Mehr Anerkennung fürs Ehrenamt - spürbare Steuerentlastung

Ehrenamt macht Spaß! Und profitiert von neuen, steuerlichen Regelungen

Es gibt regelmäßig Ehrenamtsbörsen, die von Ehrensache.jetzt. organsisiert werden, wie hier im Rathaus Dresden. Foto: Ehrensache.jetzt.

Ob im Sportverein, in der Feuerwehr, in Kulturprojekten oder in der Nachbarschaftshilfe – Millionen Menschen in Deutschland setzen sich freiwillig für Andere ein. Rund 27 Millionen Bürger schenken ihre Zeit, geben ihr Wissen weiter oder stehen im Ernstfall bereit, um Leben zu retten. Dieses Engagement ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts. Oft bleibt die Arbeit jedoch im Hintergrund, und finanzielle Anerkennung gibt es nur in begrenztem Umfang. Ab Januar ändern sich die Rahmenbedingungen spürbar: Ein neues Steuerpaket sorgt dafür, dass ehrenamtliche Helfer künftig höhere steuerfreie Pauschalen nutzen können.


Wo Ehrenamt am häufigsten gelebt wird

Die Möglichkeiten des freiwilligen Einsatzes sind so vielfältig wie die Menschen, die sich engagieren. Besonders häufig findet man Ehrenamtliche in gemeinnützigen Vereinen – sei es im Sport, in der Kultur oder in der sozialen Arbeit. Auch beim Deutschen Roten Kreuz, in kirchlichen Einrichtungen oder in der freiwilligen Feuerwehr sind viele Helfer aktiv. Ebenso wichtig sind Wahlhelfer, Schöffen oder Mitglieder in Gemeinderäten, die ihre Zeit investieren, um demokratische Abläufe zu unterstützen. Vereinsvorstände übernehmen Verantwortung dort, wo Institutionen vom Mitwirken leben.

Höhere Steuerfreibeträge ab 2026

Wer im Ehrenamt tätig ist, kann für seine Aufwendungen eine finanzielle Entschädigung erhalten. Diese sogenannten Pauschalen sollen Aufwand abdecken, ohne dass dafür Steuern anfallen. Durch die neuen Regelungen steigen die möglichen Beträge deutlich:

Übungsleiterpauschale: Ab Januar 2026 dürfen bis zu 3.300 Euro pro Jahr steuerfrei gezahlt werden (bisher 3.000 Euro). Sie gilt für Tätigkeiten, die pädagogische, pflegerische oder künstlerische Inhalte haben – etwa als Trainer, Chorleiter, Jugendgruppenleiter oder als musikalischer Begleiter in einer Gemeinde.

Ehrenamtspauschale: Zusätzlich können 960 Euro jährlich steuerfrei eingesetzt werden (vorher 840 Euro). Sie kann für nahezu jede ehrenamtliche Tätigkeit genutzt werden, etwa für Verwaltungsarbeiten im Verein oder organisatorische Aufgaben.

Beide Pauschalen können kombiniert werden, sofern es sich um voneinander unabhängige Tätigkeiten handelt. Wer etwa als Jugendtrainer 2.000 Euro erhält und zusätzlich 1.200 Euro für Verwaltungsaufgaben bekommt, muss nur den über die 960 Euro hinausgehenden Teil versteuern – in diesem Fall 240 Euro.

Voraussetzungen für die Übungsleiterpauschale

Damit der höhere Freibetrag genutzt werden kann, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein:

Die Tätigkeit darf nur nebenberuflich ausgeübt werden. Das bedeutet, sie darf zeitlich nicht mehr als ein Drittel einer Vollzeitanstellung ausmachen – etwa 12 bis 15 Stunden pro Woche.

Auch Rentner können problemlos in den Genuss der Pauschale kommen, denn die Rente gilt als Haupttätigkeit.

Inhaltlich muss die Arbeit pädagogisch, pflegerisch oder künstlerisch geprägt sein. Dazu zählen auch Aufgaben wie die Betreuung älterer oder behinderter Menschen.

Wichtig zu wissen: Für beide Pauschalen fallen keine zusätzlichen Kranken- oder Pflegeversicherungsbeiträge an.

Versicherungsschutz: Was Ehrenamtliche beachten sollten

Wer sich engagiert, ist in der Regel über die Unfallkassen der Länder gesetzlich versichert – zumindest dann, wenn keine andere Versicherung greift. Für viele Vereine und Organisationen empfiehlt sich dennoch eine ergänzende Absicherung, vor allem für Tätigkeiten mit erhöhtem Risiko. Nicht in jedem Fall gelten Helfer automatisch als Ehrenamtliche. Vorstandsmitglieder etwa müssen sich separat freiwillig versichern.

Der Schutz umfasst Unfälle während der Tätigkeit sowie auf dem direkten Hin- und Rückweg. Im Schadensfall muss der Unfall mit genauer Beschreibung der Aufgabe gemeldet werden. Eine formale Registrierung als Ehrenamtlicher ist jedoch nicht notwendig.

Warum sich Engagement auch persönlich lohnt

Neben der steuerlichen Entlastung bietet freiwillige Arbeit einen weiteren Vorteil: Sie stärkt das eigene Profil. Viele Arbeitgeber schätzen Menschen, die Verantwortung übernehmen, organisiert arbeiten und soziale Kompetenz zeigen. Wer seine Tätigkeiten dokumentiert, kann sie in Bewerbungen oder im Lebenslauf positiv hervorheben.

Für Rentner bietet freiwilliges Engagement gleich mehrere Vorteile:

1. Soziale Kontakte und Teilhabe

Mit dem Ausstieg aus dem Berufsleben fallen oft tägliche Begegnungen weg. Ein Ehrenamt schafft neue Kontakte, stärkt soziale Bindungen und verhindert Einsamkeit. Viele Rentner berichten, dass sie sich durch ihr Engagement wieder stärker eingebunden und gebraucht fühlen.

2. Mentale und körperliche Aktivität

Wer aktiv bleibt, fördert sein Wohlbefinden. Ob im Sportverein, als Betreuer von Kindergruppen oder in der Kultur – Ehrenamt fordert Geist und Körper heraus und hilft, geistig fit und körperlich mobil zu bleiben.

3. Sinn und Struktur im Alltag

Viele ältere Menschen genießen ihre freie Zeit, vermissen jedoch gelegentlich ein klares Ziel. Ehrenamtliche Aufgaben geben dem Tag Struktur und vermitteln das Gefühl, weiterhin einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten.

4. Finanzielle Vorteile

Die erhöhten steuerfreien Pauschalen sind gerade für Rentner attraktiv. Denn die Übungsleiter- oder Ehrenamtspauschale wird nicht auf die Rente angerechnet und bleibt ohne zusätzliche Abgaben. Dadurch können Rentner ihre Einkünfte spürbar steigern, ohne steuerliche Nachteile.

5. Anerkennung der eigenen Lebens- und Berufserfahrung

Rentner verfügen über jahrzehntelange Erfahrung, die in vielen Bereichen äußerst wertvoll ist. Vereine, Schulen, soziale Einrichtungen und Kommunen profitieren davon – und die Ehrenamtlichen selbst erleben, dass ihr Wissen weiterhin gebraucht wird.

Ehrensache.jetzt!

In Dresden und Ostsachsen koordiniert die Bürgerstiftung Dresden mit der Initiative Ehrensache.jetzt die Ehrenamtsarbeit. Sie hilft Vereinen und engagierten Menschen dabei, zueinander zu finden, und stärkt so nachhaltig das Netzwerk des bürgerschaftlichen Engagements.

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