Bleiben Sie gesund - ein Nachmittag mit Peter Escher in Chemnitz Foto: Sándor Mohácsi
Peter Escher begeistert in Chemnitz mit seinem Programm über das gesunde Altern – zwischen Lachen, Lernen und Lebenslust.
„Bleiben Sie jung – im Herzen, im Geist, in den Knochen“
Ein Freitagnachmittag in Chemnitz. Der große Hörsaal der Technischen Universität ist bis beinahe auf den letzten Platz gefüllt. Etwa 500 Zuhörerinnen und Zuhörer, die meisten jenseits der 60, haben sich eingefunden, um einem Mann zuzuhören, den fast alle kennen: Peter Escher.
„Wer kennt ihn?“, fragt die Gastgeberin des Seniorenkollegs in die Runde – und kaum eine Hand bleibt unten. Der bekannte Fernsehjournalist, fast 20 Jahre lang das Gesicht der MDR-Ratgebersendung Ein Fall für Escher, ist an diesem Tag nicht als Verbraucherschützer gekommen, sondern als Botschafter für Gesundheit, Lebensfreude und Eigenverantwortung im Alter. Und er kommt, wie man ihn kennt: charmant, schlagfertig, mitten aus dem Leben.
„Wenn man Lust hat auf das, was man macht, wird man nicht krank“
Schon in den ersten Minuten zieht Escher sein Publikum in den Bann. Mit seinem unverwechselbaren Humor erzählt er Anekdoten aus dem Berufsleben – 850 Sendungen habe er moderiert, „und 849 Mal war ich gesund und munter am Start. Nur einmal völlig heiser – da klang ich wie Joe Cocker und Tina Turner zusammen.“
Krankheit, sagt Escher, sei nicht nur eine Frage der Medizin, sondern oft auch eine des Sinns: „Wer Lust hat auf das, was er tut, wird nicht krank.“
Mit dieser Haltung führt er durch den Nachmittag – eine Mischung aus Erzählung, Vortrag und Gespräch, getragen von der Erfahrung eines Mannes, der vielen Menschen zugehört hat und weiß, wie man Herz und Verstand erreicht.
Von 100-jährigen Marathonläufern und alten Freunden
„Mir würden 99 Jahre reichen – aber bitte bei guter Gesundheit“, sagt Escher, bevor er auf einer Leinwand den indischen Marathonläufer Fauja Singh zeigt. Erst mit 89 begann Singh zu trainieren, mit 92 lief er seinen ersten Marathon in etwas mehr als fünf Stunden. Als Hundertjähriger trat er in Toronto an, kam ins Ziel und wurde gefeiert – mehr als die Sieger.
„Das zeigt uns: Es ist nie zu spät, etwas Neues anzufangen.“ Escher versteht es, große Themen leicht zu machen. Wenn er von Herbert Blomstedt erzählt, dem 98-jährigen Gewandhausdirigenten, der noch immer Bruckner ohne Partitur dirigiert, oder von Herbert Köfer, der „mit 100 noch Quark mit Leinöl“ liebte, dann klingt daraus eine leise Bewunderung für das gelebte Leben.
„Das Ziel ist nicht, möglichst alt zu werden“, sagt Escher, „sondern möglichst lange gesund und lebensfroh zu sein.“
„Bewegung ist Leben“
Nach der launigen Einführung bittet Escher nacheinander seine Gesundheitsexperten auf die Bühne – die das Thema mit wissenschaftlicher Tiefe und alltagstauglichen Ratschlägen ergänzen.
Da ist Paul Franzke, Sporttherapeut am Klinikum Chemnitz, der über die Bedeutung von Muskelkraft im Alter spricht: „Jedes Jahr verlieren wir ein Kilo Muskelmasse – wenn wir nichts dagegen tun.“
Seine Botschaft: Krafttraining ist wichtiger als Ausdauertraining. „Nicht nur wegen der Sturzgefahr – Muskeln sind auch gut für die grauen Zellen.“
Nachdem Escher seine Jacke im warmen Hörsaal auszog, kommentierte er mit Witz: „Ich hab mich nicht ausgezogen, um meine Bizeps zu zeigen – die lassen noch etwas zu wünschen übrig. Aber ich arbeite daran.“
Das Publikum lacht, aber die Botschaft sitzt. Als Franzke einfache Übungen demonstriert – Kniebeugen, Zehenwippen, Wandliegestütze, Einbeinstände beim Zähneputzen – machen viele im Saal spontan mit.
