Osterspaziergang in Radebeul

Bauherr Gastronom und Rene Kuhnt lädt am Ostersonntag in die Radebeuler "Villa Kolbe" ein. Foto: Katrin Koch

Bauherr Gastronom und Rene Kuhnt lädt am Ostersonntag in die Radebeuler "Villa Kolbe" ein. Foto: Katrin Koch

Zu einem österlichen Vergnügen, an dem auch Goethe seine Freude gehabt hätte, lädt der Dresdner Unternehmer René Kuhnt ein. Im Park seiner Radebeuler "Villa Kolbe" kann jedermann einen Osterspaziergang erleben.

Der Unternehmer Rene Kuhnt ist längst kein Unbekannter mehr. Er hat sich als Gastronom im Kraftwerk Mitte, wo er das Bistro "T1" und das Restaurant "Kulturwirtschaft" betreibt, oder auch mit dem Gasthaus Rennersdorf und dem Café Solo im Kulturpalast einen im Wortsinn klingenden  Namen gemacht. Denn Kuhnt steht dafür, außergewöhnliches Ambiente mit Kunst und Kultur zu verbinden. 

Bei Kuhnt wird nicht einfach gegessen, bei Kuhnt genießen auch die Augen, schweift der Blick über einen opulenten Mix aus Industriearchitektur, Barock, Jugendstil und überquellender Flora. Kuhnt blickt über den Tellerrand hinaus, lädt zu Konzerten, musikalischen Lesungen und Performances ein.  So auch in seinem jüngsten Objekt: der Villa Kolbe in Radebeul.

Als  Macher und für sein Gespür für erhaltenswerte Architektur  bekannt, vertraute ihm die Stadt Radebeul die unter Denkmalschutz stehende "Villa Kolbe" an. Der niedrige Kaufpreis ging mit dem Ansinnen Hand in Hand, die 1890 erbaute, seit 30 Jahren leerstehende Villa nicht einfach nur zu sanieren (für immerhin rund sechs Millionen Euro), sondern sie für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zumindest teilweise. 

Genau das macht Kuhnt schon in der Bauphase. In den maroden, jedoch mit liebevoller Hand dekorierten Räumen wurde schon gefeiert, im Park Glühwein ausgeschenkt, ein Solo-Theaterstück aufgeführt. Zu Ostern setzt René Kuhnt dieses Kulturverständnis fort. 

Im Park hat er schon vor Wochen für Aufsehen gesorgt - mit dem Aufstellen eines goldenen, über zwei Meter großen  Rieseneis. "Seither sprechen mich Passanten an. Viele sind neugierig, wollen wissen wie es mit der Villa weitergeht", freut sich Kuhnt über das Interesse. Nicht ohne Grund hat er den Radebeulern ein Ei "gelegt".

"Ich lade am 5. April, am Ostersonntag, zum Familien-Osterfest ein", so Bauherr Kuhnt. Von 13 bis 19 Uhr erklingt klassische Musik im Park - gespielt von Musikern der Philharmonie. "Goethes Osterspaziergang wird gelesen, Osternester können gebastelt und Eier gefärbt werden." 1000 bunte Plastikeier will Kuhnt im Park verstecken. "Kinder können sie dann beim Osterhasen gegen Schokolade eintauschen", freut er sich auf ein turbulentes Osterfest mit Kaffee, Kuchen und Imbissangeboten. "Außerdem werde ich drei goldene Ostereier verstecken." Wer sie findet, kann sich über eine Fahrt mit dem Lößnitzdackel, einen Einkaufs- oder Restaurantgutschein freuen.

Die Geschichte der Villa 

Die Villa Kolbe wurde 1890 nach Entwürfen des Berliner Architekten Otto March im Stil der Neorenaissance erbaut. Auftraggeber war der Chemiker Carl Kolbe (1855–1909). Er wurde durch die Herstellung von Salicylsäure (Ausgangsstoff für Aspirin) in der weltweit ersten Arzneimittelfabrik in Radebeul reich. Nach seinem Tod wechselten die Besitzer mehrfach, 1920 zog der Chirurg Anton Johannes Kohlmann (1886–1949) samt Klinik ein. Bis in die 70er Jahre blieb die Villa im Besitz der Familie, wurde als Außenstelle des Kreiskrankenhauses, später als Orthopädie und Werkstatt des Vereins Lebenshilfe genutzt. Seit 1995 stand das Haus leer. 2024 übertrug die Eigentümergemeinschaft, die einen 12-Wohneinheiten-Neubau errichten wollte, wegen nicht erreichbaren Baurechts die 66-Zimmer-Villa samt 9100 Quadratmetern Park an die Stadt. Diese Verkaufte die Immobilie 2025 an René Kuhnt. 

Stück für Stück wird die Villa Kolbe saniert. Foto: Katrin Koch
Stück für Stück wird die Villa Kolbe saniert. Foto: Katrin Koch


Goethes  Osterspaziergang 

Wer für Ostern noch nicht ganz textsicher ist - kann den "Osterspaziergang" noch einmal nachlesen. Johann Wolfgang von Goethe schrieb das Gedicht 1808, es ist Teil seines berühmtes Werkes "Faust".

Osterspaziergang 

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,

Im Tale grünet Hoffnungsglück;

Der alte Winter, in seiner Schwäche,

Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dorten sendet er, fliehend, nur

Ohnmächtige Schauer körnigen Eises

In Streifen über die grünende Flur;

Aber die Sonne duldet kein Weißes,

Überall regt sich Bildung und Streben,

Alles will sie mit Farben beleben;

Doch an Blumen fehlt’s im Revier,

Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen

Nach der Stadt zurückzusehen.

Aus dem hohlen, finstern Tor

Dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,

Denn sie sind selber auferstanden;

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,

Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,

Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,

Aus der Straßen quetschender Enge,

Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht

Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge

Durch die Gärten und Felder zerschlägt,

Wie der Fluß in Breit’ und Länge

So manchen lustigen Nachen bewegt,

Und bis zum Sinken überladen

Entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden

Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,

Hier ist des Volkes wahrer Himmel,

Zufrieden jauchzet groß und klein:

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein." 

Ihre Daten sind uns wichtig, und wir würden gerne Cookies verwenden, um Ihren Besuch auf unserer Seite verbessern zu können.