Sagen Sie dem Heuschnupfen den Kampf an - mit einer Hyposensibilisierung. Foto: Freepik
Auch wenn uns noch einige Wintertage beschert werden, die Barmer Krankenkasse hat den Frühling und damit den Pollenflug im Blick. Sie empfiehlt eine rechtzeitige Sensibilisierung, um Allergiesymptome zu lindern. Wer unter Heuschnupfen leidet, sollte jetzt mit einer Immuntherapie starten. Denn der Klimawandel bedingt einen verlängerte Pollenflugsaison und eine steigende Belastung.
Laut Deutschem Wetterdienst ist Sachsen aktuell noch nicht von Pollenflug belastet.
Das Portal wetteronline.de verweist dagegen schon auf eine niedrige Belastung bei Erle und Hasel. Bei trockenem Wetter herrscht im Westen und Südwesten bereits ein mäßiger bis starker Haselpollenflug. Zudem fliegen immer mehr Erlenpollen. In den anderen Regionen hält sich der Pollenflug noch in Grenzen. Ab Mitte Februar geht es dann aber auch in den östlichen Landesteilen richtig los. Im März und April machen Birkenpollen Allergikern stark zu schaffen. Danach beginnt der Pollenflug vieler Gräser und Getreidearten. Kräuter wie etwa Beifuß oder Ambrosia verursachen als Spätblüher im Sommer und Frühherbst allergische Reaktionen. Infos und Pollenflugkalender finden Sie HIER.
Wer unter Allergien leidet, kennt diese Symptome: Juckende Haut oder tränende Augen sind typische Merkmale einer Allergie. Eine Hyposensibilisierung kann helfen, die Allergiesymptome zu verringern, den Arzneimittelbedarf zu senken und die Entwicklung von Asthma zu verhindern. Sie ist auch unter dem Begriff Desensibilisierung, spezifische Immuntherapie (SIT), Allergen-Immuntherapie (AIT) oder umgangssprachlich als Allergieimpfung bekannt.
Was ist eine Hyposensibilisierung?
Die Hyposensibilisierung ist eine Behandlungsmöglichkeit, die etwa bei Allergien gegen Pollen (Baumpollen, Gräser-, Getreide- oder Kräuterpollen), Hausstaubmilben oder Wespen- und Bienengift helfen kann. Im Gegensatz zu Antihistaminika, die lediglich Allergiesymptome lindern, wirkt eine Hyposensibilisierung gegen die Ursache der Allergie. Ziel der Therapie ist, dass das Immunsystem weniger empfindlich auf Allergene reagiert und sich an die Allergieauslöser gewöhnt. Umfangreiche Informationen gibt es auch HIER.
Methoden und Ablauf der Hyposensibilisierung
Eine Hyposensibilisierung kann zur Toleranz gegen das auslösende Allergen führen oder – wie bei der Mehrzahl der Patienten – eine nachhaltige, deutliche Minderung der Symptome bewirken.
Behandlungsformen
Es gibt zwei Arten der Hyposensibilisierung – je nachdem wie die verschreibungspflichtigen Arzneimittel verabreicht werden. Die sublinguale Immuntherapie (SLIT) ist eine moderne Methode der Hyposensibilisierung mit schnell löslichen Tabletten oder Tropfen. Die Behandlung erfolgt sublingual, d. h. "unter der Zunge". Die Allergene werden dabei über die Mundschleimhaut aufgenommen.
Bei der subkutanen Immuntherapie (SCIT) werden die Therapie-Allergene durch den Arzt oder die Ärztin unter die Haut gespritzt. Bei dieser Form der Hyposensibilisierung sind also regelmäßige Besuche in der Arztpraxis nötig.
Zu Beginn der Behandlung wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin zunächst einen Allergietest machen. Die anschließende Hyposensibilisierung erfolgt meist in zwei Phasen.
