Die Flussperlmuschel-Auswilderungsstation im voltländischen Raun. Foto: LaNU
Die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU), der Vogtlandkreis und der Förderverein Pfaffengut Plauen laden am 30. Mai (11-16 Uhr) zum Tag der offenen Tür in die Flussperlmuschel-Zuchtstation im vogtländischen Raun (Bad Brambach) ein.
Wo sonst zwei erfahrene Züchter den Nachwuchs der vom Aussterben bedrohten Art pflegen, kann an diesem Tag jeder etwas über diese besondere Art des Vogtlandes erfahren.
Auf dem Außengelände der Zuchtstation können Sie die heimische Gewässerwelt erkunden und Kleinstlebewesen aus dem Raunerbach, der direkt an der Station vorbeifließt, kennenlernen. Wer Lust auf einen Spaziergang hat, nimmt an der Führung entlang des Flussperlmuschel-Erlebnispfades teil.
Besonders spannend ist es, die Baby-Flussperlmuscheln unter dem Mikroskop zu beobachten. Trotz ihrer winzigen Größe bewegen sie sich erstaunlich lebhaft. Der genaue Ablauf der Nachzucht wird anschaulich von den Mitarbeitern vor Ort erklärt.
Wer besonders wissensdurstig ist, wohnt am Nachmittag dem Vortrag im Obergeschoss der Zuchtstation bei. Untermalt mit zahlreichen Bildern werden dort Biologie, Zucht und Schutzmaßnahmen rund um diese eindrucksvolle Art erläutert.
Außerdem wird am Tag der offenen Tür auch das Perlmutter- und Heimatmuseum Adorf vertreten sein. Es bietet mit Exponaten aus der ehemaligen Perlmutterfabrikation einen Einblick in längst vergangene Zeiten.
Tag der offenen Tür
Ort Raunergrund 14, 08648 Bad Brambach OT Raun
Zeit 30.05.2026, 11 bis 16 Uhr
Programmhöhepunkte
12:00 Uhr Führung entlang des Erlebnispfades Flussperlmuschel mit Beate Groh vom Förderverein Pfaffengut Plauen
14:00 Uhr Schutz und Zucht der Flussperlmuschel in der Huschermühle (Regnitzlosau),Daniel Höllering, Bund Naturschutz in Bayern e.V.
Ganztägige Programmpunkte
Eintauchen in die heimische Gewässerwelt
Besichtigung der Zuchtanlage und der Jungmuscheln
Ausstellung und Filme zur Flussperlmuschel
Exponate aus der ehemaligen Perlmutterfabrikation
Der Eintritt ist frei. Ein Imbissangebot vor Ort ist vorhanden. Parkmöglichkeiten befinden sich zusätzlich auf dem Wanderparkplatz am südlichen Ortseingang von Sohl, ca. 500 m von der B 92. Von dort ist in zehn Minuten Fußweg auf einem ausgeschilderten Wanderweg die Flussperlmuschel-Zuchtstation zu erreichen.
Über das Projekt
Das Nachzuchtverfahren für Flussperlmuscheln in Sachsen wurde Anfang der 2000er Jahre im Freiland etabliert. Nach den ersten erfolgversprechenden Versuchen erwarb und sanierte die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) ein kleines Bauernhaus im Raunerbachtal mit Mitteln des Naturschutzfonds der LaNU. Es bietet aufgrund der direkten Nähe zum Raunerbach eine geeignete Wasserentnahmestelle für die Zucht. Seit 2012 werden die sächsischen Flussperlmuscheln dort von Mitarbeitern des Vogtlandkreises gezüchtet.
Die mit den Glochidien (Larven) der Flussperlmuscheln beimpften Bachforellen verbringen ein gutes halbes Jahr in einer Fischzuchtanlage der Region. Danach werden sie in zwei Durchgängen zwischen März und Mai in verschiedene Behälter der sächsischen Zuchtanlage in Bad Brambach / OT Raun überführt. Im Durchschnitt sind es je nach Alter und Größe der Tiere insgesamt etwa 150 - 200 Fische, von denen nach vollendeter Metamorphose die Jungmuscheln abfallen. Sie werden unter dem Binokular (optisches Instrument mit einem Okular für jedes Auge) heraussortiert und einige Wochen in Dosen unter optimalen Temperatur- und Futterbedingungen in der Muschelzuchtstation aufgezogen. Im Sommer werden sie in Lochplatten gesetzt und in die Aufzuchtgewässer überführt.

Die Zuchtstation bietet im Außenbereich ganzjährig Informationen rund um die Zucht und den Schutz der Flussperlmuschel. Ein uriger Unterstand bietet auch kleinen Gruppen Platz zum Verweilen. Von hier aus kann man den "Erlebnispfad Flussperlmuschel“ erkunden und tiefer in die Welt der Flussperlmuschel eintauchen. Das Perlmuttermuseum in Adorf vermittelt dem Besucher zahlreiche historische Hintergründe zum Thema Flussperlmuschel. Alle Infos unter www.flussmuscheln.de.
Die Flussperlmuschel in Sachsen
Ursprünglich war die Flussperlmuschel in Sachsen weit verbreitet. Doch aufgrund ihrer Fähigkeit, Perlen zu bilden, hat die Flussperlmuschel einen großen Bekanntheitsgrad erreicht. In früheren Jahrhunderten wurden die Perlen und auch die Schalen gesammelt. Sie waren begehrte Schmuckartikel bzw wurden zu solchen verarbeitet.
Im "Grünen Gewölbe" in Dresden wird eine historische Kette aus 177 vogtländischen Flussperlen aus der Weißen Elster aufbewahrt. Die außergewöhnliche Kette, die einst Kurfürstin Maria Amalia gehörte, wäre beim spektakulären Juwelenraub 2019 beinahe für immer verloren gegangen.
Das Erlebnis-Museum Perlmutter in Adorf
Sie können auch das neue, 2025 eröffnete Flussperlmuschel-Museum in Adorf besuchen. Die immersive und medial unterstützte Ausstellung führt Sie in die Welt der Flussperlmuschel, lässt Sie durch die Geschichte der Perlenfischerei streifen und geleitet Sie zu den glanzvollen Perlmutterschätzen, bei denen Sie Ihr "blaues Wunder" erleben können. Öffnungszeiten: Di-So, 10-17 Uhr. Eintritt: 9 Euro. Adresse: Erlebnismuseum Perlmutter, Graben 2, 08626 Adorf/Vogtl. Infos finden Sie auch unter www.perlmuttermuseum.de