Für den geliebten Hund scheuen Besitzer oft keine Kosten beim Tierarzt. Foto: Pexels/Tima Miroshnichenko
Tierkrankenversicherungen versprechen Schutz vor hohen Tierarztkosten. Doch zwischen den Tarifen gibt es teilweise große Unterschiede. Die Verbraucherzentrale Sachsen erklärt, worauf Tierhalter bei Leistungen, Kosten und Vertragsbedingungen achten sollten.
Für viele Menschen sind Hunde und Katzen mehr als nur Haustiere – sie gehören zur Familie, spenden Trotz und Zuneigung, sorgen für Bewegung und oft auch für Routine im Alltag. Der Mensch fühlt isch gebraucht. Wird das Tier krank oder muss kurzfristig operiert werden, scheuen die meisten Halterinnen und Halter weder Kosten noch Mühen.
Gerade bei aufwendigen Behandlungen von Hund und Katze können jedoch schnell hohe Tierarztkosten entstehen. Viele Haustierhalter denken deshalb über den Abschluss einer Tierkrankenversicherung nach. Doch nicht jede Police bietet wirklich den Schutz, den Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten.
„Tatsächlich unterscheiden sich die Tarife jedoch erheblich hinsichtlich ihres Leistungsumfangs und enthalten oftmals Leistungsgrenzen oder Ausschlüsse“, erklärt Kevin Bauer, Verbraucherberater in Chemnitz.
Seit der Novellierung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) Ende 2022 müssen Tierhalter für tierärztliche Behandlungen häufig deutlich höhere Kosten einkalkulieren. Umso wichtiger ist es, Versicherungsangebote sorgfältig zu vergleichen.
OP-Versicherung oder Vollversicherung?
Grundsätzlich wird zwischen einer Operationskostenversicherung und einer Krankenvollversicherung unterschieden:
Eine OP-Versicherung übernimmt in erster Linie Kosten für chirurgische Eingriffe und die damit verbundenen Behandlungen.
Eine Vollversicherung bietet einen umfassenderen Versicherungsschutz und kann zusätzlich ambulante Behandlungen, Diagnostik oder Medikamente umfassen.
„Verbraucher sollten sich jedoch nicht darauf verlassen, dass eine Vollversicherung automatisch sämtliche Behandlungskosten übernimmt“, so Bauer. „Je nach Tarif können Selbstbeteiligungen, Erstattungsgrenzen, Wartezeiten oder Leistungsausschlüsse vereinbart sein.“ Auch bestimmte Behandlungen, Medikamente, Vorsorgeleistungen, alternative Heilmethoden oder einzelne Eingriffe können ausgeschlossen oder nur teilweise erstattet werden.
Frühzeitig entscheiden
Alter und Gesundheitszustand des Tieres spielen beim Abschluss einer Tierkrankenversicherung eine entscheidende Rolle. Viele Versicherer nehmen nur gesunde Tiere auf oder verlangen für ältere Tiere deutlich höhere Beiträge. Bereits bestehende Erkrankungen sind häufig vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.
Versicherung oder finanzielle Rücklage?
Eine Tierkrankenversicherung ist nicht für jeden Tierhalter die wirtschaftlich sinnvollste Lösung. Wer regelmäßig Geld für unvorhergesehene Tierarztkosten zurücklegen kann, ist unter Umständen auch so gut abgesichert.
„Wer eine Versicherung abschließen möchte, sollte sich zunächst überlegen, welches Risiko tatsächlich abgesichert werden soll“, empfiehlt Kevin Bauer. „Während manche Tierhalter vor allem hohe Operationskosten absichern möchten, wünschen andere einen möglichst umfassenden Versicherungsschutz. Eine kontinuierlich aufgebaute finanzielle Rücklage kann ebenso eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung sein.“
Vor Vertragsabschluss sollten Verbraucher insbesondere folgende Fragen klären:
- Soll lediglich das Risiko hoher Operationskosten abgesichert werden oder auch ambulante Behandlungen?
- Welche Leistungen sind ausdrücklich ausgeschlossen?
- Welche Selbstbeteiligungen und Erstattungsgrenzen gelten?
- Bis zu welchem Gebührensatz der Gebührenordnung für Tierärzte werden Kosten übernommen?
- Welche Wartezeiten gelten?
- Wie entwickeln sich die Beiträge mit zunehmendem Alter des Tieres?
Wer Unterstützung bei der Auswahl einer Tierkrankenversicherung oder beim Vergleich von Versicherungsbedingungen benötigt, kann sich an die Verbraucherzentrale Sachsen wenden. Beratungstermine können online oder telefonisch unter 0341 696 2929 vereinbart werden.
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Tierversicherungen im Test
Das Magazin Focus Money testete 2026 in den Ausgaben 03 und 13 deutsche Tierkrankenversicherer. 13 Anbieter erhielten die Note "sehr gut" . Als fairster Tierversicherer und Leistungsregulierer wurde die Versicherung Hanse Merkus hervorgehoben.
Im Vergleichsportal Check24 werden Tierkrankenversicherungen für Katzen ab monatlich 2,54 Euro und Tierkrankenversicherungen für Hunde ab 6,22 Euro pro Monat verglichen. Sie können Online ganz individuell vergleichen - je nach Rasse, Alter, Haltungsart und anderen Faktoren. Ähnlichen Service bietet das Portal verivox an.
Verivox beziffert auch die am häufigsten anfallenden Operationen und deren Kosten bei Katzen:
- Tumore:Vor allem Hauttumore sind bei Katzen keine Seltenheit, Tumore können aber auch andere Organe befallen. Die Kosten einer Operation belaufen sich auf bis zu 1.200 Euro.
- Kreuzbandriss: Der Erkrankung entsteht meist durch Verschleiß des Kreuzbandes. Die Kosten einer Operation belaufen sich auf mindestens 1000 Euro.
- Harnstein: Die Krankheit entsteht meist durch falsches Futter, Bewegungsmangel und Übergewicht. Eine OP kostet bis zu 400 Euro.
- Zahnbehandlungen: Häufig tritt bei Katzen FORL (feline odontoklastische resorptive Läsion) auf. Die Krankheit ist sehr schmerzhaft. Dabei bauen körpereigene Zellen die Zahnsubstanz ab. Es handelt sich somit nicht um Karies. Als einzig wirksame Therapie müssen die Zähne gezogen werden. Das kann zwischen 500 Euro und 2000 Euro kosten.