In der Steigerungsphase wird das Allergen in steigender Dosierung bis zur Erhaltungsdosis entweder als Sublingualtabletten bzw. Tropfen (SLIT) täglich selbst eingenommen oder in Abständen von drei Tagen bis zwei Wochen durch den Arzt gespritzt (SCIT). Während dieser Phase gewöhnt sich der Körper allmählich an die Allergene. In der Erhaltungsphase wird über einen längeren Zeitraum eine konstante Dosis der Allergene verabreicht. Bei der SLIT erfolgt dies weiterhin täglich, bei der SCIT verlängern sich die Intervalle auf vier bis acht Wochen.
Eine Hyposensibilisierung dauert mindestens 3 bis 5 Jahre. Bei Allergien gegen bestimmte Arzneimittelwirkstoffe besteht bislang keine Möglichkeit zur Hyposensibilisierung.
Bezahlt die Krankenkasse die Hyposensibilisierung?
Als gesetzliche Krankenkassen übernehmen die BARMER oder auch die AOK die Kosten für Ihre Hyposensibilisierung. Sie müssen lediglich die für Arzneimittel übliche Zuzahlung leisten.
Wann sollten Sie eine Hyposensibilisierung beginnen?
Eine Hyposensibilisierung ist vor allem dann erfolgreich, wenn die Allergie erst vor Kurzem aufgetreten ist und nur wenige Allergien zu behandeln sind.
Eine Hyposensibilisierung kann auch während der Pollensaison begonnen werden, etwa wenn man unter Heuschnupfen leidet. Manche befürchten, dass die Behandlung dann belastender ist und zu mehr Allergiebeschwerden führt. Studien zeigen aber, dass die Nebenwirkungen vergleichbar sind mit einer Hyposensibilisierung, die im Winter gestartet wird.
Welche Nebenwirkungen gibt es bei der Hyposensibilisierung?
Die Nebenwirkungen einer Hyposensibilisierung sind meist harmlos und nur von kurzer Dauer. Eine Behandlung ist selten notwendig. Da dem Körper eine Substanz zugeführt wird, auf die er normalerweise allergisch reagiert, treten häufiger örtliche Reaktionen wie leichter Hautausschlag an der Einstichstelle auf. Aber auch Niesen, tränende Augen, Juckreiz, Schwellungen im Mund, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder leichte asthmatische Beschwerden können vorkommen.
Starke Nebenwirkungen treten nur in seltenen Fällen auf. Sollte dies der Fall sein, kann die Dosis des Allergens verringert werden. Zudem ist es ratsam, auch andere mögliche Ursachen für die Nebenwirkungen gemeinsam mit Ihrem Arzt abzuklären.
In sehr seltenen Fällen kann eine Hyposensibilisierung eine heftige allergische Reaktion auslösen, die anaphylaktische Reaktion. Dabei kann es zu starkem Juckreiz, Übelkeit sowie Atem- und Kreislaufbeschwerden bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen. Diese Symptome müssen sofort ärztlich behandelt werden.
Zusätzliche Tipps von der AOK
Kennen Sie die Pflanzen, die für Ihre Pollenallergie verantwortlich sind, dann achten Sie auf Meldungen über den aktuellen, regionalen Pollenflug im Radio oder im Internet. An Tagen mit starkem Allergierisiko halten Sie sich möglichst wenig im Freien auf. Im Haus hilft:
- tägliches Staubwischen und häufige, möglichst feuchte Bodenreinigung
- gründliches Durchlüften nach Regen
- keine getragene Kleidung im Schlafzimmer aufbewahren, weil Pollen an ihr haften
- Wäsche nur in Innenräumen trocknen
- eventuell Luftfilter im Schlafzimmer einbauen
- abends Haare waschen
- Pollenschutzgitter vor dem Fenster können bis zu 85% der Pollen abhalten
- lüften, wenn die Pollenkonzentration am niedrigsten ist (in der Stadt morgens zwischen 6 und 8 Uhr, in ländlichen Regionen eher abends zwischen 18 und 24 Uhr)