Junge Rauchschwalben im Nes. Foto: NABU/Ingrid Marquardt
Die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) und der NABU Sachsen feiern das 10-jährige Jubiläum der Mitmachaktion "Schwalben willkommen". Ziel dieser sachsenweiten Aktion ist der Erhalt von Brutplätzen der gebäudebewohnenden Rauch- und Mehlschwalben sowie die Verbesserung der Akzeptanz ihrer Brutstätten.
Die beiden Vogelarten, auch Töpferschwalben genannt, bauen ihre Nester im unmittelbaren Wohnumfeld der Menschen. Das kann zu Konflikten führen. Menschen, die sich für den Erhalt und die Förderung der Schwalbenbruten auf ihren Grundstücken einsetzen, können als Anerkennung die begehrte Plakette "Schwalben willkommen" erhalten. Die Aktion wurde bisher gut angenommen. Mehr als 1.400 Bewerbungen gingen beim NABU ein. Die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt finanziert das Vorhaben.
Schwalben sind Kulturfolger und nisten in unmittelbarer Nachbarschaft des Menschen. Trotz dieser Anpassung gibt ihr Bestand mittlerweile Anlass zur Sorge. Verantwortlich für ihren Bestandsrückgang sind unter anderem unbedachte Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden, der Rückgang von Fluginsekten und der Einsatz von Pestiziden in Gärten und in der Landwirtschaft. Die Konsequenz: Den beiden gebäudebewohnenden Vogelarten geht es in Sachsen nicht gut. Ihre Brutbestände sind nach Angaben der Vogelschutzwarte Neschwitz in den letzten 40 Jahren um etwa 50 Prozent zurückgegangen. Sie stehen mittlerweile auf der Vorwarnliste der bedrohten Arten.
Hauptursache für den erheblichen Bestandseinbruch ist der Rückgang kleiner Fluginsekten. Dieser ist wesentlich der Intensivierung und dem Rückgang der Tierproduktion im ländlichen Raum geschuldet. Ebenso führten Umbauten auf den Gehöften, wie auch der Verschluss von Räumen, in denen Schwalbenbruten bisher möglich waren, zu Bestandsrückgängen. Die trockenen Sommer der letzten Jahre taten das Übrige: Das Nestbaumaterial fehlte und ausgetrocknete Nester stürzten ab.
"Die Zeit drängt: Wir müssen unbedingt etwas gegen den Rückgang unserer Schwalbenpopulation tun", so Robert Clemen, Stiftungsdirektor der LaNU. "Eine extensive Weidetierhaltung und die Förderung artenreichen Grünlandes sind ein Schritt zu mehr kleinen Fluginsekten, die Nahrung der Schwalben sind. Auch die Wiederbelebung des traditionellen Misthaufens kann zu einem gut gedeckten Tisch für die Schwalben führen", ergänzt Clemen.
Nistmöglichkeiten anbieten
Ebenso wichtig ist aber auch, den Vögeln Nistmöglichkeiten anzubieten. In vielen Regionen Sachsens engagieren sich NABU-Mitglieder für Schwalben. Sie geben Tipps, wie mit einfachen Maßnahmen wie Lehmpfützen und Kunstnestern jeder Naturfreund den Schwalben helfen kann.
Die Anbringung von Kotbrettchen unter den Nestern (Abstand mindestens 50 cm zum Nest) und Schutzfolien an Fensterscheiben helfen, die Akzeptanz für Schwalben und den Erhalt ihrer Nester deutlich zu steigern. Naturnahe Gärten und eine naturverträgliche Landwirtschaft tragen dazu bei, dass Schwalben genügend Insektennahrung finden.
Ungefähr eine Woche Zeit brauchen Schwalben, um ihre kunstvollen halbrunden Kugelnester aus feuchtem Lehm, gemischt mit Halmen und ihrem Speichel, zu mauern. Ganz besonders gesellige Baumeister sind die Mehlschwalben. Sie sammeln gern im Trupp Baumaterial und bauen ihre Nester dicht nebeneinander.
Die Mehlschwalbe (Bauch und Kehle sind mehlig weiß) baut ihre Lehmnester ugern nter Dachvorsprüngen an rauhen Außenwänden und in Balkonnischen. Die Rauchschwalbe (Gefieder metallisch glänzend, schwarzblau) baut im Inneren von Ställen, Schuppen oder Rauchfängen.
Wichtig: Rauch-, Mehl- und Uferschwalben unter besonderen Schutz. Es ist verboten, Schwalben nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Sie dürfen nicht erheblich gestört werden. Ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten dürfen nicht aus der Natur entnommen, beschädigt oder zerstört werden. Das Entfernen von Schwalbennestern während der Brutzeit ist ein Straftatbestand und kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.
Sie haben einen Schwalbenbrutplatz entdeckt und möchten dies dem NABU Sachsen mitteilen? Oder bei Ihnen brüten Schwalben und Sie möchten die Schwalbenplakette beantragen? Dann melden Sie sich HIER beim NABU Sachsen an.
