Kaffee ist gesund - nur kommt es - wie so oft im Leben - auf das richtige Maß an. Foto: Freepik
Für viele Menschen gehört Kaffee fest zum Alltag: Morgens zum Wachwerden, am Nachmittag als kleine Pause oder als Genussmoment in geselliger Runde. Doch das beliebte Heißgetränk ist offenbar mehr als nur ein Wachmacher. Eine neue wissenschaftliche Studie legt nahe, dass moderater Kaffeekonsum im höheren Alter sogar dabei helfen kann, körperlich länger fit und selbstständig zu bleiben.
Langzeitstudie mit spannenden Ergebnissen
Veröffentlicht wurde die Untersuchung im renommierten *European Journal of Nutrition*. Über einen Zeitraum von sieben Jahren begleiteten Forschende insgesamt 1161 Erwachsene im Alter von über 55 Jahren. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und sogenannten Gebrechlichkeitsmerkmalen zu untersuchen – also typischen Alterserscheinungen wie nachlassender Muskelkraft, Erschöpfung, langsamer Gehgeschwindigkeit oder eingeschränkter Beweglichkeit.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Personen, die regelmäßig zwei bis vier Tassen Kaffee pro Tag tranken, zeigten deutlich weniger Anzeichen von Gebrechlichkeit als Menschen, die kaum oder gar keinen Kaffee konsumierten. Besonders bei Müdigkeit, körperlicher Leistungsfähigkeit und Mobilität schnitten die Kaffeetrinker besser ab.
Warum Kaffee Körper und Geist helfen kann
Ein möglicher Erklärungsansatz liegt im enthaltenen Koffein. Dieser natürliche Wirkstoff stimuliert das zentrale Nervensystem, steigert die Aufmerksamkeit und kann kurzfristig die Muskelaktivität verbessern. Gerade im höheren Alter, wenn Antrieb und Muskelkraft oft nachlassen, könnte dieser Effekt eine wichtige Rolle spielen.
Darüber hinaus enthält Kaffee zahlreiche bioaktive Substanzen, darunter Polyphenole und Antioxidantien. Diese Stoffe stehen im Verdacht, entzündungshemmend zu wirken und Zellschäden durch freie Radikale zu reduzieren. Chronische Entzündungen gelten als ein Mitverursacher von altersbedingtem Muskelabbau und Gebrechlichkeit – ein weiterer möglicher Ansatzpunkt, warum Kaffee eine schützende Wirkung haben könnte.
Die richtige Menge ist entscheidend
So positiv die Studienergebnisse auch klingen: Fachleute betonen, dass es auf die richtige Dosis ankommt. Als gesund gelten im Allgemeinen zwei bis drei, maximal vier Tassen Kaffee pro Tag. Bei höheren Mengen kann der positive Effekt schnell ins Gegenteil umschlagen. Zu viel Koffein kann Nebenwirkungen verursachen, darunter Herzklopfen, erhöhter Blutdruck, Nervosität, Schlafstörungen oder innere Unruhe. Gerade Menschen über 50 reagieren oft empfindlicher auf Koffein als jüngere Erwachsene. Auch bestehende Erkrankungen – etwa Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck – sollten bei der persönlichen Kaffeebilanz berücksichtigt werden.
Die empfohlene maximale Tagesdosis liegt bei rund 400 Milligramm Koffein. Diese Menge kann – je nach Zubereitungsart – bereits mit vier bis fünf Tassen Kaffee erreicht sein.
Auch das Herz profitiert – in Maßen
Dass moderater Kaffeekonsum nicht nur der Beweglichkeit, sondern auch dem Herzen guttun kann, bestätigt auch die British Heart Foundation. Ernährungsberaterin Dell Stanford weist darauf hin, dass zwei bis drei Tassen Kaffee pro Tag mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein können – verglichen mit völligem Verzicht auf Kaffee. Wichtig ist dabei allerdings, auf Zucker, Sahne oder stark gesüßte Kaffeegetränke zu verzichten. Schwarzer Kaffee oder Kaffee mit wenig Milch ist deutlich bekömmlicher und kalorienärmer.
Kaffee allein reicht nicht
So erfreulich die Ergebnisse der Studie sind: Kaffee ist kein Wundermittel gegen das Altern. Auch die Forschenden betonen, dass Gebrechlichkeit immer durch mehrere Faktoren beeinflusst wird. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und soziale Aktivität spielen eine ebenso große Rolle. Neben Kaffee gelten insbesondere eiweißreiche Lebensmittel als wichtig, um Muskelabbau vorzubeugen. Dazu zählen Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Fisch, mageres Fleisch und Nüsse. Auch pflanzliche Stoffe wie Polyphenole, die in Beeren, Olivenöl oder dunkler Schokolade enthalten sind, unterstützen den Körper im Alter.
Ernährungsberaterin Nichola Ludlam-Raine hebt zudem die Bedeutung fermentierter Lebensmittel hervor. Joghurt, Kefir, Sauerkraut oder Kimchi fördern die Darmgesundheit, die wiederum eng mit dem Immunsystem und der allgemeinen Leistungsfähigkeit verknüpft ist. Buntes Obst und Gemüse liefern zusätzlich wichtige Vitamine und Antioxidantien.
Fazit: Genuss mit gesundheitlichem Plus
Es gibt also eine gute Nachricht: Wer Kaffee liebt, muss im Alter nicht darauf verzichten – im Gegenteil. Zwei bis vier Tassen täglich können Teil eines gesunden Lebensstils sein und möglicherweise dazu beitragen, länger beweglich, kräftig und selbstständig zu bleiben. Entscheidend ist, auf das eigene Körpergefühl zu hören, es mit der Menge nicht zu übertreiben und Kaffee als Teil eines ausgewogenen Gesamtkonzepts zu betrachten. Denn wie so oft im Leben gilt auch hier: Nicht ein einzelnes Lebensmittel macht gesund – sondern die richtige Mischung aus Genuss, Maß und Bewegung.
Übrigens: Hier finden Sie einen Ratgeber zur Auswahl der richtigen Kaffeemaschine. Und über die schönsten Cafés in Dresden finden Sie in dem Dresden Magazin einen Bericht.