Im Seifersdorfer Tal blühen im März und April die Buschwindröschen. Foto: Tobias Koch
Die Schneeglöckchen und die gelben Winterlinge haben längst den Anfang gemacht, sie überziehen gerade den Großen Garten in Dresden mit großräumigen Blütenteppichen. Doch es gibt noch viel mehr (meist giftige!) Frühblüher zu entdecken – und das überall in Sachsen.
Krokuswiesen in Drebach
Der Klassiker zuerst: Meist ab März verwandelt sich die Gemeinde Drehbach für etwa drei Wochen in einen blühenden Krokusteppich – und zieht längst nicht nur Naturliebhaber aus der Region an.
Auf der Internetseite der Gemeinde können Sie Infos zum aktuellen Stand der Blüte nachlesen. Am 10. März vermeldet die Gemeine erst eine zaghafte Blüte, erst am Ende der Woche kann eingeschätzt werden, wann der Höhepunkt der Blüte erwartet werden kann. Die Gemeinde erwartet, dass die Krokusse in diesem Jahr bis Ostern blühen.
Wenn sie blühen, dann erwartet Sie ein Naturspektakel: Ein vier Kilometer langer Krokus-Rundweg führt an über 40 ausgewiesenen Naturdenkmälern vorbei. Auf etwa sieben Hektar erblühen die wild wachsenden violetten Drebacher Frühlingskrokusse, auch „Nackte Jungfern“ genannt.Die Krokusse tragen diesen liebevollen Namen, weil Sie als eine der ersten Pflanzen nach dem Winter, manchmal sogar wieder vom Schnee bedeckt, jungfräulich zart und unberührt aus dem noch kahlen Boden sprießen. Der Drebacher Krokus ist eine herausgebildete Lokalform des Gartenkrokusses. Seine besonderen Merkmale sind u.a. die kleinere Blüte, schmale Kronenblätter und nur drei Laubblätter.
Der Pfarrer, Arzt, Heilpraktiker und Pflanzenzüchter David Rebentrost (1648 – 1703) soll dem Sächsischen Kurfürsten Johann Georg II nach einem Jagdunfall im nahegelegenen Heinzebankgebiet zu Hilfe gekommen sein. Zum Dank durfte sich Rebentrost drei Pflanzen aus dem kurfürstlichen botanischen Garten in Dresden aussuchen. Er wählte eine Eibe, die Doldige Vogelmilch (Doldiger Milchstern) und einen Frühlingskrokus. So erzählt es die Legende. Der Krokus hat sich großflächig im Ort verbreitet.
Damit das noch lange so bleibt: Die Krokusflächen bitte nicht betreten. Graben oder stechen Sie keine Knollen aus. Werfen Sie Abfälle nicht in die Natur. Achten Sie darauf, dass Kinder die Krokusse nicht in den Mund nehmen – sie sind leicht giftig!
Leberblümchen im Klosterpark Altzella
Wann und wie das Leberblümchen in den Klosterpark gelangt ist, kann nicht mehr zweifelsfrei nachvollzogen werden. Sicher ist jedoch: beim Altzellaer Vorkommen handelt es sich um eines von ganz wenigen in Sachsen. Es ist eine botanische Kostbarkeit! Wo finden Sie die Leberblümenchen? Sie spazieren am Mausoleum vorbei zu den verbliebenen Klosterruinen und können in der Nähe des ehemaligen Mühlgrabens die bläulichen Leberblümchens entdecken.
Je nach Region wird der Frühblüher auch Güldenleberkraut, Vorwitzchen, Fastenblume oder Feigerl genannt. Der hier gebräuchliche Name deutet auf die dreilappige Form der Laubblätter hin, die in ihrer Form an die menschliche Leber erinnern. Das lateinische Wort „hepatiarius“, was so viel heißt wie „zur Leber gehörend“, findet sich in der Gattungsbezeichnung des botanischen Namens wieder.
