Neue Augentropfen gegen Altersweitsichtigkeit: Was das US-Medikament „Vizz“ kann

Ersetzt Vizz auch in Europa bald die Lesebrille?

Ersetzen Augentropfen bald die Lesebrille? Fotos Freepik.

Für viele Menschen ab 45 gehört die Lesebrille zum Alltag – oft früher, als ihnen lieb ist. In den USA sorgt nun ein neues Medikament für Aufmerksamkeit: Unter dem Namen „Vizz“ wurde ein Wirkstoff namens Aceclidin zugelassen, der die Symptome der Altersweitsichtigkeit (medizinisch Presbyopie) deutlich lindern soll. Die Tropfen könnten Betroffenen ermöglichen, bis zu zehn Stunden am Tag ohne Lesebrille auszukommen.

Wie wirken die Tropfen?

Aceclidin sorgt dafür, dass sich die Pupille leicht verengt. Dadurch entsteht der sogenannte „Pinhole-Effekt“: Nur ein kleinerer Lichtstrahl gelangt ins Auge, was die Tiefenschärfe verbessert. Das erleichtert insbesondere das Lesen oder die Arbeit am Smartphone.

In einer klinischen Studie zeigte sich, dass viele Anwenderinnen und Anwender nach dem Eintropfen rund eine halbe Stunde später deutlich schärfer in die Nähe sehen konnten.

Vergleich zu bisherigen Tropfen

Schon 2021 wurden in den USA Augentropfen mit dem Wirkstoff Pilocarpin unter dem Handelsnamen „Vuity“zugelassen. Auch sie verengen die Pupille – allerdings mit einem Nachteil: Pilocarpin beeinflusst zusätzlich den Ziliarmuskel, der für das Scharfstellen im Auge zuständig ist. Das kann zu eingeschränkter Fernsicht führen, was beispielsweise beim Autofahren störend oder sogar riskant sein kann. Pilocarpin wird schon länger auch in Deutschland bei der Behandlung des Glaukom (Grüner Star) verschrieben.

Aceclidin hingegen wirkt zielgerichteter: Die Pupillenverengung erfolgt ohne nennenswerte Beeinflussung des Ziliarmuskels. Deshalb bleibt die Fernsicht nach bisherigen Erkenntnissen überwiegend erhalten – ein entscheidender Vorteil für den Alltag.

Nebenwirkungen und Sicherheit

In Studien mit mehreren hundert Teilnehmenden traten innerhalb von sechs Monaten besonders starken  Nebenwirkungen auf. Häufig beschrieben wurden lediglich leichte, vorübergehende Beschwerden wie:

  • Kopfschmerzen
  • leichtes Brenne der Augen
  • kurzzeitige  Sehschwäche 

Diese klangen in der Regel schnell wieder ab.

Kommt „Vizz“ auch nach Europa?

Der Hersteller Lenz Therapeutics hat angekündigt, eine europäische Zulassung anzustreben. Wann die Tropfen in Deutschland erhältlich sein könnten, ist derzeit jedoch noch offen.

Warum entsteht Altersweitsichtigkeit überhaupt?

Die Presbyopie ist kein Zeichen von Krankheit, sondern eine natürliche Altersveränderung. Mit den Jahren verliert die Augenlinse an Elastizität. Dadurch kann sie sich beim Blick auf nahe Objekte nicht mehr so gut wölben wie früher – das Scharfstellen in der Nähe fällt schwerer. Typischerweise bemerken Betroffene die ersten Anzeichen zwischen 40 und 50 Jahren.


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