Museums-Geschäftsführer André Döhring lehnt am Prunkstück der Casanova-Ausstellung, einer Kutsche aua der Netflix-Serie "Die Kaiserin". Foto: PR
In Dresden widmet sich ab 31. Oktober das Casanova-Museum dem berühmtesten Verführer der Welt. Doch das Museum beweist: Carsanova ließ nicht nur Frauenherzen höher schlagen. Der gebürtige Venezianer hatte vielseitige Talente.
Das erste deutsche Casanova-Museum öffnet am 31. Oktober in der Dresdner Altmarktgalerie seine Türen. Es ist auf zwei Etagen und 900 qm dem berühmten Verführer Giacomo Casanova (1725-1798) gewidmet. "Wir zeigen auf 13 Stationen erstmals sein gesamtes Leben, das weit mehr war als das eines erfolgreichen Verführers", so Geschäftsführer André Döhring. Und das, obwohl Casanova in seinen eigenen Aufzeichnungen schon weit über 100 Damen erwähnt!
Casanova war ein Multitalent
Doch Döhring hat natürlich Recht: "Giacomo Casanova war ein Multitalent: Der studierte Kirchenrechtler wirkte als Geiger, Gesandter, Wissenschaftler und Schriftsteller." Über 40 Bücher stammen aus seiner Feder. "Er diskutierte auf Augenhöhe mit den Großen seiner Zeit, darunter Voltaire und Friedrich dem Großen." Casanova war aber vor allem auch imstande, sich zu vermarkten. Seine spektakuläre Flucht aus den berüchtigten Bleikammern in Venedig macht ihn anno 1756 berühmt und zum gern gesehenen Gast in hochwohlgeborenen Kreisen. Aus heutiger Sicht: ein cleverer Influencer.

"Viele Darstellungen seiner Person werden ihm schlicht nicht mehr gerecht. Bislang regiert das Klischee", weiß Döhring. Casanovas Urgroßnichte Elisabeth-Joe Harriet, eine Dame von 71 Lenzen, ist sich sicher: "Casanova war kein Casanova." Sie kommt im Museum in einem Video zu Wort und will sich auch persönlich von Wien aus auf die Reise nach Dresden begeben, um sich das Museum anzuschauen.
200 Exponate sind zu sehen
Zu sehen gibt es viel: 200 Exponate werden gezeigt - darunter ein Originalbrief von Casanova, Schriften, Masken, Gewänder, Münzen und Abbildungen. Zwei Gegenstände stechen besonders ins Auge: eine venezianische Gondel und eine golden glänzende Kutsche. Letztere bringt 750 Kilo auf die Waage und entstammt der Netflix-Serie "Die Kaiserin" (2022). Das Original-Filmrequisit wurde in der oberfränkischen Werkstatt von Stellmacher Jörg Wildung gefertigt.

Weitere Kostbarkeiten sind zwei Gemälde von Casanovas Bruder Francesco und 13 Zeichungen von Salvador Dali, die sich dem Thema Casanova widmen. Die Bleikammer, in der Casanova eingesperrt war, wurde in Originalgröße nachgebildet, sein Fluchtweg in Comic-Manier aufgezeichnet. Naturlich fehlt auch ein großes Lotterbett nicht mit dem Hinweis auf die acht Herzdamen,denen Casanova am innigsten zugetan war.
Warum ein Casanova-Museum in Dresden?
Weil Casanova nicht nur die Damenwelt, sondern auch Dresden liebte und der Stadt sehr verbunden war. Museumsleiter Torsten Hilscher kennt den historischen Hintergrund: "Giacomo Casanove weilte oft monatelang in Dresden. Hier besuchte er gern Bordelle, aber auch den kursächsischen Hof und die eigene Familie. Seine Mutter arbeitete 30 Jahre lang als königliche Schauspielerin in Elbflorenz und wurde hier auch begraben. Sein Bruder Giovanni fungierte 19 Jahre lang als Direktor der Königlichen Kunstakademie Dresden. Bruder Francesco, ebenfalls Maler, studierte in den Gemäldesammlungen die alten Meister. Schwester Maddalena wirkte acht Jahre als Tänzerin an der Hofoper, bevor sie mit einem Dresdner Musiker ihre Familie gründete." Es steckt also viel Dresden in Casanova.
Auch viel unbekanntes. Oder hätten Sie gewusst,
- dass Casanova 150 Städte in 18 Ländern bereiste und dabei für die damalige Zeit erstaunliche 65 000 Kilometer zurücklegte
- dass Casanova gern spielte und 1757 die französische Lotterie mitbegründete und zugleich sechs Lizenzen für Spielstätte innehatte
- dass Casanova ein Freimauer war
- dass Casanova einen utopischen Roman schrieb, in dem Eduard und Elisabeth - lange vor Jules Verne - ins Innere der Erde reisen?
Besucherinfos zum Museum
Das Museum erwartet jährlich bis zu 60 000 Gäste. Es liegt am Altmarkt im 1. und 2. Stock des historischen Kopfbaus. Vom Museum hat man einen Blick auf den Kulturpalast und die Schloßstraße. Man erreicht das Museum von der Frauenkirche am Neumarkt in nur drei Minuten; vom Postplatz sind es zwei Minuten, vom Zwinger aus kaum 4 Minuten. Das neue Museum ist Teil der Altmarkt-Galerie.
Öffnungszeiten: Mo-So, 10-20 Uhr
Eintrittspreis : flexibel nach Zeittfenstern, ab 10 Euro. Senioren erhalten Ermäßigung.
Alle Infos unter www.casanova-dresden.de.
Ist die Ausstellung für Familien geeignet?
Unbedingt. Das Museum zeigt attraktive Exponate zum Anfassen und verfügt über mehrere Mitmachstationen. Eine eigene zauberhafte Abteilung widmet sich ausschließlich dem Thema Kind. Sollte es zu erotisch werden, gewährt ein Schlüsselloch nur "Großen" den Blick aufs Exponat.
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