Nach der Signaturenlehre des Schweizer Arztes Paracelsus – der Lehre von den Zeichen der Natur – sollen Pflanzen oder Pflanzenteile selbst anzeigen, für jeweils welche Organerkrankung sie anwendbar sind. Das Leberblümchen mit seinen dreilappigen Laub also gegen Lebererkrankungen. „… in Wein gesotten öffnet es die verstopfte Leber und treibt den Harn … löscht allerley Hitz. Dasgleichen thut das Wasser, das hiervon gebrannt“, vermerkt der Botaniker Hieronymus Bock anno 1539.
Der Klosterpark Altzella beendet am 27. März seine Winterpause, dann können Sie bei einem Osterspaziergang sicher auch Leberblümchen entdecken. Eintritt 5 Euro. Infos unter www.kloster-altzella.de.
Märzenbecher im Polenztal
Die Märzenbecherwiesen des Polenztals (rund 130 000 qm) wurden 1821 erstmals erwähnt. Sie gehören zu den größten wilden Vorkommen in Sachsen, wenn nicht gar Deutschlands. Knapp zwölf Hektar Wiesen gehören dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz, weitere 5,5 Hektar . hat der Verein gepachtet. Bis April tauchen die Märzenbecher das ganze Tal in einen dichten, weißen Blütenteppich. Ein Wanderweg führt von der Bockmühle Cunnersdorf zu den Märzenbecherwiesen. Es versteht sich von selbst: Das Betreten der Wiesen und das Pflücken der Pflanzen sind tabu, um dieses Naturparadies auch für kommende Generationen zu bewahren.
Wer das gesamte Polenztal durchwandern will, folgt der Route mit dem roten Punkt. Die rund sechsstündige Tour führt durch das 22 Kilometer lange Flusstal von Neustadt bis zur Mündung der Polenz in die Sebnitz. Zu entdecken gibt es nicht nur botanische Kostbarkeiten, sondern auch einen berühmten Drehort. In den 1960er Jahren diente die Wiesenlandschaft im oberen Polenztal als Kulisse für das DEFA-Indianerdorf im Film „Die Söhne der großen Bärin“.
Sowohl in Heeselicht als auch am Luschdorfhof oberhalb der Bockmühle sowie straßenbegleitend am Landweg und am Ortsausgang Cunnersdorf werden als Ausgangspunkt für Wanderungen Sonder-Parkplätze eingerichtet.´Auch wenn der Weg zwischen Bockmühle und Scheibenmühle begehbar ist, ist dies an einigen Stellen ein anspruchsvoller Wanderweg. Sie benötigen unbedingt festes Schuhwerk und die entsprechende Trittsicherheit.
Über den aktuellen Zustand von Wanderwegen und Blütenpracht können Sie sich online im maerzenbechertagebuch.blogspot.com oder www.nationalpark-saechsische-schweiz.de informieren. In Langwolmsdorf (bei Stolpen) jedenfalls stehen sie seit Anfang März schon in voller Blüte.
Winterlinge und Krokusse im Großen Garten Dresden
Alljährlich ab Ende Februar spießen hier gelbe Winterlinge und blau-lila Krokusse rechts und links der Querallee. Die Energie für diesen frühen Austrieb beziehen die Winterlinge nicht wie Schneeglöckchen oder Tulpen aus einer Zwiebel, sondern aus einer unterirdischen Sprossknolle. Und noch eine Besonderheit zeichnet sie aus: Zwischen den gelben Blütenhüllblättern und den Staubblättern befinden sich kleine „Tütchen“, in denen die Winterlinge Nektar für ihre Blütenbesucher bereithalten. Noch viel mehr Interessantes zu Winterlingen finden Sie online unter www.tu-dresden.de – unter Botanischen Garten klicken. Mehr noch als Winterlinge ziehen die lila Krokusse Spaziergänger, Naturfreunde und Fotografen an. Auch hier gilt: Treten Sie nicht eines schönen Fotos wegen die Pflanzen nieder.
