Blick in das neue Skulpturendepot im Großen Garten in Dresden. Foto: SIB
Gehen Sie gern im Großen Garten spazieren? Für viele Dresdner ist der knapp 150 Hektar große, mitten im Herzen von Dresden liegende Park ein Erholungsort. 1676 begann Kurfürst Johann Georg III. mit dem Bau der Anlage nach französischem Vorbild, in dessen Mitte das Palais am Palaisteich thront. Seit kurzem hat der Große Garten eine neue Attraktion - das Skulpturendepot.
Der Neubau des Skulpturendepots befindet sich am Rand des Schmuckplatzes auf dem ehemaligen Gelände der Gartenmeisterei. Das Depot dient dem Schutz und der Aufbewahrung jenes wertvollen Skulpturenbestands aus dem Großen Garten, der wegen seines Alters und Zustandes nicht mehr im Freien aufgestellt werden kann. Dabei handelt es sich unter anderem um originale Marmorskulpturen von den italienischen Bildhauern Antonio Corradini (1688-1752) und Pietro Balestra (1672-1729), verschiedene Sandsteinskulpturen und Gipsabgüsse.
Das Depotgebäude beherbergt nun auf 280 m² rund 130 Skulpturen, Gipsabgüsse und zahlreiche Fragmenten. Den Umzug der wertvollen, zum Teil zerbrechlichen Skulpturen in die neue Heimstatt übernahm die Zwingerbauhütte. In der neuen, rund 2,2 Mio t
euren Skulpturenhalle herrschen konservatorisch optimale Bedingungen, um die Kunstwerke erhalten zu können.
Das Depot in Betonbauweise ist über 32 Meter lang, etwa 12 Meter breit und knapp sieben Meter hoch. Das Dach besteht aus "gefalteten" Betonscheiben, die sich an die geneigten Dächer im Großen Garten anlehnen. Temperaturen zwischen 5 und 35 °C und eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 65 Prozent garantieren den Erhalt der Skulpturen. Über ein Vollklimagerät wird das Raumklima reguliert, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert einen Teil des benötigten Stroms.

Unter den Bewohner des Depots befindet sich auch die originale Skulpturengruppe "Zeit raubt die Schönheit" von Balestra, die viele Jahre notgesichert in einem Holzhaus am Schmuckplatz ausharren musste. Die Skulptur, die viele Kriege überstand, musste sich im Wortsinn der Zeit beugen. Wind und Wetter hinterließen - trotz vieler konservatorischer Maßnahmen - ihre Spuren. 2013 brachen der Linke Flügel und der Rechte Fuß des Chronos ab. Seither verbarg sich die Figurengruppe unter dem schützenden Dach der Notsicherung. Nun genießt sie den Ruhestand im Skulpturen-Depot. An ihrer Stelle steht eine Marmorkopie, die der Potsdamer Bildhauer und Restaurator Andreas Klein nach Gipsabdrücken des Originals gefertigt hat.
Eine große Fensterwand an der Nordseite der Skulpturenhalle ermöglicht die Betrachtung von Außen. In der ersten Reihe sind die attraktivsten Bildwerke aufgestellt. Sie gewähren aber auch einen Blick auf etwa 50 weitere frei im Raum stehende Skulpturen. Ein Schwerlastregal an der Rückwand nimmt alle übrigen Objekte auf.
Die thematische Aufstellung der Objekte im Raum und im Regal wurde in enger Zusammenarbeit mit der Zwingerbauhütte (SIB) und den Museologen vom Schlösserland Sachsen erarbeitet und umgesetzt. Zukünftig ist geplant, das Depot zu bestimmten Anlässen oder auf Anfrage durch den Betreiber Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH in Form von Führungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Schönheitskur für Skulpturen
Knapp vier Millionen Euro stellt der Freistaat im Rahmen seines von 2017 bis 2027 aufgelegten Skulpturenprogramms für den Großen Garten zur Verfügung. Damit können die 37 Skulpturen, die es heute noch gibt, gereinigt, ausgebessert und konserviert werden. Doch bei den zwölf Marmorkunstwerken reicht das oft nicht - wie im Fall der "Zeit raubt die Schönheit" muss eine Kopie angefertigt werden.
Hintergrund
Nach der Verwüstung des Großen Gartens 1760 wurden fast alle Skulpturen und Bruchstücke in den umliegenden Pavillons eingelagert. Skulpturen, die nach der Umgestaltung des Gartens in den 1830er-Jahren nicht wieder aufgestellt und auch nicht auf der folgenden Auktion veräußert wurden, verblieben in den Depots der königlichen Sammlungen. Etliche Skulpturen, die im Außenraum des Gartens gefährdet waren, wurden 2004 in das Palais gebracht und wurden Teil einer Skulpturenausstellung. Objekte, die aus konservatorischen Gründen nicht mehr im Freiraum stehen konnten, wurden seit 2007 in eine große Depothalle nach Laußnitz verbracht.