Immer gut versorgt - das ist der Wunsch eines jeden Menschen für den Lebensabend. Bild: Freepik
Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim steigen weiter deutlich an. Hauptgründe sind höhere Tariflöhne für Pflegekräfte sowie die anhaltende Inflation. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Pflegebedürftige im ersten Jahr ihres Heimaufenthalts inzwischen deutlich tiefer in die eigene Tasche greifen müssen.
Pflegeheim wird immer teurer
Im bundesweiten Durchschnitt liegt der monatliche Eigenanteil im ersten Jahr mittlerweile bei rund 3.200 Euro. Innerhalb weniger Monate hat sich dieser Betrag erneut erhöht und stellt viele Betroffene und ihre Familien vor große finanzielle Herausforderungen.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Je nach Wohnort fallen die Kosten sehr unterschiedlich aus. Besonders hoch sind die Eigenanteile in Nordrhein-Westfalen, wo Pflegebedürftige im ersten Jahr monatlich mehr als 3.500 Euro selbst zahlen müssen. Am unteren Ende der Skala liegt Sachsen-Anhalt mit rund 2.660 Euro. In Sachsen betragen die Eigenanteile rund 3.000 €.
Rechnet man die Leistungen der Pflegeversicherung ein, kostet ein Pflegeheimplatz im bundesweiten Durchschnitt inzwischen erstmals über 5.000 Euro im Monat. Noch Ende 2024 lag dieser Wert deutlich darunter.
Was Pflegebedürftige selbst bezahlen müssen
Ein großer Teil der Kosten bleibt bei den Bewohnerinnen und Bewohnern hängen. Dazu zählen:
- Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung
- Investitionskosten für Bau, Modernisierung und Instandhaltung der Heime
- Ein Teil der eigentlichen Pflegekosten
Zwar beteiligt sich die Pflegeversicherung an den Pflegekosten, doch diese Zuschüsse steigen erst mit zunehmender Aufenthaltsdauer im Heim.
Entlastung erst nach mehreren Jahren
Mit längerer Verweildauer sinkt der Eigenanteil schrittweise. Im zweiten Jahr liegt er im Durchschnitt bei knapp 2.900 Euro, im dritten Jahr bei rund 2.500 Euro. Erst ab dem vierten Jahr fällt die monatliche Belastung auf etwa 2.000 Euro. Damit bewegen sich die Eigenanteile wieder auf einem Niveau, das zuletzt vor einigen Jahren erreicht wurde, als gestaffelte Zuschläge eingeführt wurden.
Forderungen nach politischem Handeln
Kritik kommt von den Krankenkassen. Sie sehen dringenden Handlungsbedarf, um Pflegebedürftige stärker zu entlasten. Ein zentraler Punkt: Die Bundesländer kommen ihren finanziellen Verpflichtungen bei Bau und Erhalt der Pflegeheime oft nicht ausreichend nach. Diese Kosten werden derzeit vielfach auf die Bewohner umgelegt.
Zusätzlich wird gefordert, die Ausbildungskosten für Pflegekräfte nicht länger über die Eigenanteile zu finanzieren. Eine solche Maßnahme könnte Pflegebedürftige bundesweit um rund eine Milliarde Euro entlasten.
Pflegereform dringend erwartet
Für viele Familien ist die Pflege im Heim längst zu einer existenziellen Frage geworden. Experten fordern daher, dass die angekündigte Pflegereform zügig umgesetzt wird und an mehreren Stellschrauben gleichzeitig ansetzt. Ziel müsse es sein, die Eigenbeteiligung spürbar zu begrenzen und Pflege im Alter wieder verlässlicher bezahlbar zu machen.
Vielleicht interessiert Sie unser Artikel zur Pflegeberatung der Verbraucherzentrale? Sie finden ihn HIER. Weitere Informationen finden Sie auch auf der Seite der AOK.