Die Frühjahrsbepflanzung in den Schmuckbeeten setzt in diesem Jahr auf die Farben Blau, Orange und Weiß gehalten. Die Bepflanzung beginnt diese Woche an den Torhäusern, wird dann am Schmuckplatz und am Teppichbeet fortgesetzt. Dann können Sie u.a. 25 Kaiserkronen, 600 Tulpen, 1.050 Narzissen und 14.540 Hornveilchen und Stiefmütterchen bewundern.
Buschwindröschen im Seifersdorfer Tal
Im romantischen Tal, durch das die Große Röder fließt, legten Moritz von Brühl (1746-1811, Sohn des einstigen Premierministers Heinrich von Brühl) und seine Gattin Tina (1756-1816) einen der frühesten Landschaftsgärten in Deutschlands an – mit Ruinen, Obelisk, Altaren und Gedenkplätzen. Er steht heute unter Naturschutz. Im Frühjahr - im März und April - verwandelt sich das Tal in einen Blütenteppich aus weißen Buschwindröschen. Infos unter www.tinathal.de.
Die rund 6 Kilometer lange „Seifersdorfer Runde“ startet und endet am Wanderparkplatz in Seifersdorf am Seifersdorfer Schloss. Von da aus folgen Sie dem gelben Punkt in Richtung Marienmühle und Seifersdorfer Tal. Im Tal wandern Sie in Richtung Grünberg bis zur Kunathmühle und ab da wieder in Richtung Seifersdorf. Als Abschluss der Runde lohnt sich ein Besuch des Seifersdorfer Schloss – leider können Sie es wegen Sanierungsarbeiten nur von Außen bestauen. Voraussichtlich im August 2026 soll es wieder öffnen. Infos unter www.schloss-seifersdorf.de.
Aber diesen Termin können Sie sich vormerken: Am 31. Mai wird der 5. Schloss- und Parksommer mit Unterstützung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen am "Tag der Parks und Gärten" eröffnet - mit Schülern der Kreismusikschule Bautzen, Außenstelle Radeberg und Studenten der Hochschule für Musik Dresden.
Schneeglöckchen in Dresden
Wenn Sie ganz besondere Schneeglöckchen in ihrem Garten kultivieren möchten, dann sind sie in der Staudengärtnerei Jentsch genau richtig. Das 1928 gegründete Familienunternehmen hat eine ganz besonders große Auswahl an Schneegflöckchen und gilt als erste Adresse für Liebhaber dieser Frühlingsboten. Ganz besondre Galanthus-Züchtungen wie "Smaragdriese" können dabei bis zu 250 Euro pro Zwiebel kosten. nfos unter www.dresdner-stauden.de.

Frühlingsbepflanzung im Schlösserland
Nicht nur in der freien Natur auch in den Parkanlagen des Schlösserland zieht der Frühling ein. Dafür sorgen über 50 Gärtner, die die Schmuckbeete seit dieser Woche bepflanzen. Im Schlosspark Pillnitz verwandeln sie die Beete mit 27.000 Hornveilchen und 5.000 Vergissmeinnicht in bunte Ornamente. 9.350 Blumenzwiebeln von Tulpen, Narzissen, Kaiserkronen, Hasenglöckchen, Hyazinthen und Zierlauch wurden bereits im Herbst in die Erde gebracht und recken jetzt die ersten Spitzen aus der Erde. Knapp 7000 Pflanzen und 2000 im Herbst gesteckte Zwiebeln werden im Barockgarten Großsedlitz erblühen. Nur auf Tulpen muss der Park noch immer verzichten. Grund ist die im Jahr 2020 eingeschleppte Pilzkrankheit namens "Tulpenfeuer". Da gegen die Krankheit kein Kraut gewachsen ist, hilft nur absoluter Verzicht. Erst im nächsten Jahr ist der Boden komplett ausgehungert und kann wieder mit Tulpen bestückt werden. Die knapp 300 im Herbst gesteckten Zwiebeln im Schlosspark Weesenstein bekommen als Nachbarn knapp 4000 Pflanzen, u.a. Nordisches Mannsschild, Kronen-Anemonen, Goldlack, Vergissmeinnicht, Primel und Stiefmütterchen.