Auf Ex! Kostbare Trinkpokale im Grünen Gewölbe in Dresden

Ein Jungfrauenbecher gehört zu den herausragenden Exponaten der Ausstellung "Auf Ex!" im Grünen Gewölbe. Foto: Grünes Gewölbe/SKD

Ein Jungfrauenbecher gehört zu den herausragenden Exponaten der Ausstellung "Auf Ex!" im Grünen Gewölbe. Foto: Grünes Gewölbe/SKD

Darauf ein Prosit: Eine kleine, aber feine Sonderausstellung im "Grünen Gewölbe" im Residenzschloss Dresden widmet sich ab 16. Juli der Trinkkultur. Außergewöhnliche Trinkpokale und Trinkgefäße sind zu sehen.

 Im Zentrum der Sonderausstellung „Auf Ex! Willkommpokale im Grünen Gewölbe“ stehen 23 ausgesuchte Trinkgefäße und Trinkpokale, davon 17 aus dem Bestand des Grünen Gewölbes der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Diese sogenannten Willkommpokale mussten hochrangige Gäste des Dresdner Hofes zur Begrüßung vollständig leeren. Ausgehend von diesen originellen Meisterwerken der Goldschmiedekunst widmet sich die Schau den ausschweifenden Trinksitten der Renaissance und des Barock.

Skurrile und spektakuläre Trinkgefäße

Die Auswahl spektakulärer und teils skurriler Exemplare aus Silber, ergänzt durch Beispiele aus Glas, Porzellan und Stein führt die beeindruckende Formenvielfalt der Trinkgefäße vor Augen. Der Fantasie der Goldschmiede waren keine Grenzen gesetzt. So gab es neben klassischen Pokalen, Bechern und Humpen ungewöhnliche Formen wie Schiffe, Fässer und Windmühlen.

Nicht nur diese, sondern auch tierförmige Gefäße, etwa in Gestalt von Pferden, Bären oder Hirschen, stellten die Trinkende vor eine Herausforderung. Wer die jeweils erforderliche Handhabung nicht kannte, lief Gefahr, den Inhalt zu verschütten oder das Gefäß nicht vollständig leeren zu können. Die Folge: Es wurde abermals vollgeschenkt.

Willkomm in Gestalt einer Eule für Schloss Kalckreuth, wohl süddeutsch, um 1540. Foto: Grünes Gewölbe, SKD
Willkomm in Gestalt einer Eule für Schloss Kalckreuth, wohl süddeutsch, um 1540. Foto: Grünes Gewölbe, SKD

Häufig nehmen die Trinkpokale spielerisch auf die Funktion der Gebäude Bezug, in denen sie gereicht wurden, so die hirschförmigen Trinkgefäße, die meist für Jagdschlösser vorgesehen waren. Im kurfürstlichen Weingut Hoflößnitz wurde aus einem Winzerpaar getrunken. Herausragend ist der sogenannte Schlösschenpokal des Dresdner Goldschmieds Georg Mond (gestorben 1623). Das 65,5 cm hohe Gefäß zeigt ein detailreiches Modell des schon im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Lusthauses auf der Festung Sonnenstein in Pirna. Der Pokal ist der einzige erhaltene Beleg dafür, wie das Gebäude ausgesehen hat.

Der Jungfrauenbecher

Der beliebte Typus des Jungfrauenbechers kam wohl Mitte des 16. Jahrhunderts auf. Er hatte insbesondere bei Hochzeiten seinen großen Auftritt. Die Goldschmiedearbeit in Form einer festlich gekleideten Dame hält zwei Gefäße vor: den großen glockenförmigen Rock, der in umgedrehtem Zustand befüllt wurde, und den kleineren, beweglichen Becher in den erhobenen Händen der Figur. Das Hochzeitspaar mussten die beiden mit Wein gefüllten Gefäße gleichzeitig oder nacheinander austrinken, ohne etwas zu verschütten. Wie dieses Scherzgefäß gehandhabt wurde, zeigt ein Film.

Trinkbücher aus Zeiten August des Starken 

In einer weiteren Medienstation kann das Publikum in Trinkbüchern aus der Zeit Augusts des Starken blättern, die im Vorfeld der Ausstellung vollständig digitalisiert und transkribiert wurden. Neben den Unterschriften der Gäste sind launige Trinksprüche zu lesen.

Eines der Trinkbücher wird in der Ausstellung zum ersten Mal mit dem zugehörigen monumentalen Deckelpokal aus Glas präsentiert. Ein anderes dokumentiert vier Gelage nach Jagden in der Dresdner Umgebung in den Jahren 1710, 1714, 1715 und 1728.

Willkommgefäße aus der Porzellansammlung, dem Kunstgewerbemuseum und der Rüstkammer ergänzen die hochkarätige Auswahl aus dem Grünen Gewölbe und zeigen die Vielfalt der fantasievollen Objektgattung. Den größeren kulturgeschichtlichen Zusammenhang illustrieren weitere Leihgaben aus dem Kupferstich-Kabinett, der Gemäldegalerie Alte Meister, dem Münzkabinett sowie der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und der Stiftung Hoflößnitz. Zudem werden zwei jüngst neu entdeckte Schießpokale aus Privatbesitz vorgestellt. Sie waren attraktive Gewinne, die Kurfürst Johann Georg II. den siegreichen Schützen bei festlichen Preisschießen gewidmet hatte.  

Programm zur Ausstellung

Die Ausstellung ist Teil des Programms zum 300-jährigen Jubiläum des Grünen Gewölbes. Zugleich bildet sie den Abschluss eines zehnjährigen Forschungsprojekts zum bedeutenden Bestand an Goldschmiedearbeiten im Grünen Gewölbe, in dessen Rahmen ein dreibändiger Katalog entstand, der erstmals die insgesamt 348 Objekte der Sammlung zugänglich macht und über deren Geschichte und Funktion im Rahmen der höfischen Repräsentation informiert.

Ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm ergänzt die Ausstellung. An drei Terminen, am 8. August sowie am 19. und 20. September 2026, wird eine Sonderführung durch die Ausstellung angeboten, in deren Anschluss eine Weinprobe auf dem Weingut Hoflößnitz in Radebeul samt Erläuterungen zur Geschichte des sächsischen Weinbaus stattfindet. Sechs Vorträge vertiefen das Thema und bieten unterhaltsame Einblicke in historische Trinksitten und -gebräuche.

 Laufzeit: 16. Juli 2026 bis 3. Januar 2027

Öffnungszeiten: täglich 10—17 Uhr, Dienstag geschlossen, Freitag 10—19 Uhr

Eintrittspreise: regulär 18 Euro, ermäßigt 13,50 Euro

Die Kombiführung kann gebucht werden unter besucherservice@skd.museum oder telefonisch unter 0351 – 4914 2000.

Katalog: Goldschmiedekunst im Grünen Gewölbe. Herausgeber: Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Ulrike Weinhold, Theresa Witting, 1108 Seiten, 3 Bände, Sandstein-Verlag, 148 €, ISBN 978-95498-825-9

Begleitheft: Kostenlos in der Ausstellung erhältlich, 48 Seiten, ISBN 978-3-944555-22-5

 

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