.

Prävention beginnt früh im Leben

Der Geriatrie-Experte Richard Dodel betont, dass Demenz kein unabwendbares Schicksal sei. Vielmehr könne jeder Mensch durch sein Verhalten Einfluss auf das Erkrankungsrisiko nehmen. Prävention beginne bereits in jungen Jahren: Bildung scheint eine schützende Wirkung zu haben. Im mittleren Lebensalter komme es besonders auf einen gesunden Lebensstil an. Viele der bekannten Risikofaktoren fallen in diese Lebensphase. Regelmäßige Bewegung sowie der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum gelten dabei als wichtige Schutzmaßnahmen.

Soziale Kontakte und Hörvermögen schützen

Auch Hörprobleme zählen zu den beeinflussbaren Risiken. Wer schlecht hört, sollte frühzeitig Hilfsmittel wie Hörgeräte nutzen. Diese erleichtern nicht nur die Kommunikation, sondern helfen auch dabei, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Denn Isolation gilt ebenfalls als Risikofaktor für Demenz. Ein aktives soziales Leben kann zudem Depressionen vorbeugen, die ebenfalls mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden sind.


Bewegung und Sicherheit als Schutzfaktoren

Andere Risiken lassen sich hingegen weniger gut kontrollieren. Dazu gehören beispielsweise Schädel-Hirn-Verletzungen. Dennoch kann man vorbeugen – etwa durch das Tragen eines Helms beim Fahrradfahren.

Ein zentraler Schutzfaktor ist außerdem körperliche Aktivität. Sie wirkt indirekt, indem sie Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht vorbeugt, die wiederum das Demenzrisiko erhöhen.

Herzgesundheit und Cholesterin im Fokus

Grundsätzlich gilt: Was dem Herzen guttut, nützt auch dem Gehirn. Laut Berechnungen der Kommission könnten allein durch die Senkung erhöhter Cholesterinwerte etwa sieben Prozent der Demenzfälle vermieden werden. Damit wird der LDL-Cholesterinspiegel erstmals als wichtiger Risikofaktor hervorgehoben.

Auch Sehschwächen wurden neu in die Liste aufgenommen. Allerdings ist bislang nicht vollständig geklärt, wie genau sie zur Entstehung von Demenz beitragen. Bekannt ist lediglich, dass ein Zusammenhang besteht.

Kritik an den Schätzungen

Trotz der umfassenden Analyse wird der Bericht nicht von allen Fachleuten uneingeschränkt akzeptiert. Besonders die Schätzung, dass nahezu die Hälfte aller Fälle vermeidbar sei, wird kritisch gesehen. Einige Expertinnen und Experten weisen darauf hin, dass eine vollständige Ausschaltung aller Risikofaktoren in der Praxis kaum erreichbar ist. Maßnahmen wie Hörgeräte oder Medikamente können zwar helfen, doch nicht jeder Risikofaktor lässt sich vollständig beseitigen.

Gesellschaftliche Verantwortung und Lösungsansätze

Dennoch herrscht Einigkeit darüber, dass Prävention möglich ist. Neben individuellen Maßnahmen spielt auch die Gesellschaft eine wichtige Rolle. So könnte etwa eine bessere Luftqualität das Risiko senken. Auch eine städtebauliche Gestaltung, die Bewegung und soziale Kontakte fördert, wird als wichtig angesehen. Gerade für ältere Menschen ist es oft schwierig, passende Angebote für körperliche Aktivität zu finden.

In Deutschland verfolgt die Nationale Demenzstrategie bereits erste Ansätze. Ziel ist es unter anderem, älteren Menschen den Zugang zu Bewegungs- und Freizeitangeboten zu erleichtern und so ihre Gesundheit zu fördern.

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