Escher ergänzt mit der Botschaft: „Die gefährlichste Bewegung ist … keine Bewegung!“
Vorsorge ist Verantwortung – für sich selbst
Anschließend übernimmt Marco Häußler von der Gesundheitskasse AOK PLUS. Er spricht über Vorsorge, Darmspiegelung und Früherkennung.
Escher ergänzt mit einer persönlichen Geschichte: Ein Freund sei an Darmkrebs gestorben, weil er nie zur Vorsorge ging. „Er war knapp über 70, das hätte nicht sein müssen.“
Häusler erklärt, welche Vorsorgeprogramme Krankenkassen heute fördern – von Herz-Kreislauf-Kursen bis zu Krebs-Screenings. „Jeder Euro, den wir heute investieren, spart morgen drei.“
Und er ruft auf, Verantwortung zu übernehmen – nicht für die Krankenkasse, sondern für sich selbst.
„Du bist, was du isst“ – mit Genuss
Der Ernährungsexperte Axel Engelhardt bringt praktische Tipps mit: „Wir sind genetisch immer noch Jäger und Sammler. Unser Körper verträgt das, was die Natur vorgesehen hat – nicht das, was bunt verpackt im Supermarktregal steht.“
Er zeigt, wie man aus Quark, Haferflocken und Apfel in 15 Minuten ein gesundes Brot backt.
Escher witzelt: „Trocken Brot macht Wangen rot. Das ist doch hoffentlich nicht alles, was bei Ihnen auf den Tisch kommt?!“ – Gelächter im Saal.
Doch Engelhardt bleibt ernst: „Gesunde Ernährung ist kein Verzicht, sondern Wertschätzung für sich selbst. Und ein Glas Wein darf dazugehören.“
Am Ende sagt er einen Satz, der hängen bleibt: „Wir machen Gesundheit oft zu kompliziert. Es reicht, wenn sie uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert.“
„Der Kopf will bewegt werden – und das Herz auch“
Zum Abschluss spricht Dr. Mirko Wegscheider, Neurologe am Klinikum Chemnitz, über Demenzprävention. Sein Credo: Bewegung, Gemeinschaft, Schlaf und Dankbarkeit.
„Bleiben Sie neugierig, pflegen Sie Freundschaften, tanzen Sie, lachen Sie“, sagt er. Studien zeigten, dass Tanzen die Gehirnleistung enorm steigern kann. „Sie müssen der Musik zuhören, sich im Takt bewegen, auf Ihren Partner und auch noch auf die anderen Tanzpaare achten – das aktiviert alle Sinne.“
Escher greift den Gedanken auf: „Meine Frau liebt Tango Argentino. Mir fiel’s anfangs ganz schön schwer. Aber jetzt gehen wir gern zur Milonga.“
Auch über Schlaf spricht der Arzt: „20 Minuten Mittagsschlaf reichen, um Erinnerungen zu festigen.“
Und über Humor: „Lachen ist die beste Medizin.“ – „Dann bin ich ja heute euer Apotheker“, ruft Escher und erntet schallendes Gelächter.
Das Geheimnis der 100-Jährigen
Zwischen den Expertenvorträgen zeigt Escher Bilder aus den „Blue Zones“ – jenen Regionen, in denen Menschen besonders alt werden: Okinawa, Sardinien, Costa Rica …
„Das Geheimnis ist einfach“, sagt er. „Bewegung, Gemeinschaft, sinnvolle Beschäftigung. Wer gebraucht wird, lebt länger.“
Dann zitiert er eine 95-jährige Lausitzerin namens Lore, die er vor kurzem getroffen hat:
„Du bist reich, du weißt nicht wie – Gesundheit und Zufriedenheit,
ein bisschen Glück und Gemütlichkeit.
Da hast du das schönste Leben.“
Im Saal wird es still.
Ein Schlusschor voller Lebensfreude
Doch Peter Escher wäre nicht Peter Escher, wenn er den Nachmittag nicht mit einem Lächeln enden ließe. Gemeinsam mit dem Publikum stimmt er den Song „Wir sind alle über 40“ an. Der ganze Saal singt, viele klatschen im Takt.
„Danke für Ihre Offenheit, für Ihre Zeit, für Ihre Lust am Leben“, sagt Escher zum Abschied. „Bleiben Sie jung – im Herzen, im Geist, in den Knochen.“
Dann überreicht er seinen Experten Weinflaschen mit der Aufschrift Weingut Escher – „Leider nicht von mir als Winzer“, scherzt er, „aber der Weißburgunder schmeckt trotzdem gut.“
Applaus brandet auf, langanhaltend. In den Gesichtern: Freude, Rührung, ein bisschen Stolz. Und vielleicht auch das stille Versprechen, morgen die Treppe zu nehmen statt den Aufzug.